Alle Artikel in: Aktuell

Gesundheit und digitale Transformation: Risiken und Chancen

Wie „menschlich“ ist die digitale Medizin? Sind KI-Systeme die besseren Ärzte? Wie sicher sind unsere Gesundheitsdaten? Wie wichtig ist Ethik im Bereich Digital Health? Über diese und andere spannende Fragen rund um Gesundheit im digitalen Zeitalter diskutiert Dr. Rebekka Reinhard, stv. Chefredakteurin von HOHE LUFT mit: Dr. Jens Baas, Vorstandvorsitzend der TK, ein studierter Humanmediziner, der nach dem Studium zunächst an zwei chirurgischen Universitätskliniken arbeitete. Emotion Award-Preisträgerin Mina Saidze, KI- und Big Data-Fachfrau, Gründerin von Inclusive Tech, der europaweit ersten Lobby- und Beratungsorganisation für Diversity und Inklusion in der Tech-Branche, die vom Wirtschaftsmagazin Forbes in die Liste der erfolgreichsten „30 Under 30“ aufgenommen wurde. Kenza Ait Si Abbou, Spezialistin für Robotics und KI und hochbegabte Rechenkünstlerin, die schon als Kind Matheaufgaben schneller löste, als ihre Mutter sie ihr stellen konnte, und heute für Unternehmen wie IBM. Philipp Westermeyer, ehemaliger Vorstandsassistent bei Bertelsmann und Gründer der Online Marketing Plattform OMR. Ein Panel von Inspiring Network, Die Techniker (TK) und HOHE LUFT über die digitale Transformation im Gesundheitsbereich. Schaut mal rein – es lohnt sich! (Bild: Lisa Notzke)

Die neue HOHE LUFT ist da!

„Was gibt uns Zuversicht?” fragen wir in unserer neuen Ausgabe. Mit gutem Grund, meinen wir, denn was wir angesichts der düsteren Nachrichtenlage brauchen ist, ist vor allem: Vertrauen, Optimismus, Mut, die eigenen Fähigkeiten zur Überwindung von Krisen (neu) zu entdecken. Der Mensch kann allen, oder zumindest sehr vielen Widrigkeiten trotzen. Denn was uns eint, ist die Fähigkeit und die Kraft zur Zuversicht. In unserem Schwerpunkt ‚Zukunft’ geht es darum, was Zuversicht wirklich heißt; außerdem fragen wir, wie und was wir aus vergangenen Irrtümer für die Zukunft lernen können; im großen Schwerpunkt-Interview fordert die Philosophin, Umwelt- und Tierethikerin Corine Pelluchon eine neue Aufklärung, die für mehr Naturschutz und Gerechtigkeit sorgt.Außerdem im Heft: Ein Essay über den Sinn der Eifersucht; ein Porträt von Nikolaus Kopernikus; ein Lob des Lasters; sowie: Enfant terrible der Philosophie Slavoj Zizek im Gespräch über Freiheit, Freud – und das Nirvana; …und vieles mehr!

„Tupperware-Feminismus vs. No-Bullshit-Feminismus“

„Die Zentrale der Zuständigkeiten“ von Rebekka Reinhard ist nun im LUDWIG Verlag erschienen. Text: Lena Frings  Du rennst in alle Richtungen zugleich? Du machst Karriere, bereitest die Familienfeier vor, erzählst Gutenachtgeschichten und putzt zwischendurch noch schnell das Bad? Du bist alles zugleich: Liebende, Arbeitnehmerin oder Chefin, Mutter und sich kümmernde Tochter? Du bist (wie alle Frauen) eine Zentrale der Zuständigkeiten. Das gleichnamige Buch unserer stv. Chefredakteurin ist ein kurzes Innehalten und Aufwachen – praxisbezogen, direkt und händereichend. In 20 Kapiteln bietet die Autorin Überlebensstrategien für einen vollgestopften Alltag an, der so verschiedene Ansprüche an uns stellt, dass wir als denkende und fühlende Wesen hinter Terminkalendern und endlosen ToDos verschwinden. Witzig, scharf, manchmal wütend und erfrischend unideologisch bewegt sich der Text etwas versetzt zu vielen feministischen Diskursen. Das beginnt damit, dass Gendersternchen einer kreativen und sinnvollen Art zu gendern weichen. Grundsätzlich wird es dort, wo bestimmte Arten des Self-Empowerments als neoliberale Lügen und Marketing-Gag entschlüsselt werden. Denn eine „Emanzipation, die dauergestresste Superwomen produziert, widerspricht sich selbst.“ Sie zwängt uns vielmehr in ein neo-biedermeierliches Bewertungsraster – als Ergebnis …

Wenn Einfälle zur Falle werden, oder: Über die Wirkmacht des Denkens

Es liegt etwas in der Luft… Text: Lena Frings … es ist die Frage nach der Wirkmacht des Denkens. Ich habe mich selbst dabei ertappt: Bomben fallen, Klimaziele werden nicht erreicht – angesichts der Katastrophen mangelt es nicht an intellektuellen Gedanken, so redet meine innere Ungeduld, sondern an schlauen Taten. Doch eigentlich weiß ich natürlich, dass das eine das andere bedingt. Intellektuelle reflektieren nicht nur das Zeitgeschehen. Sie prägen es auch. Und das leider nicht immer zum Guten. Das Denken kann sehr erfindungsreich sein und die absurdesten oder grausamsten Dinge politisch zu rechtfertigen versuchen. Xi Jinping braucht seine Ideologie für die „Umerziehungslager“ der Uiguren, Putin die seine für einen grausamen Krieg. Er beruft sich dabei auf Alexander Dugin (siehe unten). Die Philosophin Hannah Arendt (1906 – 1975) hat dieses Elend in ihrem Interview mit Günter Gaus einmal treffend auf den Punkt gebracht: „Zu Hitler fiel [den Intellektuellen] etwas ein. Zum Teil ungeheuer interessante Dinge. Ganz fantastische und komplizierte und hoch über dem Gewöhnlichen schwende Dinge. Das habe ich als grotesk empfunden. Sie gingen ihren eigenen …

Welzer und Melnyk

Es liegt etwas in der Luft… … Es ist diskursive Apathie. Letzten Sonntag bei »Anne Will«: Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk und der deutsche Sozialpsychologe Harald Welzer geraten aneinander. Es geht um die Frage der deutschen Waffenlieferungen an die Ukraine, es geht um Pazifismus oder Bellizismus – um die Dilemmata der Politik im Umgang mit einer Atommacht. Es geht um die Frage, wie man der Ukraine helfen kann, ohne selbst zur Kriegspartei zu werden. Als einer der Erstunterzeichner des von Alice Schwarzer initiierten »offenen Briefes« an Olaf Scholz votiert Welzer für Zurückhaltung, um eine Eskalation der Gewalt zu verhindern. Dabei beruft er sich auf die historische Erfahrung der Deutschen im und mit dem Zweiten Weltkrieg, die bis heute in vielen Familien präsent sei. Während Welzer von Melnyk »Zuhören« fordert, wirft Melnyk Welzer vor, was dieser anzubieten habe, sei »moralisch verwahrlost«. Das entgleiste Gespräch in einer Sonntagabend-Talkshow ist beispielhaft für die Schwierigkeiten der öffentlichen Debatte in einer Mediendemokratie. Wie soll man über den Krieg denken und diskutieren? Wieviel soll überhaupt darüber geredet werden – und wer …

Die neue HOHE LUFT ist da! Wohin sind wir unterwegs?

»Wohin sind wir unterwegs?« fragen wir in unserer neuen Ausgabe. Der HOHE LUFT Schwerpunkt Zeitenwende befasst sich aus ganz unterschiedlichen Perspektiven – kulturhistorischen, journalistischen, persönlichen – mit der unübersichtlichen, beunruhigenden Weltlage. Wir schreiben über das Ende des westlichen Wunschdenkens, erleutern die zentralen Begriffe der Kriegsberichterstattung, sprechen mit Martin Staudinger, einem der renommiertesten und erfahrensten Kriegs- und Krisenreporter – und beleuchten den Wert des Zwischenmenschlichen. Außerdem im Heft: Wahlrecht für Kinder?/ Kunst als Fortschritts-Booster/ Reden wir über Sex!/ Frank Ramsey – Wittgensteins Herausforderer. Sowie: ein großes Interview mit dem Ägyptologen und Grand Seigneur der Kulturwissenschaften Jan Assmann, der uns erklärt, warum er – trotz allem – Optimist ist und bleibt.

Die Meinungen der selbsternannten Osteuropa-Versteher

Es liegt etwas in der Luft… … Es ist der Meinungsstreit zum Ukrainekrieg. Die einen sind für die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine, die anderen finden, dass man Wladimir Putin nicht reizen darf. Die einen fordern ein Gas-Embargo, um den Druck auf Russland zu erhöhen, die anderen sind dagegen, weil sie fürchten dass dann die deutsche Wirtschaft kollabiert. Und zum Geisteszustand des russischen Präsidenten hat ohnehin jeder seine eigene Meinung. Auf Facebook, Twitter &Co. wimmelt es von selbsternannten Generälen, Strategieexperten und Osteuropa-Verstehern, die fiebrig das Kriegsgeschehen kommentieren, der Politik Ratschläge geben oder Zensuren verteilen. Man kann der Meinung sein: Das nervt. Ob zum Ukrainekrieg, zur Coronapandemie und vielen anderen Fragen: Selbstverständlich darf jede Person ihre Meinung frei äußern, jedenfalls im gesetzlichen Rahmen. Wir nennen es Meinungsfreiheit, davon lebt die Demokratie. Die Frage ist allerdings, ob man zu allem eine Meinung haben muss.  Sie stellt sich gerade in den sozialen Medien, wo heute tatsächlich jede/r fast alles öffentlich sagen kann. So ist es nicht geboten (und auch nicht klug), seine Meinung zu Dingen zu äußern, von …

Corine Pelluchon zur Wahl in Frankreich

1 -Was sind Ihre Gedanken und Gefühle nach dem Ergebnis der Stichwahl Macron-Le Pen? Ich war erleichtert, dass Marine Le Pen nicht gewählt wurde, aber die Zahl der Menschen, die für sie gestimmt haben ist besorgniserregend. Ganz zu schweigen von der Wahlenthaltung. In Frankreich, wie in vielen anderen Ländern in Europa und der Welt, gibt es eine Müdigkeit, einen Mangel an einem gemeinsamen Horizont. Die Stimmabgabe für extremistische Parteien ist nicht nur auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zurückzuführen, mit denen die Menschen zu kämpfen haben. Das Fehlen eines gemeinsamen Horizonts ist auch eine Reaktion auf eine technokratische Bewältigung der Probleme, die die Politik ihres Inhalts beraubt. Und Rechtspopulisten nutzen dieses Vakuum, um eine Politik der Identitätsstiftung zu betreiben. Um ein Debakel in fünf Jahren zu vermeiden, müssen wir das Vertrauen in eine gemeinsame Zukunft wiederherstellen, eine Politik betreiben, die nicht nur eine Anpassung an den Neoliberalismus ist oder auch nur eine Möglichkeit, die durch diese ökonomistische Ordnung hervorgerufenen Ungleichheiten auszugleichen. Meiner Meinung nach ist es die Lösung, Ökologie als eine weisere und gerechtere Art, die Erde …

Von Gedankenspielen und der Absurdität des Realen

Es liegt etwas in der Luft… Text: Lena Frings … es sind die moralischen Fehlschlüsse durch Laborbedingungen des Denkens. Philosoph:innen lieben moralische Dilemmata. Da wäre das Trolley-Problem, welches in vielen Schulbüchern vorkommt. Anhand der Vorstellung einer aus der Kontrolle geratenen Straßenbahnfahrt müssen Lernende beurteilen: Darf ich aktiv eine Person opfern, um das Leben mehrerer zu retten? Es gibt ferner das Problem von Buridans Esel, in dem sich dieser zwischen zwei identischen Heuhaufen nicht entscheiden kann und darum verhungert. Und auf das Dilemma, dass sich die Existenz Gottes ebenso wenig beweisen lässt wie ihr Gegenteil, findet Blaise Pascal eine amüsante Antwort für richtiges Verhalten, die sich den Mitteln der Spieltheorie zu bedienen scheint. Dabei lässt er außer Acht, dass Götter auch in ihm ganz undenkbaren Formen existieren könnten. Diese und andere Gedankenspiele sind Beispiele für Zwickmühen im Baukastensystem, von jeder Vielschichtigkeit des Lebens befreit. Einst wie heute stecken wir in ganz realen Dilemmata, die nichts von der theoretischen Verspieltheit haben. Sie sind vielschichtig und grausam bis in die undurchschaubarsten Tiefen. Aktuell müssen wir Antworten auf einen …

Mehr als guter Wille – Anleitung zum Helfen

Es liegt etwas in der Luft… … es ist die Hilfsbereitschaft der deutschen Bevölkerung angesichts des Krieges. Bisher: beeindruckend. Viele spenden Geld, viele engagieren sich ehrenamtlich bei lokalen Hilfsorganisationen. Andere gehen ohne zu zögern zum Bahnhof und laden ankommende ukrainische Familien zu sich nach Hause ein, geben ihnen ein provisorisches Obdach, integrieren sie liebevoll-pragmatisch in ihren Alltag. Wieder andere wollen helfen – denken aber viel zu viel über die Art des „richtigen” Helfens nach. Wer zu sehr an Theorien und Hypothesen klebt, kann nicht praktisch werden. Jedenfalls nicht so schnell, wie jetzt erforderlich! Allen, die sich von diversen Bedenken wie gelähmt fühlen, möchten wir hier etwas Orientierung geben. „Es ist überall nichts in der Welt, ja auch außerhalb derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut gehalten werden (sic), als allein ein guter Wille”, schrieb Immanuel Kant über das unbedingt Gute. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es”, meinte dagegen Erich Kästner. Für Kant zählt allein die gute Absicht, für Kästner allein die gute Konsequenz. Angesichts der vielen Menschen, die jetzt unsere Unterstützung brauchen, scheint …