Aktuell Artikel Leseprobe

Verändern wir die Welt! – Philosophisches Manifest

Unter dem Titelthema der neuen Ausgabe „Mutig, weiblich, wichtig – Manifest für eine Philosophie, die uns bewegt“ haben wir in zehn Punkten zusammengefasst, wie unserer […]

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Aktuell HOHE LUFT

Mutig, weiblich, wichtig – das neue Heft ist da!

Mutig, weiblich, wichtig – Manifest für eine Philosophie, die uns bewegt  Was soll Philosophie heute leisten? Moderne Philosophie ist für uns weder rein akademischer Diskurs […]

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HOHE LUFTpost – Harmonie statt Philosophie

HOHE LUFTpost vom 12.06.2015: Harmonie statt Philosophie

Deutschland hat einen kleinen Philosophie-Skandal: Die Veranstalter der Phil.Cologne, des Philosophie-Festivals in Köln, haben den australischen Philosophen Peter Singer ausgeladen, nachdem dieser in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung einige provokante Dinge über den moralischen Status von Embryonen und Menschen mit Behinderung gesagt hatte. Singer fragte die Veranstalter: “Wie können sie sich als Philosophie-Festival bezeichnen, wenn sie zu ängstlich sind, Fragen zu diskutieren, die einige Menschen stören?”

Und er hat recht. Diese Ausladung ist feige und armselig. Sie widerspricht dem Geist der Philosophie, zu der wesentlich der offene, undogmatische Diskurs gehört. Singer macht es sich mit seinen Thesen keineswegs leicht. Manchmal fällt es ihm selbst schwer zu akzeptieren, wohin seine konsequent utilitaristischen Argumente ihn führen. In Köln hätte es die Gelegenheit gegeben, mit ihm zu streiten. Aber offenbar liegt den Veranstaltern mehr an der Harmonie als an der Philosophie.

– Tobias Hürter

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Leserreise in die Schweizer Alpen

Kurzentschlossene aufgepasst: Für die allererste HOHE LUFT Leserreise vom 17. – 22. August 2015 nach Davos sind noch wenige Restplätze frei!

Unter dem Titel „Richtiges Handeln und gelingendes Leben“ erwartet Sie ein intensives Seminarprogramm, geleitet von dem erfahrenen Reiseveranstalter und Philosophen Peter Vollbrecht. Umgeben von einem wunderschönen Alpenpanorama wohnen Sie im legendären Hotel „Schatzalp„, unternehmen Wanderungen über die Almen und genießen die inspirierende Verbindung von Erlebnisreise und Philosophie. Von Aristoteles über Bentham bis hin zu Habermas werden klassische Texte der praktischen Philosophie gemeinsam erörtert und diskutiert. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich – die Reise eignet sich für alle, die Spaß am Denken haben! Am letzten Seminartag gibt HOHE LUFT-Chefredakteur Thomas Vašek dem Thema eine aktuelle Wende und erörtert mit Ihnen die Realitäten hinter dem Schlagwort von der „Work-Life-Balance“.

Seien Sie dabei – Wir freuen uns auf Sie!

Alle Informationen gibt es hier.

Fragen und Anmeldungen unter leserreise(at)hoheluft-magazin.de

Leserreise_Berge

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HOHE LUFTpost – Milde Gaben, und schädliche

HOHE LUFTpost vom 05.06.2015: Milde Gaben, und schädliche

Wenn ich einen bettelnden Menschen auf der Straße sehe, gebe ich manchmal was. Ein kleiner Schmeichler fürs Gewissen. Die zwei Euro sind ihm viel mehr wert als mir, sage ich mir. Doch das Gewissen bleibt nicht ungetrübt. Später fällt mir ein, dass ich mit meiner Spende das Betteln lukrativer gemacht habe, und damit Arbeit vergleichsweise weniger lukrativ. Ein guter Effekt und ein schädlicher. Welcher wiegt schwerer?

Ich vermute, der schädliche. Wenn ich nämlich meine zwei Euro jemandem geben möchte, dem sie mehr wert sind, dann sollte ich sie jemandem geben, dem sie möglichst viel wert sind. Und das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gerade dieser Bettler. Ich muss mich also aufraffen und jemanden suchen, dem sie noch mehr wert sind. Das ist nicht schwer in dieser Welt. Es bleibt also vernünftig, zu spenden. Aber nicht aus dem Handgelenk.

– Tobias Hürter

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HOHE LUFTpost – Gleich und gleich

HOHE LUFTpost vom 29.05.15: Gleich und gleich

Die Iren haben sich per Volksentscheid für eine vollständige rechtliche Gleichstellung homo- sexueller Paare ausgesprochen – inklusive Ehe. 62 Prozent stimmten dafür, und das in einem stockkatholischen Land.

Nach traditionellem Verständnis ist die Ehe eine Verbindung zwischen Mann und Frau zum Zweck der Fortpflanzung. Aber Traditionen verlaufen sich. Die Bedeutung von Begriffen verändert sich. Ein Telefon war früher ein elektrischer Fernsprech-Apparat mit Lautsprecher, Mikrofon und Kabel. Heute ist es ein funkvernetzter Kleincomputer für die Jackentasche. Die Technik schreitet voran. Und die Gesellschaft entwickelt sich. Familie, Arbeit, Regierung – wer diese Begriffe noch so versteht wie vor hundert Jahren, der hat was verschlafen. Ebenso bei der Ehe. Heute gibt es auch in traditionsbewussten Dörfern keine Ermahnung vom Pfarrer mehr, wenn in einer jungen Ehe mal ein Jahr lang kein neues Kind kommt.
In Irland war Homosexualität bis 1993 strafbar. Nun soll sie also Verfassungsrang bekommen. Das ist kein Widerspruch, sondern Wandel. Auch Deutschland wäre bereit dafür. Das Grundgesetz schützt die Ehe, definiert sie aber nicht. Was wir als Ehe verstehen, bleibt uns überlassen.

– Tobias Hürter

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Im Luxus des Denkens

Philosophie ist Luxus. Der Überzeugung ist zumindest Siegfried Reusch, Chefredakteur und Mit-Herausgeber des Philosophie-Journals „Der Blaue Reiter“, das dieses Jahr 20-jähriges Jubiläum feiert. Auf dem Gebiet der philosophischen Zeitschrift, getragen von der Ambition, Philosophie einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, ist Reusch ein echter Pionier. Den ganzen Artikel lesen

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HOHE LUFTpost – Fliegen und ihre Gefühle

HOHE LUFTpost vom 22.05.15: Fliegen und ihre Gefühle

Was geht in einer Fliege vor, auf die gerade ein Mensch einen Mordanschlag verübt hat? Auf den ersten Blick schwer zu sagen, man weiß ja nicht, wie es ist, eine Fliege zu sein. Nun aber haben sich Biologen mit dieser Frage in einem Paperbeschäftigt. Die Wissenschaftler haben Fliegen, die beim Fressen waren, mit bewegten Schatten aufgescheucht und ihr Verhalten beobachtet. Im Titel des Papers sprechen die Forscher noch vorsichtig von einem »anhaltenden Zustand defensiver Erregung«, doch im Paper selbst schreiben sie den Fliegen »primitive Emotionen« zu – ein Novum in der biologischen Forschung, die die Fliegen als pure Reiz-Reaktions-Maschinen zu betrachten pflegt.
Ist es wirklich sinnvoll, so einfach gebauten Lebewesen Emotionen zuzusprechen? Ja! So wird ihr Verhalten verständlich. Sie schwirren aufgeregt umher, weil sie Angst um ihr Leben haben. Erst allmählich, eine Weile nach dem Reiz, beruhigen sie sich wieder. Natürlich wissen wir nicht sicher, was sie dabei empfinden. Aber das wissen wir, wenn man es ganz genau nimmt, bei unseren Mitmenschen auch nicht. Dennoch ist es vernünftig, ihnen vergleichbare Emotionen zuzuschreiben, wie jeder sie von sich selbst kennt. Und bei Fliegen liegt die Sache ähnlich, wie wir jetzt in »Current Biology« nachlesen können. Mehr Mitgefühl mit den Fliegen!

– Tobias Hürter

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»Wofür es sich zu kämpfen lohnt« – das neue Heft ist da!

Wir feiern Jubiläum: die 20. HOHE LUFT ist ab 21.05. im Handel erhältlich. Zur Feier des Tages erscheint HOHE LUFT das zweite Mal mit Sonderbeilage.
Blog_neu_0415Gelassenheit gilt vielen als Tugend – nicht nur die antiken Stoiker sprachen sich dagegen aus, sich von äußeren Einflüssen aus der Ruhe bringen zu lassen. Wir glauben hingegen, dass es Dinge gibt, die es wert sind, dass wir für sie kämpfen. Wieso wir uns mit Leidenschaft dafür einsetzen sollten, was uns wirklich wichtig ist, lesen Sie in der Titelgeschichte der neuen Ausgabe 04/15.
Mit dem neuen Heft erscheint auch unsere zweite HOHE LUFT Spezial-Beilage, diese Mal rund um das Thema »Verantwortung«Was bedeutet es, Verantwortung zu tragen? Wer ist wem gegenüber verantwortlich? Welche Verantwortung haben Unternehmen? Wo endet die Verantwortung? Diesen und anderen Fragen gehen wir in dem 44-seitigen Spezial auf den Grund. Weitere Themen der neuen Ausgabe: ein Pathologe kritisiert die moderne Hochleistungsmedizin. Was ist das Böse? Was nach dem Tod bleibt. Der britische Philosoph John Gray im Interview über Freiheit. Was ist eine Täuschung, Martin SuterGadamer unplugged. Und dieses Mal im Fokus: Mobilität in Zeiten des Internets.
Hier können Sie das neue Heft ganz bequem und versandkostenfrei bestellen. Wir freuen uns auf Ihr Feedback!
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HOHE LUFTpost – Wir Einwanderer

HOHE LUFTpost vom 15.05.15: Wir Einwanderer

Menschen überqueren auf abenteuerlichen Gefährten das Mittelmeer von Afrika nach Europa. Dort werden sie von der angestammten Bevölkerung nicht mit offenen Armen empfangen. Man feindet sich an, aber man freundet sich auch an. Das Zusammentreffen löst einen gewaltigen Entwicklungssprung aus.
Wann das war? Vermutlich so kam vor rund 50000 Jahren der Homo sapiens nach Europa, wo er auf den Neandertaler traf – und so kamen vor rund 500000 Jahren auch die Vorfahren des Neandertalers nach Europa. Was genau damals geschah, ist im Dunkel der Prähistorie verschwunden, aber über das Ergebnis können wir glücklich sein: Wir selbst sind das Ergebnis.
Heute kommen wieder Menschen auf abenteuerlichen Gefährten über das Mittelmeer. Wieder mit glücklichem Ergebnis? Es hängt von uns ab.

– Tobias Hürter

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HOHE LUFTpost – Jetzt streikt’s aber

HOHE LUFTpost vom 08.05.15: Jetzt streikt’s aber

Hat Sie der Streik der Lokführer auch betroffen? Meinen Wochenplan hat er durchkreuzt, und mich ziemlich genervt zurückgelassen, aber immerhin mit etwas Zeit zum Nachdenken. Lokführer und Piloten: Warum streiken immer wieder dieselben Berufsgruppen? Warum nicht mal – die Philosophen? »Die Wahrheitssuche steht still, bis unsere Forderungen erfüllt sind!« – »35 Stunden Grübeln pro Woche reicht!« – so eine philosophische Streikkundgebung wäre doch mal eine hübsche Abwechslung. Wird nicht passieren, klar. Der Rest der Welt kommt besser ohne Philosophen als ohne Lokführer aus, zumindest für ein paar Tage. Ich glaube aber, das ist nicht der eigentliche Grund. Philosophen können nicht so einfach streiken, weil die Philosophie nicht einfach ihr Job ist. Philosophie ist eine Haltung, die man nicht nach erfüllter Wochenarbeitszeit ablegt. Ein Lokführer, der keine Lok führt, ist immer noch er selbst. Ein Philosoph, der das Philosophieren lässt, ist nicht mehr ganz er selbst. Es gehört zu seinem Wesen. Darin sind Philosophen nicht einzigartig, gleiches gilt auch beispielsweise für Schriftsteller und Musiker – zwei weitere Berufe, die nicht für Streiks bekannt sind. Wir würden ihre Arbeit vermissen. Aber sie selbst würden ihre Arbeit noch mehr vermissen.

– Tobias Hürter

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HOHE LUFTpost – Die Vergebung des Unentschuldbaren

HOHE LUFTpost vom 01.05.2015: Die Vergebung des Unentschuldbaren

Während des Auschwitz-Prozesses in Lüneburg ereignete sich letzte Woche etwas Außergewöhnliches. Der angeklagte frühere SS-Mann Oskar Gröning bekannte sich »moralisch mitschuldig« und sagte: »Ich bitte um Vergebung.« Er bekam sie. Eva Kor, die das Konzentrationslager überlebt hat, reichte Gröning die Hand und sagte: »Ich habe den Nazis vergeben.« Kors Geste stieß auf Kritik. So äußerte Christoph Heubner vom Internationalen Auschwitz Kommitee die Befürchtung, die Geste könne als »moralischer Freispruch und Abschlusserklärung« missverstanden werden.
Ich bin anderer Ansicht. Es ist eine große, richtige Geste. Vergebung ist weder Freispruch noch Entschuldigung. Sie lässt die Schuld und die Verantwortung stehen und bietet dem Schuldigen dennoch an, in eine menschliche Beziehung zueinander zu treten. »Meine Vergebung spricht die Täter nicht frei«, sagte Kor und wandte sich an Gröning: »Ich hoffe, dass Sie und ich uns als ehemalige Gegner als Menschen begegnen können.« In der HOHE LUFTpost vom 13. Februar hatte ich geschrieben, dass ich die Fähigkeit, zu vergeben, an meinen Mitmenschen besonders hoch schätze. Und so hat Kor, die in Auschwitz ihre Familie verlor und grausame medizinische Experimente durchlitt, meinen ganzen Respekt.

– Tobias Hürter

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