Aktuell HOHE LUFT Veranstaltung

Im Zweifel für den Zweifel?

Im Fackelschein eines olympischen Feuers und unter den wachsamen Augen einer bronzenen Platon-Büste fand am 27.08. in der Modern Life School wieder einmal HOHE LUFT_live […]

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Aktuell Gesellschaft Veranstaltung

Was Kunst kann

Kunst ist angenehm, denn Kunst unterhält. Kunst ist der Vergnügungsdampfer, auf dem wir anheuern, wenn wir mal wieder eine Pause von all den wirklich wichtigen […]

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DAS SEIN, ALLEIN

Ganz für sich ist heute so gut wie niemand mehr. Selbst wer abends allein zu Hause sitzt, ist meist verbunden – mit dem sozialen Netz oder Instant-Messaging-Diensten. Ist das gut? Was macht das Alleinsein aus? Und woher rührt seine Kraft?

HOHE LUFT-Volontärin Greta Lührs geht diesen Fragen in unserer aktuellen Ausgabe nach. Ihr Artikel kann jetzt auch hier online gelesen werden.

Viel Spaß!

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Reich wie nie

Superreiche versus Habenichtse – in Deutschland wird intensiv diskutiert über die Umverteilung von Vermögen, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich und exorbitant hohe Managergehälter. Es geht um die Verteilungsgerechtigkeit. Nur die Gehälter im Profi-Fußball werden nicht erwähnt. Dabei steht die WM vor der Tür.

Zum Vergleich: Philipp Lahm verdient inklusive Werbeeinnahmen um die 14 Millionen Euro. Volkswagen Chef Martin Winterkorn hat 2013 15 Millionen Euro verdient und  2011 waren es sogar 17,4 Millionen. Das hat in der öffentlichen Diskussion so hohe Wellen der Empörung hervorgerufen, dass sich der VW-Aufsichtsrat auf neue Vergütungsregeln geeinigt hat. Manager Gehälter werden also als ungerecht empfunden, Gehälter im Profi-Fußball hingegen werden akzeptiert.
Wie kann das sein?

Man könnte mit den Utilitaristen argumentieren und nach dem Nutzen fragen: „Richtig ist, was das größte Glück für die größte Zahl von Menschen bewirkt“. Gerechtigkeit ist im utilitaristischen Verständnis wertvoll, wenn sie etwas zur allgemeinen Glücksvermehrung beiträgt. Im Gegensatz zum Manager schafft ein Fußballer keine Arbeitsplätze, produziert keine Güter und hat keine Mitarbeiterverantwortung. Aber ein Millionenpublikum will ihn auf dem Platz spielen sehen. In seinem Fall ergibt sich der Nutzen aus dem Wunsch eines großen Teils der Gesellschaftsmitglieder. Hier werden Ungleichheiten zugelassen, um den Gesamtnutzen maximal zu steigern.

Der Philosoph John Rawls (1921-2002) hingegen betrachtet Fairness als den zentralen Begriff von Gerechtigkeit. Nicht die Maximierung des Allgemeinnutzens steht im Vordergrund wie bei den Utilitaristen, sondern dass alle Gesellschaftsmitglieder den Gerechtigkeitsgrundsätzen in Hinblick auf ihr eigenes Wohlergehen zustimmen können. Für Rawls folgt daraus, dass ökonomische und soziale Ungleichheit in Ordnung sein kann, wenn sie zum maximal zu erwartenden Vorteil der am schlechtesten Gestellten beiträgt. Das impliziert aber nicht, dass Spitzensportler es auch moralisch betrachtet verdienen, mehr Geld zu bekommen als eine Krankenschwester. Und es bleibt die Frage, wie durch überbezahlte Fußballer andere bessergestellt werden?

Und was wenn Lahm zu langsam ist und Schweinsteiger nicht fit genug? Dann erscheinen die hohen Gagen nicht mehr so gerecht. Da man als Fan einen beträchtlichen Anteil am Erfolg eines Fußballers hat, sollte Lahm bei schlechter Leistung, also für den Fall, dass er seine Millionen nicht wert ist, einen Teil seines Verdienstes an die zahlreichen Fans umverteilen. Damit wäre nicht nur der Verteilungsgerechtigkeit sondern auch der ausgleichenden Gerechtigkeit genüge getan. Schließlich sind enttäuschte Erwartungen eine Schädigung, die Wiedergutmachung erfordert. Allerdings stößt hier die Theorie an die Grenzen der Realität.
Doch bei aller (berechtigten) Kritik an den Millionenverdiensten eines Profifußballers, wünschen wir uns, dass Deutschland gewinnt und werden mitfiebern, wenn Philipp Lahm und seine Kollegen auf dem Platz stehen. Geld hin oder her.

- Pia Jaeger

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Vergiss mich!

Google muss künftig in bestimmten Fällen Sucheinträge sperren, wenn die betroffene Person einen guten Grund vorweisen kann, weshalb sie von der Suchmaschine nicht gefunden werden möchte. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes räumt uns damit ein „Recht auf Vergessenwerden“ ein.

Ein Recht darauf, vergessen zu werden? Das klingt seltsam. Streben nicht sonst alle danach, in die Ewigkeit einzugehen und möglichst nicht in Vergessenheit zu geraten? Als hätten wir Kants These „Tot ist nur, wer vergessen wird“ verinnerlicht, probieren wir alles, um auch über den Tod hinaus in Erinnerung zu bleiben. Den ganzen Artikel lesen

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Wir Landschaftsmaler

Was für ein Panorama. Ich stehe am Ufer des Kawaguchi-Sees in Japan und blicke auf die tadellos konische Erscheinung mit der schneebedeckten Spitze. Der Fuji ist ein sanfter Riese, väterlich wacht er über die Umgebung. Seine Silhouette spiegelt sich auf der glatten Wasseroberfläche. Was gäbe ich dafür, dieses Bild jetzt in Öl festzuhalten. Leider fehlen mir dazu Leinwand, Farbe und künstlerisches Talent. Doch woher rührt bloß dieser plötzliche Wunsch nach dem Abbilden der Landschaft? Ginge es mir nur darum, den schönen Moment zu fixieren, könnte ich ja ein Foto schießen. Was ich auch tue. Doch die Sehnsucht nach einem gemalten Bild kann das Erinnerungsfoto nicht stillen. Landschaftsmalerei mag manch einer bieder und langweilig nennen. Aus
philosophischer Perspektive handelt es sich jedoch um eine durchaus interessante Kunstform.

Jede Art von Kunst besitzt ihre eigenen Besonderheiten. Die der Landschaftsmalerei besteht in dem schöpferischen Zwischenschritt, der vollzogen wird, noch bevor der Maler den Pinsel ansetzt. Denn in der Natur gibt es keine Landschaft. Bäume, Blätter, Berge, Bäche. Alles einzelne Erscheinungen, eingebunden in einen allumfassenden Kreislauf aus Entstehen und Vergehen, ohne Anfang, ohne Ende. Das ist die Natur. Wer stattdessen eine Landschaft sieht, der fügt eine Anhäufung von Einzeldingen zu einer imaginären Einheit zusammen. Gleichzeitig enthebt er diese Einheit dem Naturganzen, wobei die Landschaft an ihren Rändern jedoch immer noch in jenes hinüber fließt.  Der Maler erschafft also die Landschaft, bevor er sein eigentliches Werk beginnt. Jeder, der eine Landschaft betrachtet, vollzieht diesen kreativen Akt – die Vorstufe des Kunstwerks. Doch wie leimt man ein so verstreutes Nebeneinander wie die Natur zu einem adäquaten Gefüge? Der deutsche Philosoph Georg Simmel sah den Träger dieser Einheit in der besonderen “Stimmung” einer Landschaft. Jedes einzelne Teil der Landschaft sei von ihr durchdrungen. Und dennoch könne man sie nicht als eigenständige Entität außerhalb der Landschaft erfahren. Doch das wirft Fragen auf. Schließlich scheint eine Stimmung doch vom Betrachter abhängig zu sein. Was der eine als melancholische Schönheit empfindet, stimmt den anderen depressiv. Wie kann dann aber jeder Stein und jeder Baum an so etwas wie einer objektiven Stimmung teilhaben?

Wenn man sich das Wesen einer Landschaft vor Augen führt, erkennt man, dass die Frage falsch gestellt ist. Denn die Landschaft als solche entsteht erst im Auge des Betrachters – sie existiert nur als geistiges Gebilde. Man kann sie weder anfassen noch in einer mathematischen Gleichung ausdrücken. Wir sind es, die Landschaften schaffen, und mit ihnen eben auch die jeweilige Stimmung. Landschaften und Stimmungen sind nie objektiv, aber dennoch untrennbar aneinander geknüpft. Nur so entsteht eine “stimmige” Einheit, die sich von den Einzeldingen abhebt. Eine Landschaft zu betrachten bedeutet also, unsere Schöpferkraft mit dem Gegebenen zu verweben. Dafür eignet sich die Natur besonders, denn anders als die Stadt ist sie ursprünglich und roh. Und leistet im Gegensatz zu menschlichen Motiven auch keinen Widerstand gegen künstlerische Umformung. Wer Landschaften erblickt, vollbringt unweigerlich etwas Künstlerisches – wenn auch nur in einem rudimentären Stadium. Der Wunsch, diese Landschaft auch noch zu malen ist nicht die Sehnsucht nach einer Fixierung des schönen Moments, sondern vielmehr eine Resonanz der primitiven schöpferischen Tat.

- Robin Droemer

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Kunst, X-Man & Klapsmühle

Anlässlich der Kunstmesse ARTMUC, die kommenden Donnerstag (29.05.-01.06.) zum ersten Mal in München stattfindet, haben wir ARTMUC-Creative Director Marco Schwalbe interviewt. Gemeinsam mit seinem Bruder Raiko Schwalbe hat er auch eine der erfolgreichsten Kunst-Events in Bayern etabliert: die STROKE Art Fair.

Grund genug, Marco Schwalbe einige philosophische Fragen zur Kunst zu stellen…

Kann man Ihrer Meinung nach eine Definition von Kunst geben?

Das ist genau das Problem, bei dem sich die meisten Theoretiker verzetteln und die Debatte pseudointellektuell wird. Peter Weibel (Leiter des ZKM Karlsruhe) hat einmal gesagt: „Es gibt keine Kunst, es gibt nur das Gespräch über Kunst“.

Was ist Kunst für Sie?

Da halte ich es gerne mit Voltaire: “Zweifel ist (zwar) kein angenehmer Zustand, Gewissheit jedoch absurd.”

Arthur Schopenhauer sah in der Kunst eine Möglichkeit, dem Leid, für ihn zentrales Merkmal des Lebens, temporär zu entgehen. Teilen Sie seine Meinung? Brauchen Menschen die Kunst?

Für Schopenhauer war ja bekanntlich der Zustand von Mangel und Unzufriedenheit per se ein Leiden. Davon abgesehen hat er sich häufiger mit Musik und Moral beschäftigt. Auch nicht zu unterschlagen sei der Fakt, dass zu Schopenhauers Lebenszeit die Romantik, der Biedermeier oder der Realismus dominant waren. Alles Kunstrichtungen, die mit der heutigen Wahrnehmung und Bedeutung von Kunst nicht mehr viel zu tun haben. Ich behaupte: Die Menschen brauchen die Kunst nicht, sage jedoch im gleichen Atemzug: „Alkohol löst keine Probleme, Milch aber auch nicht!“. Einigen wir uns doch vielleicht darauf, dass die Kunst den Menschen braucht.

Welchen Wert hat Kunst für uns?

Über dieses Thema kann man sicherlich stundenlang diskutieren. Wenn man sich auf einen mehr theoretischen Ansatz einlassen möchte, muss man sagen, Kunst hat sowohl einen Symbol- als auch einen Marktwert.
Der Symbolwert sammelt schwer verifizierbare Faktoren wie Singularität, Bedeutung in der Kunsthistorie, intellektuelle Ansprüche … – und ist demnach so etwas wie eine Folge historischer Idealisierungsanstrengungen, die der bildenden Kunst ihre Einzigartigkeit und Überlegenheit bescheinigen soll (die sie ja zu Zeiten Schopenhauers noch nicht erreicht hatte). Da der Symbolwert nicht nahtlos in ökonomische Definitionen passt, lässt er sich auch nicht einfach in Geld umrechnen.
Der Marktwert wiederum ist arbiträr, da auch er sich auf objektiv nicht messbare Werte bezieht. Der einzige verifizierbare Anhaltspunkt ist hier der Preis. Er ist der Index des Marktwertes und kennt im Prinzip keine Obergrenze.

Der US-amerikanische Philosoph Arthur C. Danto schrieb einmal über Kunstwerke, dass sie die Kraft eines Textes hätten, sofern man sie zu lesen versteht. Würden Sie hierin mit Danto übereinstimmen?

Der Gedanke von Danto liest sich im ersten Moment klug – man ist geneigt, ihm zuzustimmen. Aber Danto hat Warhols Brillo Box (1964) auch als den letzten, zutiefst ambivalenten Fortschritt der Kunst bezeichnet und damit postuliert, dass kein Wandel mehr stattfinden kann. Einen solch polemischen Mann sollte man kritisch hinterfragen. Der Aufbau eines Textes basiert auf Gesetzmäßigkeiten (von Ausnahmen wie dem Dadaismus einmal abgesehen). Sätze, Wörter und Buchstaben machen sein Lesen erst möglich. Grammatikalische Regeln, Ausdrucksformen und auch Rechtschreibung formen einen Text. Er kann berühren, die Phantasie beflügeln, zum Lachen wie zum Weinen bringen – aber das alles bleibt eben an das definierte Machwerk der Sprache gebunden. Würden sich Schriftsteller und/oder Autoren nicht mehr an diese allgemeinverbindlichen Richtlinien halten, wären wir nicht mehr in der Lage, ihre Texte zu verstehen und zu interpretieren.
Der Künstler hingegen hat die Freiheit, alles zu benutzen, was er als Material für sinnvoll oder zumindest brauchbar hält. Er kennt keine Grenzen in der Form seiner Arbeit. Im Prinzip ist er absolut vogelfrei.
Aber nehmen wir mal an, es gäbe eine genetische Mutation und – damit es plakativ wird – schreiben wir sie einem X-Man zu. Dieser X-Man kann kein Feuer speien, ist nicht unsichtbar und hat auch keine Messerklingen in seiner Faust – er kann aber Kunstwerke lesen! Ganz gleich, vor welches Kunstwerk sie ihn stellen, er kann ihnen daraus vorlesen. Klingt komisch? Ist es auch! Dieser X-Man hätte es nie in die Eliteeinheit von Professor X geschafft. Man hätte ihn wahrscheinlich in die Klapsmühle eingewiesen.

- Marco Schwalbe im Interview mit HOHE LUFT-Redakteurin Christina Geyer

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DIE NEUE HOHE LUFT!

Ab heute ist die neue HOHE LUFT im Handel! 

HL_fb_profilbild_2Starke Emotionen wie Wut kommen bei Philosophen meistens eher schlecht weg – stattdessen predigen sie stoische Gelassenheit. In der neuen Ausgabe zeigen wir, wie man richtig wütend wird.
Außerdem sprechen wir mit Axel Honneth, dem wichtigsten Vertreter der Frankfurter Schule in dritter Generation, über sein Prinzip der Anerkennung.

Weiters im Heft: wie Körper und Gedanken zusammenhängen – die “Embodied Mind“-Theorie.
Und viele weitere spannende Themen, u.A.: Soll man Prostitution verbieten? Und im Fokus: Die Kraft der Visionen.

Hier geht es zum aktuellen Inhaltsverzeichnis der neuen Ausgabe.

Diesmal erwarten Sie übrigens doppelt so viele Denkanstöße:
Zum ersten Mal finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe eine 52-seitige Beilage zum Thema “Was ist gute Arbeit?“.

VIEL SPASS!

 

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Die Würde des Menschen

“Jeder Mensch erwartet instinktiv oder im Unterbewusstsein, dass man Respekt für seine Menschenwürde aufbringt”
(Fjodor Dostojewski)

Die Achtung vor der Menschenwürde ist eines der heiligsten Gebote unserer Zeit. Sie zu wahren gilt als oberstes Gesetz. So heißt es auch in Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Eine Forderung, die unter die Ewigkeitsklausel fällt und daher weder abgeschafft noch verändert werden darf. Was genau aber ist diese „Würde des Menschen“ und wie kann ihre Wahrung sichergestellt werden?

Die sogenannte Objektformel versucht Antworten zu geben und den Begriff der Menschenwürde näher zu bestimmen. Sie konzentriert sich dabei vor allem auf den Anspruch des Menschen, stets als Subjekt und nie als bloßes Objekt behandelt zu werden. Nicht umsonst gilt Immanuel Kant als geistiger Vater der Objektformel, greift diese doch auf die Selbstzweckformel des Königsberger Philosophen zurück. Kant sieht im Menschen einen Zweck an sich – dieser Zweck ist absolut und darf nie missachtet werden: „Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als auch in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchtest“, schreibt Kant in seiner Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Dabei ist es durchaus legitim, sein eigenes Glück zu suchen, sofern dieses nicht die Würde anderer Menschen tangiert. Der persönliche Zweck darf sich also nicht über den Gebrauch von Menschen als Mittel erfüllen, denn diese sind selbst zweckgebend: Sie dürfen somit nicht zum reinen Mittel degradiert werden.

Im Hinblick auf die Wahrung der Menschenwürde in Interaktionen heißt das, sein eigenes Wollen ständig mit der Moral abzugleichen – als Frage an sich selbst formuliert: Ist mein Wollen tugendhaft? Die Antwort soll unsere innere Stimme, die Stimme der Vernunft, einflüstern – ihr müssen wir Folge leisten.

Versuche, Artikel 1 des Grundgesetzes zu konkretisieren, wie die Objektformel sie etwa unternimmt, rücken meist negative Formulierungen in den Mittelpunkt. Philosoph Julian Nida-Rümelin spricht in der Serie ZEIT Akademie Philosophie über die Ethik der Menschenwürde und rückt sie in Anlehnung an Autor Avishai Margalit (Politik der Würde) in die Nähe der Achtung. So heißt es, dass demütigende Praktiken vermieden werden müssen, um die Würde Anderer nicht zu beschädigen. Hier geht es also weniger um die Wahrung, als um die Nicht-Verletzung von Würde.

Kant hingegen sieht die Wahrung der Menschenwürde als „enge Pflicht“, also als eine unnachlässige Pflicht – im Gegensatz zu verdienstlichen Pflichten, wie sie sich bei den weiten Pflichten finden. Im Interagieren mit anderen Menschen müsse als Leitmaxime immer die eigene Vollkommenheit sowie die fremde Glückseligkeit im Vordergrund stehen. Die Stimme unserer Vernunft soll unsere Partikularinteressen dabei in Übereinstimmung mit den Interessen Anderer durchsetzen. Sie ist gewissermaßen unsere innere Gesetzgebung, der zu folgen unsere moralische Verpflichtung ist. Und mal ehrlich: Wenn alle diesen Selbstzwang befolgen würden, bräuchten wir dazu nicht einmal mehr einen Artikel im Grundgesetz.

- Christina Geyer

Hinweis zum aktuellen Essaywettbewerb von philosophie.ch:

Dem Homo sapiens vorbehalten und unantastbar: die Menschenwürde. Durch Themen wie Folter, Abtreibung und Sterbehilfe verliert sie nicht an Brisanz.
Doch was ist sie genau? Woher haben wir sie? Wo fängt sie an und wo hört sie auf? Und wieso ist sie überhaupt schützenswert?

Zu diesen und weiteren Fragen können sich Jugendliche im Alter zwischen 15 und 21 Jahren äußern.
Die besten drei Essays werden am 07.08.2014 auf der Veranstaltung “Philosophische Perspektiven zum Thema Menschenwürde“ im Forum Altenberg in Bern prämiert.
Einsendeschluss ist am 15.06.2014!

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WUNDER MODERNE MEDIZIN

»NICHT FORT SOLLT IHR EUCH ENTWICKELN, SONDERN HINAUF!« (Friedrich Nietzsche)

Die moderne Medizin ist ein Wunder. Ärzte operieren am offenen Herzen, transplantieren Lungen, Nieren, Haaransätze und vergrößern Brüste. Doch all dies hat seinen Preis…

Unser Redakteur Robin Droemer geht den Fragen der medizinischen Ethik nach. Der Text aus der nächsten Ausgabe von HOHE LUFT kann bereits jetzt hier gelesen werden.

Viel Spaß!

Hinweis:

Die Freigeist-Akademie für Geisteswissenschaften ist ein Bildungsprojekt für Oberstufenschüler und Schulabsolventen, die sich jenseits von schulischen Zwängen mit gesellschaftlich brisanten Grundfragen beschäftigen wollen.

Im Sommer 2014 wird neben anderen Themen auch die Ethik in der Medizin behandelt. Zentrale Frage: Wollen wir alles, was wir können?
Die Freigeist-Akademie findet vom 03.-16.08.2014 in einem ehemaligen Kloster in Collevecchio bei Rom statt.
Anmeldeschluss ist am 31.05.2014!

 

 

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VISION EUROPA?

Europa steht derzeit vor fundamentalen Fragen: Zerfällt die EU? Verliert sie ihre Währung? Warum überhaupt Europa? Ein guter Zeitpunkt, um die Idee »Europa« bis auf ihren Grund zu durchleuchten. Sie kam lange vor der Gründung der EU auf. Bereits zur Zeit des höfischen Absolutismus ersann der Geistliche Abbé de Saint-Pierre (1658 –1743) einen Zusammenschluss aller christlichen europäischen Staaten. Auch Kant erwähnte 1795 in seinem Werk »Zum ewigen Frieden« ein solches Bündnis. Tatsächlich finden sich einige Kernideen der EU sowohl bei Saint-Pierre als auch bei Kant wieder. Doch trotz vieler Ähnlichkeiten ist es wichtig, die Konzepte von Saint-Pierre und Kant in ihrem historischen Kontext zu betrachten.

Insbesondere der Entwurf von Saint-Pierre ist geprägt vom Ancien Régime, einer Zeit des erbitterten Kampfes um Vorherrschaft und Macht. Der Geistliche propagierte einen Zusammenschluss der europäischen Staaten zum Zwecke des Friedens, doch man kann ihm unterstellen, auch andere Motive gehegt zu haben. So betonte er immer wieder die Bedeutsamkeit des Handels zwischen den christlichen Staaten. Darin stecken gleich zwei Motive: Wirtschaftsförderung und Einheit der Christenstaaten. Von Letzterem erhoffte sich Saint-Pierre eine klare Abgrenzung des Christentums zum Osmanischen Reich. Es waren also vornehmlich hegemoniale Interessen, die Saint-Pierre mit einem geeinten Europa verfolgte.
Ganz anders Kant: Der große Königsberger Philosoph dachte an einen »föderativen Verein«, dem sich alle gewillten Staaten anschließen dürften, nicht nur christliche. Inspiriert vom Geist der Französischen Revolution entwarf er ein universelles Recht mit drei Grundkomponenten: der bürgerlichen, republikanischen Verfassung; dem föderal verfassten Völkerrecht und schließlich dem Weltbürgerrecht. Hierüber wollte er sämtliche kriegerischen Konflikte für alle Zeit beenden und den Frieden als Selbstzweck einführen.

Was davon findet sich nun in der heutigen EU wieder? Auf der offiziellen Seite der Europäischen Union wird die Gründung der EU mit folgender Absicht erklärt: »Alles begann mit der Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Dahinter stand die Idee, dass Länder, die Handel miteinander treiben, sich wirtschaftlich verflechten und daher kriegerische Auseinandersetzungen eher vermeiden.«
Wirtschaft und Frieden – ein bisschen Saint-Pierre, ein bisschen Kant. Dass es allerdings fragwürdig ist, Frieden ausschließlich an wirtschaftliche Beziehungen zu knüpfen, zeigt heute die Finanz- und Wirtschaftskrise. Es braucht mehr, um die Identität eines geeinten Europas zu stiften. Es fehlt an Solidarität und europäischer Selbstbegründung, wie die Schuldenkrise um Griechenland veranschaulicht.

Was also bleibt vom geeinten Europa, wenn der Bestandteil, der es zusammenhalten sollte, die Wirtschaft, ins Wanken gerät? Eine von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene Meinungsumfrage gibt eine traurige Antwort: 2012 empfinden insgesamt nur noch 28 Prozent aller EU-Bürger das Bild der Union als »positiv«. Im Vergleich hierzu: 2007 waren es noch 49 Prozent. In den Herzen ist Europa noch nicht angekommen – in den über 200 Jahren seit Saint-Pierre und Kant.

- Christina Geyer

(Der Beitrag ist in HOHE LUFT 03/13 als Miniatur erschienen)

VERANSTALTUNGSHINWEIS:

Freiheitskongress NovoArgumente, 17.05.2014 im Kino Zukunft in Berlin.

Eine Woche vor der Europawahl beschäftigen sich Experten im Rahmen des Freiheitskongress’ mit der Frage, welchen Wert die Freiheit in der EU noch hat.
In welchem Europa wollen wir leben und welche Rolle fällt dabei der Toleranz zu?
Hier geht es zum Flyer!

 

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KLAPPE HALTEN! SONST KNALLT’S!

Der Bonner Autor Akif Pirinçci hat eine Hasstirade in Buchform geschrieben.
Wie geht man mit so etwas um?
Ignorieren? Wäre fahrlässig.
Verbieten? Wäre kontraproduktiv.

Im Leitartikel aus der nächsten Ausgabe von HOHE LUFT plädieren Thomas Vašek und Tobias Hürter dafür zurückzuschlagen, denn: Redefreiheit muss für alle gelten.
Der Leitartikel kann bereits jetzt hier gelesen werden.

Viel Spaß!

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