Aktuell Europa

Was ist Flucht? Von der Realität und Aggression der Bilder

In diesen Tagen scheint es nur ein einziges Thema zu geben: Flucht. Es vergeht kein Tag, an dem uns die Medien nicht über die Schicksale […]

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Aktuell Geschichte HOHE LUFTpost

HOHE LUFTPOST – Wir Engel und Teufel

HOHELUFTpost vom 28.08.2015: Der Fund ist gruselig, und er gibt zu denken: Archäologen haben in der Nähe von Frankfurt am Main ein Massengrab freigelegt, in […]

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HOHE LUFTpost – Veganismus und das gute Gewissen

HOHE LUFTpost vom 17.07.2015: Veganismus und das gute Gewissen

Essen Sie Fleisch? Eier? Tragen Sie Leder? Der Veganismus gewinnt derzeit merklich an Anhängern. Im Gegensatz zur Vegetarier-Bewegung von früher stehen dabei oft ethische Gründe im Vordergrund, nicht die Gesundheit. Wer Fleisch konsumiert, unterstützt Massenschlachtungen. Wer Eier isst, finanziert die industrielle Haltung von Hühnern. Kurz gesagt: Wer tierische Produkte kauft, vermehrt das Leid in der Welt. Und Leid ist schlecht. Folglich ist Veganismus gut.

Einfach, oder? Nein, ganz so einfach ist es nicht. Denn nicht immer führt der Konsum tierischer Produkte zu vermehrtem Leid. Man kann sich Eier von wirklich glücklichen Hühnern in die Pfanne hauen. Man kann Milch von Kühen trinken, die auf saftigen Bergweiden leben. Oder Insekten essen, die nach der Auffassung von Biologen gar nicht in der Lage sind, Schmerzen zu empfinden.

Ethischer Veganismus ist zunächst mal ein erfreuliches Phänomen. Doch so richtig überzeugt er mich nur, wenn er konsequent ist in seiner ethischen Ausrichtung – und wenn er Teil eines Lebensstils ist, der auch in anderen Bereichen so konsequent ist in seiner Vermeidung von Leid. Darf ein strikter Veganer mit dem Auto zur Arbeit fahren? Ich bezweifle es. Aber gleichzeitig denke ich mir: Es ist immer noch besser, inkonsequent ethisch zu sein, als gar kein Gewissen zu haben.

– Tobias Hürter

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HOHE LUFTpost – Doping und Sportkultur

HOHE LUFTpost vom 10.07.2015: Doping und Sportkultur

Die Tour de France rollt wieder durch Frankreich, wie immer begleitet von der Frage: Sind die denn jetzt sauber? Immerhin scheint die Zahl der erwischten Doper zurückzugehen. Aber wenn man den Experten glauben kann, dann wird munter weitergedopt, nur eben etwas geschickter, knapp unter der Nachweisgrenze.

Wie kann man diesen Missstand aufräumen? Gar nicht, sagt der australische Philosoph Julian Savulescu. Er plädiert dafür, Doping freizugeben. Sein Hauptargument ist, dass es keine schlüssige Definition von Doping gebe. Es gebe harmlose Mittel, die verboten sind, und schädliche, die erlaubt sind. Das Antidoping-System sei großteils Willkür.

Ich sehe das anders. Es gibt faire Leistungssteigerung und unfaire. Die Rennfahrer müssen unter vergleichbaren Voraussetzungen starten. Wer sich einen pharmazeutischen Vorteil zu erschleichen versucht, muss bestraft werden. Ich sehe allerdings auch, dass die Verlockung zum Doping so gewaltig ist, dass die Fahrer nicht ohne weiteres davon abzubringen sind.

»Im Radsport ist kein Platz für Ethik«, zitiert Savulescu die Fahrer. Dann brauchen wir einen Radsport, in dem Platz für Ethik ist. In dem nicht einzig und allein der Sieg zählt, sondern auch die sportliche Haltung, die Persönlichkeit, die spannende Geschichte. In dem auch die Underdogs in den Medien vorkommen, und auch die Rookies eine Chance auf gute Sponsorenverträge haben. Wir brauchen eine bessere, menschliche Sportkultur. Dann, so glaube ich, löst sich auch das Dopingproblem.

– Tobias Hürter

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HOHE LUFTpost – Die Schuldenfrage

HOHE LUFTpost vom 03.07.2015: Die Schuldenfrage

Die Europäische Union steckt in einer beispiellosen Krise, und schuld sind die Schulden. Die Geberländer haben Griechenland Geld geliehen, und Griechenland zahlt nicht zurück. Einfache Angelegenheit, oder?

Aber näher betrachtet sind Schulden alles andere als eine einfache Angelegenheit. Der amerikanische Ethnologe David Graeber, der an der London School of Economics lehrt, hat ein dickes Buch darüber geschrieben: “Schulden – die ersten 5000 Jahre”. Darin legt er dar, wie tief unsere Gesellschaft vom Konzept der Schulden geprägt ist. Nicht nur der Handel, sondern auch Institutionen wie Familie und Freundschaft, Staat, Gesetz und Religion sind in der uns bekannten Form nicht ohne Schulden denkbar.

Graebers These ist, dass ein gutes, menschliches Zusammenleben nur funktioniert, wenn die Beteiligten nicht ständig in Begriffen von Schulden denken. Zum Beispiel bei der Reparatur einer Wasserleitung. Wenn dabei einer sagt »Reich mir die Zange«, dann wird der andere nicht antworten »Und was kriege ich dafür?«, sondern ihm ohne weiteres die Zange geben. Gemeinschaft lebt von spontanem Geben und Nehmen. Schulden schaffen ein ganz anderes Klima. Sie sind ein Machtinstrument.

In größerem Maßstab ist das der aktuelle Konflikt in der EU: Gemeinschaftlichkeit und ökonomische Logik stehen gegeneinander. Ich hoffe, den verantwortlichen Politikern gelingt, beides zu versöhnen.

– Tobias Hürter

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Schönheit mit Down-Syndrom

TobiasHuerter_180x180swKolumne Schöne Gedanken

Unser stellvertretender Chefredakteur Tobias Hürter macht sich in seiner neuen Kolumne jeden Monat Gedanken über das Thema »Schönheit«. Wie so oft steckt auch hinter unserem Alltagsverständnis von Schönheit viel mehr als man auf den ersten Blick sieht. Viel Spaß und schöne Gedanken beim Lesen!

Schönheit mit Down-Syndrom

In Australien macht derzeit ein junges Model Furore, wie es bisher noch keines gab: Die 18-jährige Madeline Stuart, genannt »Maddy«, hat das Down-Syndrom. Menschen mit dieser Gen-Anomalie entsprechen eigentlich nicht den üblichen Schönheitsnormen. Doch wie Maddy zeigt, können sie sexy und schön sein. Maddy hat sich anderthalb Jahre auf ihre Model-Karriere vorbereitet und dabei 20 Kilogramm abgenommen – und es hat sich gelohnt: Das Mode-Label Living Dead Clothing hat Maddy engagiert. Bald soll das erste Shooting steigen. Das Beispiel Maddy kann uns die Augen öffnen: für Schönheit, die aus dem Rahmen fällt.

– Tobias Hürter

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HOHE LUFTpost – Das Recht, sich selbst zu schädigen

HOHE LUFTpost vom 26.06.2015: Das Recht, sich selbst zu schädigen

Haben Sie schon mal gekifft? Oder Haschkekse genascht? Falls ja, gehören Sie zu den laut Umfragen rund 50 Prozent der Menschen, die schon einmal selbst die Wirkung von Tetrahydrocannabinol erfahren haben. Der Konsum von Cannabis ist also weit verbreitet, aber verboten, und die Stimmen für eine Legalisierung werden lauter. Die Argumente gehen wild durcheinander: politische, ökonomische, medizinische und ethische.

Auch ich bin für die Freigabe von Cannabis. Aber die Argumente anderer Befürworter weise ich zurück. So argumentiert der Jurist Lorenz Böllinger, jeder Mensch habe das Recht, sich selbst zu schädigen. Es folgt in seinen Augen aus dem Grundrecht auf Handlungsfreiheit.

Ich bestreite das. Ja, es gibt das Recht auf Freiheit, es gibt aber auch die Verantwortung jedes Menschen für sich selbst. Wäre Cannabis eine eindeutig schädliche Substanz, dann wäre ich nicht für ihre Freigabe – so wie ich auch gegen die Freigabe von Heroin wäre. Doch ich bin überzeugt, dass es eine Weise des Umgangs mit Cannabis gibt, die nicht schädlich zu nennen ist.

Das Recht ist dazu da, die Menschen zu schützen. Manchmal auch vor sich selbst.

– Tobias Hürter

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Hohe Luft Leserreise: Philosophie zum Anfassen


LAST-MINUTE-ANGEBOT: 40 % günstiger am renommierten Philosophicum Lech teilnehmen – inklusive vier Übernachtungen, Welcome-Drink, »Philosophieren am Berg« und Dinner mit der HOHE LUFT-Redaktion.

19. PHiLOSOPHICUM LECH VOM 16. – 20. SEPTEMBER 2015 – NEUE MENSCHEN! BILDEN, OPTIMIEREN, PERFEKTIONIEREN

Begeisternde Visionen oder zeitgeistige Irrwege? Das Philosophicum Lech widmet sich wieder einem Thema mit hoch aktuellem Bezug: »Neue Menschen! Bilden, optimieren, perfektionieren« – auf dem diesjährigen Symposium referieren Experten in bewährt interdisiziplinärer Weise ihre Thesen und Erkenntnisse und laden Sie ein, an fünf Tagen mitzudiskutieren.
Europaweit ist das Philosophicum Lech eines der erfolgreichsten geisteswissenschaftlichen Symposien. Es greift aktuelle Entwicklungen auf und wirft einen faszinierenden Blick in die Zukunft, der begeistert und mitunter auch nachdenklich stimmt. Es geht um das, was dem Menschen möglich ist – und um den Kern unseres Selbstverständnisses. Für spannende Betrachtungen und die brisante Diskussion eines „neuen Menschen“ garantiert wie stets das hochkarätige Programm.
Weitere Informationen: philosophicum.com

Seien Sie dabei und erleben Sie mit der Redaktion von HOHE LUFT zu einem Sonderpreis diese exklusive Veranstaltung in der schönen Bergwelt von Lech.

hotel-garni-lechHotel Garni Schranz
Im Wohlfühlhotel »Hotel Garni Schranz« erwartet Sie eine warme, herzliche Atmosphäre inmitten der romantischen Bergwelt von Lech. Genießen Sie die gemütlichen Zimmer, ein Glas Wein in der Lounge am offenen Feuer oder die Sonnenterrasse mit herrlichem Blick. Im SPA-Bereich mit Pool, Bio- und finnischer Sauna, Dampfbad und Infrarotkabine kann man die Seele so richtig baumeln lassen.

 

PROGRAMM

Mittwoch bis Sonntag: Teilnahme am Symposium

Mittwoch, 19:00
»Welcome Drink« im Hotel Garni Schranz

Donnerstag, 08:30
HOHE LUFT_Philosophieren am Berg auf dem Rüfikopf. Nach der Auffahrt mit der Rüfikopf-Seilbahn führen Chefredakteur Thomas Vašek und ein Mitglied der Tractatus-Jury einen Diskurs im Zusammenhang mit dem diesjährigen Thema des Philosophicum Lech. Anschließend findet ein Brunch auf 2.350 m im Panoramarestaurant Rüfikopf statt.

Samstag, 19:30 
Gemeinsames Abendessen mit der Redaktion von HOHE LUFT

Kosten: 560 Euro pro Person

Enthaltene Leistungen:
• Übernachtung und Frühstück vom 16.09 – 20.09
• Freikarte für das gesamte Philosophicum
• Teilnahme bei HOHE LUFT_Philosophieren am Berg • »Welcome Drink« im Hotel Garni Schranz
• Abendessen mit der HOHE LUFT Redaktion

Anreise: auf eigene Kosten

Unterkunft und Frühstück: Einzelzimmer im Hotel Garni Schranz (Doppelzimmer auf Anfrage) schranz-lech.info

Anfragen und Buchung: Bis zum 10. August unter leserreise_lech@hoheluft-magazin.de

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Sonderheft HOHE LUFT kompakt

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In über 20 Ausgaben HOHE LUFT sind zahlreiche Interviews mit den brillantesten Köpfen entstanden. Zeit, eine Sammlung der spannendsten Gespräche aus den letzten Jahren im Rahmen eines Sonderheftes herauszubringen.

Von der Geistesphilosophie Derek Parfits über die Gerechtigkeitstheorien von Ronald Dworkin bis hin zu Axel Honneths Philosophie der Anerkennung erleben Sie in einem Heft, wie vielfältig und inspirierend die großen Denker unserer Zeit sind.

Das Heft ist ab dem 27.06.2015 für drei Monate im Zeitschriftenhandel verfügbar. Hier können Sie es versandkostenfrei bestellen.

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Catwalk für Akademiker. Antwort auf Per Leo

Der Historiker und Schriftsteller Per Leo veröffentlichte im Mai 2015 in der FAZ einen Artikel über die Heidegger-Tagung in Siegen, bei der sich internationale Heidegger-Experten kritisch mit der Bedeutung der »Schwarzen Hefte« für die Rezeption von Heideggers Gesamtwerk auseinandersetzten. Der Philosoph Gaëtan Pégny vom Marc Bloch Zentrum in Berlin antwortet hier auf Leos Beitrag und stellt sich gegen Leos These, die Frage nach Heideggers NS-Ideologie sei eine „Scheinfrage“. Den ganzen Artikel lesen

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HOHE LUFTpost – Nur nicht den Kopf verlieren

HOHE LUFTpost vom 19.06.2015: Nur nicht den Kopf verlieren

Der italienische Chirurg Sergio Canavero hat angekündigt, in zwei Jahren die erste Kopftransplantation der Geschichte durchzuführen. Mit gewaltigem Aufwand will er den Kopf des Russen Valery Spiridonov, der an einer seltenen tödlichen Muskelkrankheit leidet, von seinem jetzigen Körper auf einen anderen verpflanzen.

Da drängen sich einige ethische und wissenschaftliche Fragen auf: Ist die verwegene Operation das Risiko wert? Kann ein Kopf an einem neuen Körper anwachsen? Auch wenn es klappt, stellt sich eine grundsätzliche Frage: Ist das dann noch Spiridonov? Wer eine gespendete Niere implantiert bekommt, bleibt er selbst, das bestreitet niemand. Doch ein Körper wiegt das Zehnfache eines Kopfes, und seine Funktionen sind in vieler Hinsicht nicht weniger komplex.

Im Kopf sitzt das Bewusstsein, und das Bewusstsein macht den Menschen aus, könnte man nun sagen. Bedeutet das, dass ein Mensch sein Gehirn ist – oder gar nur sein präfrontaler Cortex? Nein. Ein präfrontaler Cortex allein ist gar nichts.
Ich glaube, es gibt kein eindeutiges Ja oder Nein auf die Frage, ob das dann noch Spiridonov ist. Wir können uns entscheiden, ihn weiterhin als Spiridonov zu sehen, aber wir müssen es nicht. Man kann ihn auch als Fortsetzung des Körper-Spenders betrachten, oder als einen ganz neuen Menschen. Es ist zu hoffen, dass die Operation klappt. Natürlich für Spiridonov. Aber auch als beispielloses philosophisches Experiment.

– Tobias Hürter

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Die Heidegger-Gesellschaft muss sich öffnen

Die Heidegger-Debatte geht weiter! Helmuth Vetter, der neue Vorsitzende der Martin-Heidegger-Gesellschaft, nimmt in HOHE LUFT Stellung zur aktuellen Diskussion um Heideggers »Schwarze Hefte«.

Vetter ist Professor für Philosophie an der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaften der Universität Wien. Als letztes erschien von ihm »Grundriss Heidegger. Ein Handbuch zu Leben und Werk«. Im März 2015 übernahm er den Vorsitz der Martin-Heidegger-Gesellschaft von Günter Figal, der aufgrund der Enthüllungen aus Heideggers »Schwarzen Heften« zurückgetreten war. Den ganzen Artikel lesen

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