Kategorie: Aktuell


Wie erwachsen werden? Ausgabe 3/2019

HOHE LUFT 3/2019 – ab 14. März 2019 im Handel!

Die erste Beziehung, der erste Job, der Tod der Eltern – Erwachsen werden, das heißt für jeden von uns etwas anderes. Und doch gibt es gewisse Dinge, die für uns alle zum Erwachsenwerden dazu gehören, wie, seine Unmündigkeit abzulegen und Verantwortung zu übernehmen. Was Erwachsensein bedeutet, reflektieren wir in unserem neuen Titelessay.

Der Fall des Star-Reporters Claas Relotius, der mutmaßlich reihenweise Geschichten ge – und verfälscht hat, stellt eine neue Qualität der Grenzüberschreitung dar und wirft die grundsätzliche Frage auf, an welchen Kriterien sich der Qualitätsjournalismus orientieren soll. Wir haben dazu eine neue These.

Weitere Themen dieser Ausgabe: Vom Glück des Strebers. Wie können wir Europa leben? Das philosophische High. Ist Ordnung schön? Die verkannte Denkerin Edith Stein. Philosoph, Psychiater und Neurowissenschaftler Georg Northoff über das Gehirn-Welt-Problem. John Stuart und Harriet Taylor Mill. Und in dem vierten und letzten Teil unserer Serie zur »Weisheit der Gefühle« dreht sich alles um die Liebe und ihren vermeintlichen Gegenspieler: den Hass.

Viel Freude beim Lesen!

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Lob, Kritik, Fragen und Anregungen nehmen wir gerne entgegen unter: kontakt(at)hoheluft-magazin.de

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Framing und Dialektik

Framing ist in den letzten Jahren zu einem Begriff geworden, an dem sich die Gemüter erhitzen. Gemeint ist mit diesem Begriff eine Methode, Aussagen durch geschickte Auswahl von begriffen und Formulierungen in einen Kontext zu rücken, der eine gewünschte emotionale und moralische Bewertung des Sachverhalts provoziert. Politiker verwenden bestimmte Wörter in ihren Aussagen, die das, was sie sagen, in einen bestimmten Kontext schieben, die eine gewisse Einfärbung zur vermeintlichen Aussage hinzufügen. Die verwendeten Wörter geben der Aussage einen Rahmen, der die Deutung des gesagten in eine bestimmte gewünschte Richtung lenkt.

Jetzt hat ein Dokument für großes Aufsehen und auch für empörte Kritik gesorgt, in dem die Sprachforscherin Elisabeth Wehling der ARD Empfehlungen für den Einsatz von Framing formuliert. Es geht vor allem um die Eigendarstellung der Sendeanstalt im Vergleich und in Abgrenzung zu anderen Medien.

Die Empörung ist deshalb so groß, weil „Framing“ bisher immer als Vorwurf der Manipulation durch geschickte Einbindung einer sachlich korrekten Information in einen moralischen oder ideologischen Kontext verurteilt wurde. Dass nun die ARD-Mitarbeiter Framing sozusagen für einen guten Zweck verwenden sollen, stößt bei denen, die Framing vor allem als Methode politisch extremer Akteure bekämpft haben, auf erbitterte Ablehnung. Den ganzen Artikel lesen

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Post-Faktisch – Über die unheimliche Macht der Fake-News

Wie entfalten Fake-News ihre Wirkung, obgleich sie nicht wahr sind? Manuel Güntert meint: Selbst eine falsche Information kann reale Folgen haben und trägt insofern eine »doppelte Wahrheit« in sich. 

Obschon es in jüngerer Vergangenheit omnipräsent wirkt, ist das Phänomen der Fake-News mitnichten eines, das erst kürzlich in den Diskurs gerutscht ist. Im Gegenteil ist die Geschichte der Menschheit eine, die durchsetzt ist von Lügen, Intrigen, Verdrehungen, Verzerrungen und Verfälschungen. Dem amerikanischen Soziologen William Isaac Thomas verdanken wir eine profunde Einsicht, anhand derer sich potentielle Folgewirkungen der Fake-News beschreiben lassen. Dem nach ihm benannten „Thomas-Theorem“ zufolge werden Situationen, die von Menschen als wirklich definiert werden, in ihren Konsequenzen tatsächlich wirklich.[1] Denn wer glaubt oder zu glauben vorgibt, eine Situation, die vorgängig als wirklich aufgefasst wird, wäre das auch, der neigt dazu, zu handeln, als ob sie wirklich wäre. Dadurch erst macht er sie wirklich(er). Den ganzen Artikel lesen

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Reflexe #12: Wege ins griechische Denken

Es gehört zu den Selbstverständlichkeiten der europäischen Philosophietradition, dass sie ihre Wurzeln bei den Denkern im alten Griechenland hat. Viele der Sätze, die Thales, Heraklit, Anaximander und anderen zugeschrieben werden oder die sich in den Schriften von Platon, Aristoteles finden lassen, haben es in unsere Alltagssprache geschafft, wenn auch oft zum Sprichwort verkürzt und kaum noch wiederzuerkennen. Und bis in die Philosophie unserer Tage hinein kreist das philosophische Denken um Fragen, die in den Fragmenten der Vorsokratiker, den Dialogen des Platon und Aristoteles‘ Schriften gefunden werden können.

Man könnte daraus schließen, dass jeder ernsthafte Philosoph versucht, die Gedanken den alten Griechen in ihrem Wortlaut zu folgen und dass es sicherlich einige Einführungen in die Sprache der alten Griechen gibt, die uns das Denken dieser Philosophen in ihrem Wortlaut erfahrbar machen. Doch so viele gibt es davon nicht. Den ganzen Artikel lesen

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Richtig streiten #10: Warum streiten wir überhaupt?

Nachdem es in der letzten Folge dieser Serie darum ging, plausibel zu machen, dass Meinungen im Streit zumeist nicht als Behauptungen zu verstehen sind, denen sich die anderen Streitenden zwingen anschließen müssten, bleibt die Frage, was es denn sonst mit diesen Meinungsäußerungen auf sich hat. Wenn wir unsere Meinungen zumeist gar nicht äußern, um andere davon zu überzeugen, warum äußern wir sie dann? Warum streiten wir überhaupt?

Alles Spekulation

Nun ist die Philosophie keine empirische Wissenschaft. Wir machen also keine Umfrage, befragen streitende Menschen nicht, warum sie streiten. Im Gegenteil, Philosophie pflegt ein gewisses Misstrauen gegen solche Empirie. Warum sollten die Befragten in der Umfrage „die Wahrheit“ sagen? Vielleicht steuert die Fragestellung schon das Verständnis der Befragten vom Gegenstand der Frage? Woher sollen wir überhaupt sicher sein, dass die Streitenden selbst wissen oder sagen können, warum sie streiten? Den ganzen Artikel lesen

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Richtig streiten #9: Was heißt „Geltung“?

Als Reaktion auf den letzten Teil meiner Serie wurde unter Anderem gefragt, ob man tatsächlich annehmen kann, dass die Streitenden für ihre geäußerten Meinungen keine Geltung beanspruchen würden. Um diese Frage zu beantworten, kann man zwei Wege beschreiten: Zum einen wäre zu klären, was „Geltung beanspruchen“ eigentlich bedeutet, dazu muss natürlich gefragt werden, was Geltung heißt und was beanspruchen heißt. Zum anderen können wir überlegen, um was es wahrhaftigen und nachsichtigen Streitenden in einem Streit tatsächlich gehen kann – um anschließend zu prüfen, ob eines der gefunden Ziele als „Geltung beanspruchen“ bezeichnet werden kann. Dem ersten Weg ist dieser Teil gewidmet, im nächsten Teil geht es um den zweiten Weg.

„Geltung beanspruchen“ in der Theorie

Was „Geltung“ heißt, kann man ohne Angabe des Kontextes, in dem das Wort verwendet wird, vermutlich nicht klären. Allerdings geben uns unstrittige Verwendungsweisen in bestimmten sozialen Bereichen Hinweise darauf, was das Wort in anderen Bereichen bedeuten könnte. Wir müssen also einen kleinen Umweg machen, um zur Bedeutung dieses Wortes im Streit vorzudringen. Den ganzen Artikel lesen

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Richtig streiten #8: Geltungsansprüche und Fehlschlüsse

Haben Meinungen im Streit einen Geltungsanspruch? In dieser Serie ist schon mehrfach deutlich geworden, dass Meinungen immer eine persönliche Modulation durch die Person, die sich äußert, haben. Es ist meine Meinung, die ich äußere. Wenn man in einer Diskussion nachfragt, ob der andere sich sicher ist, dass es sich wirklich so verhält, wie er sagt, wird man oft die Antwort bekommen „Es ist meine Meinung!“. Meinungen werde selten mit dem Anspruch geäußert, dass jeder ihr zustimmen muss. Auch wenn Alice, die die Meinung äußert, dass „Trump ein Idiot ist“, sich sehr sicher ist, dass es sich so verhält, wird sie vermutlich nicht der Meinung sein, dass Bob zwingend zustimmen muss, schon gar nicht, dass ihre Argumente, mit denen sie ihre Meinung stützt, ihn zwingend überzeugen müssen.

Geltungsanspruch für mich

Alices Meinung gibt darüber Auskunft, wie sie die Welt sieht. Sie beansprucht keine Geltung in dem Sinne, dass Bob ihre Sicht teilen muss. Deshalb ist jede Argumentation, in der Bob dies behauptet, schon ein ungeeigneter Einstieg in den Streit, gesetzt, beide haben die Absicht, dem jeweils anderen ihre Meinung plausibel zu machen und womöglich sogar den anderen von der eigenen Meinung zu überzeugen und ihn in der bisherigen Überzeugung zu erschüttern. Wenn Bob, im Gegensatz zu Alice, der Meinung ist, Trump sei ein kluger Mann und ein guter Präsident, dann tun beide gut daran, wenn sie abgleichen, was für die eine und was für die andere Meinung spricht. Beide sollten darüber einig sein, dass es sein kann, dass sie beide irren. Den ganzen Artikel lesen

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HOHE LUFT-Newsletter: Neues Anmeldeverfahren

Liebe Leserinnen und Leser,

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Ihr HOHE LUFT-Team

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Ausgabe 2/19: Wie viel Moral ist gut für uns?

HOHE LUFT 2/2019 ist da!

Begriffe wie »Gutmenschentum« geistern durch den öffentlichen Diskurs. Zeit, einen Schritt zurückzutreten und sich zu fragen: Wozu ist Moral gut? Wo liegen ihre Grenzen? In unserem Titelessay versuchen wir, eine differenziertere Sicht auf die angebliche »Hypermoral« und ihre Funktion in der Demokratie zu werfen.

Im dritten Teil unserer Serie »Die Weisheit der Gefühle« geht es diesmal um Traurigkeit und Wut – zwei Gefühle, die uns auf unterschiedliche Weise energetisieren; und die uns zeigen können, was uns wichtig ist und was wir unerträglich finden.

Weitere Themen im Heft: Freundschaft im digitalen Zeitalter. Joseph Vogl spricht über Kapitalismus und den Tod des Intellektuellen. Sigmund Freud – ein Philosoph? Was wir von chinesischer Kunst über das Netz lernen können. Was bedeutet Selbstständigkeit? Der weise Lord, Philosoph und Aktivist Bertrand Russell. Ist Identität ein Rhythmus?
Und: 55 Fragen – zum Nachdenken, Grübeln, Weitergeben.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen!

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Richtig streiten #7: Die Spontanität der Äußerung

Wenn jemand für das kritisiert wird, was er sagt, liegt der Kritik zumeist die Vorstellung zugrunde, dass der Sprecher sich zuvor überlegt hat, was er sagen wird. Das gilt sicherlich, wenn jemand eine Rede hält, zumal, wenn er sie vom Blatt abliest. Es gilt aber sicherlich nicht unbedingt beim Streit. Häufig fordert man zwar von Anderen, dass sie erst nachdenken sollen, bevor sie sprechen. Aber ist das wirklich möglich? Wie wäre es umgekehrt: Wenn wir besser streiten wollen, müssen wir bedenken, dass Äußerungen im Streit spontan erfolgen, undurchdacht, intuitiv und emotional. Sowohl Zuhörer als auch Sprecher müssen mit dieser Spontanität umgehen. Auch das gehört zu dem bereits genannten Prinzip der Nachsichtigkeit.

Was heißt „spontan?

Wir wollen als spontan eine Äußerung dann bezeichnen, wenn sie vor der Mitteilung nicht ausdrücklich gedacht und erst recht nicht gedanklich in Worten ausformuliert worden ist. Wie viele spontane Äußerungen man in Gesprächen zum Besten gibt, kann jeder Mensch nur durch Selbstbeobachtung herausfinden. Der Schreiber dieser Zeilen muss zugeben, dass die meisten seiner Äußerungen in Gesprächen spontan sind. Es gibt zwar durchaus den Fall, dass ich mir überlege, was ich sagen will, aber vieles von dem, was ich sage, habe ich zuvor nicht genau bedacht. Es „kommt in mir hoch“ und „es will hinaus“. Den ganzen Artikel lesen

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