Autor: HOHE LUFT Magazin

Denkerin und Dienerin

Edith Stein war eine außergewöhnliche Person. In Zeiten, in denen Frauen die Karriere als Universitätsprofessorin noch verwehrt war, ging sie ihren ganz eigenen Weg und unterwarf ihr Denken nur einem: dem Heiligen. Wer war sie? Text: Rebekka Reinhard Sommer 1916. Bei einer Großoffensive der Alliierten in Nordfrankreich sterben fast eine halbe Million deutsche Soldaten. Italien erklärt nach Österreich-Ungarn auch Deutschland den Krieg. Vielerorts herrscht Hunger. Zu dieser Zeit erlebt eine Jüdin in Freiburg ihren großen Moment: Edith Stein. Am 3. August wird sie als eine der ersten Frauen überhaupt zur Doktorin der Philosophie promoviert. Ihr Doktorvater, der große Edmund Husserl (1859–1938) höchstpersönlich, hat in sein Haus geladen, Husserls Tochter setzt der Jungwissenschaftlerin einen Kranz aus Efeu und Margeriten auf. Den Heimweg muss sie wegen drohender Bombenangriffe in totaler Finsternis antreten. Es ist das paradoxe Nebeneinander von Hell und Dunkel, das ihr Leben prägt; das sie motivieren wird, mit extremer Konsequenz nach dem Sinn menschlicher Existenz zu fahnden. In ihrem Denken, ihrem Glauben, in all ihren Lebensentscheidungen. Wer war Edith Stein? Dem breiten Publikum ist sie …

Worauf es wirklich ankommt

Derek Parfit (1942 – 2017) war einer der bedeutendsten Moralphilosophen der Gegenwart. 2013 gewährte uns der öffentlichkeitsscheue Großdenker ein außergewöhnliches E-Mail-Interview, das nicht nur im Zuge um die Fakten und Debatten um den Klimawandel von bleibender Aktualität ist. Im Interview mit HOHE LUFT spricht er über personale Identität, den Tod und seinen epochalen Entwurf einer universellen Moraltheorie. Fragen und Text: Thomas Vašek Fotos: Steve Pyke Derek Parfit war vielleicht einer der größten Moralphilosophen seit Immanuel Kant. Parfits Theorie in seinem monumentalen Werk »On what matters« (»Worauf es ankommt«) lässt sich, in aller Kürze, so zusammenfassen: Als Vernunftwesen haben wir starke Gründe, uns um das Wohl anderer zu sorgen. Menschlichkeit ist rational. Was wir tun sollten, ist nicht subjektiv. Es gibt universelle moralische Wahrheiten, die genauso existieren wie etwa mathematische Wahrheiten: Dass Leiden schlecht ist, ist genauso wahr wie die Tatsache, dass 1+1 = 2 ist. Schon Parfits erstes Buch »Reasons and Persons« war eine Sensation. Der Philosoph attackierte darin tiefsitzende Auffassungen von Moral und Vernunft. Mit ungewöhnlichen Gedankenexperimenten zeigte er etwa, dass es nicht immer …

Was treibt mich an? HOHE LUFT #5/21 ist da

In diesen Wochen wollen die meisten nur noch eins: endlich Urlaub! Endlich eine Auszeit, um wieder Inspiration und Motivation für alles Kommende zu finden. Sehr verständlich. Da »Effizienz« in unserer Gesellschaft alles ist, da kaum jemand es sich leisten kann, visionslos und schaff in der Hängematte zu liegen, beschäftigt sich der Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe von HOHE LUFT mit dem Thema Motivation. Was treibt mich an?, fragen wir – und untersuchen, was uns bewegt und lähmt, wie immer aus interdisziplinären Blickwinkeln. Wir widmen uns den Vor- und Nachteilen der Prokrastination, analysieren, warum Faulheit trotz ihres schlechten Images ein ethisches Gebot sein könnte und führen in die motivationstechnisch hochinteressante Signaltheorie ein. In unserem großen Interview gibt Extrembergsteiger Reinhold Messner Auskunft über seinen ganz persönlichen Antrieb. Weitere Themen Heft sind u. a. die Erfahrung der Mehrsprachigkeit, der Poststrukturalismus in Zeiten der Identitätspolitik, die Bedeutung des Wohlwollens für ein friedliches Miteinander sowie eine neue Deutung Friedrich Nietzsches. Außerdem: Der genialische Star-Philosoph Slavoj Žižek spricht über die Unvollständigkeit der Welt – und über Sex. Wir wünschen Ihnen viel Freude mit …

Welche Freiheit brauchen wir?

Vom Sieg Donald Trumps bis zum Aufstieg der AfD: In den westlichen Demokratien wachsen Wut und Angst vor Terror. Was bisher selbstverständlich schien, wird immer mehr infrage gestellt – die liberale, offene Gesellschaft. Ein Plädoyer für eine neue »Radikale Freiheit«, ein freies Wir, das ein- und nicht ausschließt. Text: Rebekka Reinhard, Thomas Vašek So viel Freiheit wie heute war nie. wir können und dürfen tun und lassen, was wir wollen – shoppen, chatten, vögeln, völlern, hassen. man kann jederzeit und überall fast alles sagen. auf Facebook hat jeder seine Stimme. es ist möglich, über Flüchtlinge herzuziehen, Politiker zu beschimpfen, gegen die Burka zu wettern. Wir können es unter vollem Namen tun oder ein Pseudonym wählen. Wir sind auch frei, wie wir auf Wutreden und Hassbotschaften anderer reagieren möchten. Wir können sie mit Likes quittieren und einstimmen in den Chor der Gekränkten. wir können auch dagegen votieren, im Vertrauen auf das bessere Argument. Oder wir schalten gleich ab und schauen weg. Niemand zwingt uns zu wählen, zu heiraten, zu arbeiten, wenn wir etwas anderes vorziehen. All …

Die Bande, die uns zusammenhalten

Kein anderes Gefühl ist so überladen mit Ansprüchen wie die Liebe. Sie soll uns glücklich machen, die Gesellschaft einen und uns mit Gott verbinden. Kann sie das alles? Und was ist mit ihrem missratenen Bruder, dem Hass? Text: Tobias Hürter Fragt man Biologen, dann ist Liebe das Einfachste auf der Welt: Frauen lieben Männer mit breiten Schultern, dichtem Haarwuchs und dickem Geldbeutel. Männer lieben Frauen mit gebärfreudigem Becken, großen Brüsten und straffer Haut. Ginge es nur um die Verbreitung der Gene, dann wäre das Rätsel Liebe schnell gelöst: Man käme zusammen, um die Brut zu pflegen, und geht auseinander, wenn diese Aufgabe erledigt ist. Aber jeder, der gelegentlich Radio hört oder in die Ratgeber-Abteilung einer Buchhandlung schaut, weiß, dass Liebe das Komplizierteste auf der Welt ist. Die meisten Popsongs handeln von der Liebe, und unzählige Lebenshilfe-Bücher davon, wie man das Glück seines Lebens findet und bewahrt – sprich: die Liebe seines Lebens. »Die Liebe seines Lebens«, da fängt es schon an mit den Merkwürdigkeiten. Viele Menschen sehnen sich nach der ewigen, unverbrüchlichen Liebe. Aber wie …

Wer gibt mir eine Stimme? Die neue HOHE LUFT erscheint heute

Woher wissen Sie, was Sie wissen? Aus den Medien natürlich! Zeitungen, TV, Facebook & Co. informieren uns nicht nur über Impfrisiken oder Identitätspolitik – im multimedialen Raum wird in einer hoch erregten Dauerschleife auch endlos darüber gestritten. Oft so sehr, dass der Meinungspluralismus ad absurdum geführt wird… In diesem Sinne widmet sich die aktuelle Ausgabe von HOHE LUFT dem Schwerpunkt Medien und Demokratie: Wer gibt mir eine Stimme? Wir untersuchen die Rolle der Medien in unsicheren Zeiten, gehen der »neuen Mündlichkeit« am Beispiel des Clubhouse-Hypes nach, analysieren den Trend zur Tugendhaftigkeit (»virtue signalling«) in den Sozialen Medien und sprechen mit Erhard Schüttpelz – einem der renommiertesten Medientheoretiker des Landes – über die Zukunft des Internets. Weitere Themen im Heft sind u.a : Warum Langeweile so spannend ist; Wie Pragmatismus im Kampf gegen den Klimawandel hilft; ein Porträt des großen kleinen Napoleon; ein Erlebnisbericht aus der Hongkonger Quarantäne; sowie: die prominente Historikerin Ute Frevert über die Bedeutung von Emotionen in der demokratischen Gesellschaft. Wir wünschen Ihnen eine inspirierende, wach machende Lektüre! Hier können Sie das Heft versandkostenfrei …

Teilnahmebedingungen Gewinnspiel

Teilnahmebedingungen des HOHE LUFT-Gewinnspiels vom 14.04.2021: Veranstalter des Gewinnspiels (im Nachfolgenden „Aktion“ genannt)  ist HOHE LUFT, Hohe Luft Verlag UG, Hoheluftchaussee 95, 20253 Hamburg (im nachfolgenden „Veranstalter“ genannt). An der Aktion teilgenommen werden kann im Zeitraum vom 14.04.2021, 12.00 Uhr – 20.04.2021, 23.59 Uhr. Die Aktion ist folgendermaßen ausgestaltet: HOHE LUFT fordert auf seiner Facebook-und Instagram-Seite seine Fans dazu auf, eine Mail an info@hoheluft-magazin.de zu schicken mit dem Betreff »Utopie«, wenn sie ein Online-Streaming-Ticket für die Tage der Utopie vom 26.4. – 1.5.2021 gewinnen wollen. Es werden 10 Onlinetickets verlost. Die Gewinner werden durch die Redaktion nach Abschluss des Gewinnspielzeitraums ermittelt und per Mail benachrichtigt. Meldet sich der Gewinner nicht innerhalb von 24 Stunden zurück, verfällt der Anspruch auf den Gewinn und es wird ein neuer Gewinner gezogen und benachrichtigt. Teilnahmeberechtigt ist jede natürliche Person, die älter als 18 Jahre alt ist und ihren Wohnsitz in der Bundesrepublik  Deutschland, Österreich oder der Schweiz hat. Ausgenommen von der Teilnahme sind Mitarbeiter von der HOHE LUFT Verlag UG und von Facebook  sowie deren Angehörige. Die Teilnahme an …

Können wir geben? Über die Singularität der Gabe

Von Manuel Güntert Vor geraumer Zeit habe ich an dieser Stelle einen Artikel über die Möglichkeit eines rein moralischen Handelns publiziert. Er baut auf Überlegungen aus dem Buch „Falschgeld“ des französischen Philosophen Jacques Derrida auf. Dieser wirft dort die Frage auf, ob wir geben können. Um darzulegen, weshalb diese scheinbar so triviale Angelegenheit von eminenter Bedeutung ist, soll noch einmal auf seine Argumentation eingegangen werden. Für Derrida ist es Bedingung der Existenz der Gabe, dass das Gegebene der Gabe nicht zu dem Gebenden zurückkehrt. Dazu darf sie nicht zirkulieren, nicht getauscht werden, auf keinen Fall darf sie sich verschleißen lassen im Prozess des Tausches, in der kreisförmigen Zirkulationsbewegung einer Rückkehr zum Ausgangspunkt. Dem „ewigen Spiel“ von Gabe und Gegengabe müsste also Einhalt geboten werden, denn ist die Gabe, wenn es sie gibt, nicht auch gerade das, was die Ökonomie unterbricht?[1] Deshalb wäre es nötig, dass der Gabenempfänger nicht zurückgibt, nicht begleicht, nicht tilgt, nicht abträgt, keinen Vertrag schließt und niemals in ein Schuldverhältnis tritt. Die Unterbrechung des Kreislaufes muss absolut sein. Letztlich darf der Gabenempfänger …

Mehr, noch mehr, alles!

Der Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe HOHE LUFT widmet sich dem Thema Wachstum. Auch bei den Sieben Todsünden geht es letztlich um (übersteigertes) Wachstum – und dessen Schattenseiten. Ein guter Anlass, über sie nachzudenken. Text: Rebekka Reinhard Der Mensch ist ein zwischen Tugend und Laster schwankendes Mängelwesen. Die Mitte zwischen zwei Extremen zu halten, fällt ihm schwer. Ab und zu muss er über die Stränge schlagen und richtig böse werden; sonst, wie es scheint, kann er das Leben nicht aushalten. Für Aristoteles (384–322 v. Chr.) waren Laster das Ergebnis schlechter Gewohnheiten; Thomas von Aquin (1224–1274) sah sie als sündhafte Opposition menschlichen Willens gegen Gottes Willen an. Immanuel Kant (1724–1804) wiederum schrieb Fehltritte bestimmten Charaktertypen zu: dem Geizigen, Wollüstigen oder Hochmütigen. Dass Sündhaftigkeit und Charakterlosigkeit auch Vorteile haben, das glaubte der niederländische Arzt, Philosoph und Sozialtheoretiker Bernard de Mandeville (1670–1733). In seiner berühmten »Bienenfabel« vertritt er die provokante These, dass es nicht die christliche Nächstenliebe ist, die das Gemeinwohl fördert, sondern der Neid und das Konkurrenzdenken des Einzelnen. Gegen die Kargheit des Christentums setzte de Mandeville die …

Brauche ich immer mehr? Heft 3/21

Wir erleben spannende Zeiten. Das Jahr 2021 ist voller Herausforderungen und Krisen – und birgt doch auch so einige Chancen. Es gilt mehr denn je, uns als Individuen wie als Gesellschaft insgesamt zu fragen, wie wir künftig leben wollen. In diesem Sinne widmet sich die aktuelle Ausgabe von HOHE LUFT dem Schwerpunkt Wachstum in all seinen Aspekten: Brauche ich immer mehr? Wir untersuchen die Grenzen ökonomischen Wachstums, sprechen mit dem Wildtierflüsterer »Woid Woife« darüber, was wir vom Werden und Vergehen in der Natur lernen können, prüfen, was die Sieben Todsünden mit Wachstum zu tun haben – und zeigen, wie wir an Krisen wachsen können. Weitere Themen im Heft sind u. a.: Zuhören – über eine große Fähigkeit und einen stillen Zauber; Wir isolierten Atome – was bedeutet fehlende Nähe für unser Mineinander?; ein Porträt der großen amerikanischen Essayistin Susan Sontag; die Historikerin Hedwig Richter über ihren optimistischen Blick auf die Entwicklung der Demokratie. Wir wünschen Ihnen eine inspirierende Lektüre! Hier können Sie das neue Heft sowie ältere Ausgaben versandkostenfrei bestellen. Lob, Anregungen und Kritik nehmen …