Aktuell Gesellschaft Kolumne

Die Luxusphilosophen

»Schöne Gedanken« von Tobias Hürter Ein neuer Trend hat die Pariser Luxusindustrie erfasst: eine neue Nachdenklichkeit. Laut der Zeitung »Le Monde« lassen Unternehmen wie Hermès, […]

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Aktuell Gesellschaft Wissenschaft

Philosophie hat keine Voraussetzungen zu akzeptieren

Welchen Stellenwert hat Populärphilosophie? Nach dem Beitrag des Wuppertaler Universitätsprofessors Peter Trawny widersprach HOHE LUFT-Chefredakteur Thomas Vašek dessen These, die Popularisierung stelle eine Gefahr für […]

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Das Schöne darf glatt sein

Kolumne »Schöne Gedanken«

Er ist ein Star der deutschen Denkerszene: der Berliner Philosoph Byung-Chul Han. Seine Spezialität ist die Provokation. Mit seinen Büchern will er, das ist sein erklärtes Ziel, seine Leser wachrütteln, und er schreibt nicht für seine gelehrten Kollegen, sondern wendet sich an uns alle.

In seinem neuen Werk »Die Errettung des Schönen« will er unseren Sinn fürs Schöne kurieren, der, wie er überzeugt ist, gründlich verdorben ist. »Warum finden wir heute das Glatte schön?«, fragt er. »Das Glatte ist die Signatur der Gegenwart. Es verbindet Skulpturen von Jeff Koons, iPhone und Brazilian Waxing miteinander. Über die ästhetische Wirkung hinaus spiegelt es einen allgemeinen gesellschaftlichen Imperativ wider. Es verkörpert nämlich die heutige Positivgesellschaft. Das Glatte verletzt nicht. Von ihm geht auch kein Widerstand aus. Es herrscht Like. Der glatte Gegenstand tilgt sein Gegen. Jede Negativität wird beseitigt.« Alles wolle nur noch gefallen, aber nicht mehr wirklich schön sein. Es fehlten das »Doppelbödige«, die »Innerlichkeit«, die »Rückseiten«, beklagt Han. 

Leben wir wirklich in einer armseligen Zeit, in der das Schöne nur noch Oberfläche ist? Ich widerspreche Han. Selbst seine eigenen Beispiele sprechen gegen ihn. Ein enthaarter Körper mag glatt sein, aber seine Ästhetik ist keineswegs oberflächlich, ebenso wenig wie das vollendete Design des iPhones. Und wer es ein wenig rauer oder doppelsinniger mag: Die Künstler von heute sind so einfallsreich und schaffensfreudig wie eh und je. Nicht unser Sinn für Schönheit ist verzerrt, sondern der Blick von Byung-Chul Han.

– Tobias Hürter

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Na logisch! Der Fehlschluss der goldenen Mitte

Logik-Kolumne von Daniel-Pascal Zorn: Der Fehlschluss der goldenen Mitte

Stellen Sie sich vor, Sie sind König eines kleinen, aber fruchtbaren Landes in grauer Vorzeit im Nahen Osten. Eines Tages kommen zwei Frauen mit einem Baby vor Ihren Thron und behaupten jeweils, die wahre Mutter des Kleinen zu sein. Wie würden Sie entscheiden? Den ganzen Artikel lesen

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HOHE LUFTpost – Kunst, Kontext und Jan Böhmermann

HOHE LUFTpost vom 15. April 2016: Kunst, Kontext und Jan Böhmermann

Vor hundert Jahren vollbrachte Marcel Duchamp ein Wunder: Er hob ein gewöhnliches Pinkelbecken (unbenutzt) auf einen Sockel – und es ward Kunst. Mit seinen »Readymades« stürzte er die Kunst in eine Krise, die zu einem gründlich neuen Verständnis dessen führte, was Kunst überhaupt ist. Eine der Lehren von damals war, dass alles vom Kontext abhängt. Von zwei physikalisch gleichen Objekten kann eines ein Kunstwerk und das andere nicht, nur weil wir unterschiedlich mit ihnen umgehen.
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»Machertum ist eine Haltung«

Am 20. und 21. April kommen auf dem Vitra-Campus in Weil am Rhein wieder kreative Köpfe aus den verschiedensten Fachbereichen zusammen, um sich über die Zukunft von innovativem Unternehmertum auszutauschen. Manuel Binninger und Jonas Nussbaumer sind Geschäftsführende Gesellschafter der Kreatives Unternehmertum gGmbH und glauben, dass die Zukunft vor allem den Machern gehört. Wir haben mit ihnen über ihre Vision und aktuellen Projekte gesprochen.  Den ganzen Artikel lesen

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HOHE LUFTpost – Von Bürgern und Würgern

HOHE LUFTpost vom 08. April 2016: Von Bürgern und Würgern

Niemand zahlt gern Steuern. Die Enthüllung der Panama Papers diese Woche nährt den Verdacht, dass eine beträchtliche Zahl unserer Mitbürger so ungern Steuern zahlt, dass sie mit Hilfe von Banken und spezialisierten Anwaltskanzleien hunderttausende Briefkastenfirmen in entfernten Inselstaaten gegründet haben, um ihr Vermögen den Finanzbehörden zu entziehen.
»Warum dürfen diese Diebe mir dauernd was von meinem hart verdienten Geld abknöpfen?« Diese Frage kann einem beim Öffnen eines Steuerbescheides schon mal kommen. Der amerikanische Philosoph Robert Nozick (1938–2002) hielt Zwangssteuern für eine Form der Zwangsarbeit. Niemandem dürfe rechtmäßig erworbenes Eigentum entzogen werden, argumentierte er in seinem Buch »Anarchy, State, and Utopia« (1974). Wenn jemand für Polizei und Müllabfuhr bezahlen möchte, ist das natürlich OK. Aber Nozick hielt es für unrechtmäßig, Bürger dazu zu zwingen.
Mit dieser Position ist Nozick allerdings Außenseiter unter Philosophen. Sein Kollege John Rawls (1921–2002) hielt Steuern für ein rational begründetes Mittel, um Gerechtigkeit herzustellen. Nehmen wir an, wir hätten die Wahl zwischen zwei Gesellschaften: A und B. In Gesellschaft A sind die Einkommensunterschiede geringer als in Gesellschaft B. Wer sich nun zwischen A und B entscheiden muss und nicht weiß, in welcher Einkommensklasse er landen wird (das ist Rawls’ berühmter »Schleier des Nichtwissens«), der werde vernünftigerweise A wählen, behauptete Rawls. Doch diese Behauptung – und mithin Rawls’ Rechtfertigung für Steuern – ist angreifbar. Unter gewissen Bedingungen könnte es rational sein, sich für eine Gesellschaft vom Typ B zu entscheiden, weil man in ihr größere Aussichten auf Reichtum hat.
Aber langsam, es gibt weitere Argumente. Besonders überzeugend finde ich jenes, das Liam Murphy und Thomas Nagel in ihrem Buch »The Myth of Ownership« (2002) geben. Vergessen wir zunächst die Gerechtigkeit, sagen Murphy und Nagel. Ohne Steuern kein handlungsfähiger Staat, also keine Sicherheit des Eigentums, keine einklagbaren Vertragsrechte. Steuern sind also eine notwendige Voraussetzung für Wohlstand. Und wenn man sie einmal auf diese Weise begründet hat, kann man im nächsten Schritt fragen, wie ein gerechtes Steuersystem aussieht.

Wenn reiche Bürger Steuern hinterziehen, untergraben sie die Voraussetzungen ihres eigenen Wohlstandes. Schlimmer noch, sie wälzen die Kosten für diese Voraussetzungen auf jene ihrer Mitbürger ab, die ihre Steuern bezahlen. Die wahren Diebe sind nicht die Finanzämter, sondern jene, die in den Panama Papers stehen.

– Tobias Hürter

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»Arbeit ist ein entscheidender Faktor«

Jörg Bernhard ist Personalleiter der Hamburger Stadtreinigung. Im Rahmen von Work in Progress, dem Hamburger Kongress zur Zukunft der Arbeit, gibt er den Teilnehmern einen Einblick in die Arbeit der Stadtreinigung – unter dem Thema »Die Wirksamkeit unseres Tuns«. Darüber haben wir mit ihm im Vorfeld gesprochen Den ganzen Artikel lesen

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HOHE LUFTpost – Bedrohung, die Zweite

HOHE LUFTpost vom 01.04.2016: Bedrohung, die Zweite

Auf die letzte HOHE LUFTpost, die von Terrorismus, abstrakter und konkreter Bedrohung handelte, schrieb mir eine Leserin aus Frankreich. Dort sei von Bedrohung nichts zu spüren: »Alltag, Gewöhnung, Feiern«. Wenig überraschend kam die Rede auf die »German Angst«, die in Deutschland verbreitete Neigung, die eigene Angst zu kultivieren: nicht nur vor Terrorismus, sondern auch vor Infektionskrankheiten, saurem Regen, Radioaktivität, Zuwanderung und vielem anderen. So etwas endet leicht in Vorurteilen und Allgemeinplätzen. Den ganzen Artikel lesen

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Der Mörder in uns

»Wir bekommen die Irrationalität der Spezies Mensch vorgeführt, ihre Brutalität und Grausamkeit«

Für halb Deutschland ist jeden Sonntag Abend Tatort-Zeit. Fans jeder Altersstufe zieht es für dieses Ritual vor den Fernseher. Aber warum lieben wir Krimis so sehr? Ist es das Blut, die Spannung oder der menschliche Abgrund?

Rebekka Reinhard spürt im aktuellen Heft diesem Phänomen philosophisch nach. Hier geht es zum ganzen Text.

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HOHE LUFTpost – Abstrakte Bedrohung

HOHE LUFTpost vom 25.03.2016: Abstrakte Bedrohung

Nach den Anschlägen von Brüssel greift in Europa wieder die Terrorangst um sich. In den nächsten Wochen und Monaten wird in Verlautbarungen von Ministerien wieder viel von “Gefährdern” und “Bedrohungslagen” die Rede sein. Selten erfährt man Einzelheiten. Meist nur vage von “abstrakter Gefährung”, “konkreter Bedrohung” oder ähnlichem. Nun möchte man vielleicht meinen, dass eine Bedrohung umso beängstigender wird, je konkreter sie ist. Aber gerade die Dynamik der Terrorangst zeigt, dass es komplizierter ist. Eine konkrete Bedrohung sieht man vor sich. Man kann sich auf sie einstellen. Eine abstrakte Bedrohung lauert im Dunkeln, konturlos, ungreifbar. Die Fantasie befeuert die Angst. Die perfide Wirkung des Terrorismus entsteht durch den Wechsel zwischen konkreten Szenarien – zuletzt den Bildern aus Paris, Ankara, Istanbul und Brüssel – und abstrakter Bedrohung: “So etwas kann passieren, aber kann es auch mir passieren?” Die extremen Formen dieser wabernden Angst sind psychische Angststörungen. Bei ihnen gibt es gar keine konkrete Bedrohung. Nicht zuletzt wegen dieser Ungreifbarkeit sind sie so schwer zu behandeln. Vor diesem unseligen Mechanismus der ungerichteten Angst sollten wir gerade jetzt hüten und uns auf die konkrete Bedrohung konzentrieren.

– Tobias Hürter

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Na logisch! Der genetische Fehlschluss IV: Der Naturalistische Fehlschluss

Logik-Kolumne von Daniel-Pascal Zorn. Der genetische Fehlschluss IV: Der Naturalistische Fehlschluss

Den Abschluss meiner vierteiligen Reihe zu den genetischen Fehlschlüssen bildet der wohl bekannteste unter ihnen: Der naturalistische Fehlschluss. In der aktuellen Diskussion begegnet er uns in mannigfaltiger Weise: Von der religiös motivierten Behauptung, Homosexualität sei ‚widernatürlich‘, über die populärwissenschaftliche Behauptung, der Mensch sei durch seine Gene, seine Triebe oder evolutionär erfolgreiche Strategien quasi programmiert, bis hin zum vermeintlich natürlichen ‚Recht des Stärkeren‘ oder authentischen Leben, das sich gegen jede menschliche Gesetzgebung und jede kulturelle Überformung durchzusetzen vermag. Den ganzen Artikel lesen

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