Aktuell HOHE LUFT

Reflexe #12: Wege ins griechische Denken

Es gehört zu den Selbstverständlichkeiten der europäischen Philosophietradition, dass sie ihre Wurzeln bei den Denkern im alten Griechenland hat. Viele der Sätze, die Thales, Heraklit, […]

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Richtig streiten #10: Warum streiten wir überhaupt?

Nachdem es in der letzten Folge dieser Serie darum ging, plausibel zu machen, dass Meinungen im Streit zumeist nicht als Behauptungen zu verstehen sind, denen […]

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Richtig streiten #9: Was heißt „Geltung“?

Als Reaktion auf den letzten Teil meiner Serie wurde unter Anderem gefragt, ob man tatsächlich annehmen kann, dass die Streitenden für ihre geäußerten Meinungen keine Geltung beanspruchen würden. Um diese Frage zu beantworten, kann man zwei Wege beschreiten: Zum einen wäre zu klären, was „Geltung beanspruchen“ eigentlich bedeutet, dazu muss natürlich gefragt werden, was Geltung heißt und was beanspruchen heißt. Zum anderen können wir überlegen, um was es wahrhaftigen und nachsichtigen Streitenden in einem Streit tatsächlich gehen kann – um anschließend zu prüfen, ob eines der gefunden Ziele als „Geltung beanspruchen“ bezeichnet werden kann. Dem ersten Weg ist dieser Teil gewidmet, im nächsten Teil geht es um den zweiten Weg.

„Geltung beanspruchen“ in der Theorie

Was „Geltung“ heißt, kann man ohne Angabe des Kontextes, in dem das Wort verwendet wird, vermutlich nicht klären. Allerdings geben uns unstrittige Verwendungsweisen in bestimmten sozialen Bereichen Hinweise darauf, was das Wort in anderen Bereichen bedeuten könnte. Wir müssen also einen kleinen Umweg machen, um zur Bedeutung dieses Wortes im Streit vorzudringen. Den ganzen Artikel lesen

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Richtig streiten #8: Geltungsansprüche und Fehlschlüsse

Haben Meinungen im Streit einen Geltungsanspruch? In dieser Serie ist schon mehrfach deutlich geworden, dass Meinungen immer eine persönliche Modulation durch die Person, die sich äußert, haben. Es ist meine Meinung, die ich äußere. Wenn man in einer Diskussion nachfragt, ob der andere sich sicher ist, dass es sich wirklich so verhält, wie er sagt, wird man oft die Antwort bekommen „Es ist meine Meinung!“. Meinungen werde selten mit dem Anspruch geäußert, dass jeder ihr zustimmen muss. Auch wenn Alice, die die Meinung äußert, dass „Trump ein Idiot ist“, sich sehr sicher ist, dass es sich so verhält, wird sie vermutlich nicht der Meinung sein, dass Bob zwingend zustimmen muss, schon gar nicht, dass ihre Argumente, mit denen sie ihre Meinung stützt, ihn zwingend überzeugen müssen.

Geltungsanspruch für mich

Alices Meinung gibt darüber Auskunft, wie sie die Welt sieht. Sie beansprucht keine Geltung in dem Sinne, dass Bob ihre Sicht teilen muss. Deshalb ist jede Argumentation, in der Bob dies behauptet, schon ein ungeeigneter Einstieg in den Streit, gesetzt, beide haben die Absicht, dem jeweils anderen ihre Meinung plausibel zu machen und womöglich sogar den anderen von der eigenen Meinung zu überzeugen und ihn in der bisherigen Überzeugung zu erschüttern. Wenn Bob, im Gegensatz zu Alice, der Meinung ist, Trump sei ein kluger Mann und ein guter Präsident, dann tun beide gut daran, wenn sie abgleichen, was für die eine und was für die andere Meinung spricht. Beide sollten darüber einig sein, dass es sein kann, dass sie beide irren. Den ganzen Artikel lesen

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HOHE LUFT-Newsletter: Neues Anmeldeverfahren

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Ihr HOHE LUFT-Team

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Ausgabe 2/19: Wie viel Moral ist gut für uns?

HOHE LUFT 2/2019 ist da!

Begriffe wie »Gutmenschentum« geistern durch den öffentlichen Diskurs. Zeit, einen Schritt zurückzutreten und sich zu fragen: Wozu ist Moral gut? Wo liegen ihre Grenzen? In unserem Titelessay versuchen wir, eine differenziertere Sicht auf die angebliche »Hypermoral« und ihre Funktion in der Demokratie zu werfen.

Im dritten Teil unserer Serie »Die Weisheit der Gefühle« geht es diesmal um Traurigkeit und Wut – zwei Gefühle, die uns auf unterschiedliche Weise energetisieren; und die uns zeigen können, was uns wichtig ist und was wir unerträglich finden.

Weitere Themen im Heft: Freundschaft im digitalen Zeitalter. Joseph Vogl spricht über Kapitalismus und den Tod des Intellektuellen. Sigmund Freud – ein Philosoph? Was wir von chinesischer Kunst über das Netz lernen können. Was bedeutet Selbstständigkeit? Der weise Lord, Philosoph und Aktivist Bertrand Russell. Ist Identität ein Rhythmus?
Und: 55 Fragen – zum Nachdenken, Grübeln, Weitergeben.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen!

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Fragen, Kritik oder Lob senden Sie gerne an: kontakt(at)hoheluft-magazin.de

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Richtig streiten #7: Die Spontanität der Äußerung

Wenn jemand für das kritisiert wird, was er sagt, liegt der Kritik zumeist die Vorstellung zugrunde, dass der Sprecher sich zuvor überlegt hat, was er sagen wird. Das gilt sicherlich, wenn jemand eine Rede hält, zumal, wenn er sie vom Blatt abliest. Es gilt aber sicherlich nicht unbedingt beim Streit. Häufig fordert man zwar von Anderen, dass sie erst nachdenken sollen, bevor sie sprechen. Aber ist das wirklich möglich? Wie wäre es umgekehrt: Wenn wir besser streiten wollen, müssen wir bedenken, dass Äußerungen im Streit spontan erfolgen, undurchdacht, intuitiv und emotional. Sowohl Zuhörer als auch Sprecher müssen mit dieser Spontanität umgehen. Auch das gehört zu dem bereits genannten Prinzip der Nachsichtigkeit.

Was heißt „spontan?

Wir wollen als spontan eine Äußerung dann bezeichnen, wenn sie vor der Mitteilung nicht ausdrücklich gedacht und erst recht nicht gedanklich in Worten ausformuliert worden ist. Wie viele spontane Äußerungen man in Gesprächen zum Besten gibt, kann jeder Mensch nur durch Selbstbeobachtung herausfinden. Der Schreiber dieser Zeilen muss zugeben, dass die meisten seiner Äußerungen in Gesprächen spontan sind. Es gibt zwar durchaus den Fall, dass ich mir überlege, was ich sagen will, aber vieles von dem, was ich sage, habe ich zuvor nicht genau bedacht. Es „kommt in mir hoch“ und „es will hinaus“. Den ganzen Artikel lesen

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Die große Täuschung

Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen, zieht sich aus Facebook und Twitter zurück. Er will dort nicht mehr posten, keine politischen Statements, keine Aufrufe zur Wahl, keine Hinweise auf Fernsehsendungen und Interviews und auch keine kleinen Einblicke in die private Welt. Das wir nun von vielen Seiten kritisch kommentiert: Als Politiker, so heißt es, muss man heute unbedingt in den Sozialen Medien präsent sein, man soll nicht nur posten, sondern natürlich auch die Kommentare lesen, die man als Reaktionen erhält. Dort, bei Facebook und Twitter, spricht heute das Volk, da kann man herausfinden, was die Leute, die Wähler denken.

Diesen Eindruck bekommt man auch, wenn man andere Medien verfolgt. Im Radio erzählen die Moderatoren, was die Leute gerade twittern und posten, die Hörer werden aufgefordert, ihre Meinung zum Programm per Facebook-Posting zu teilen, und gleich darauf werden die ersten Reaktionen verlesen. Alle scheinen bei Facebook zu sein, jeder scheint zu twittern. Die Öffentlichkeit, die Kneipe, der Marktplatz, so scheint es, ist heute die Social-Media-Welt. Den ganzen Artikel lesen

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Richtig streiten #6: Der Beweggrund der Meinungsäußerung

Wir hatten bisher gesehen, dass eine Meinungsäußerung im politischen Meinungsstreit niemals eine bloße Tatsachenbehauptung ist, sondern dass sie immer durch ein persönliches Interesse des Sprechenden moduliert ist. Das gilt auch, wenn die Aussage für sich genommen wie ein Aussagesatz klingt, etwa, wenn Alice sagt: „Trump wird die nächste Wahl auch gewinnen!“ oder wenn Bob äußert „In den Medien herrschen überhaupt keine Qualitätsstandards mehr!“. Im Falle von Alice ist noch klar, dass es sich nicht um eine Tatsachenbehauptung handelt, da ihr Satz die Zukunft betrifft. Allerdings könnte man auch hier vermuten, dass es sich um eine sachliche Hypothese handelt, die nicht durch persönliche Modulation eine Angst, Hoffnung oder Sorge ausdrücken soll. Bobs Satz, für sich genommen, hat allerdings die Form einer einfachen Tatsachenbehauptung. Trotzdem wird es sich in einer Diskussion unter Freunden nur sehr selten um eine sachliche Hypothese handeln. Vielmehr darf man vermuten, dass Alice und Bob davon überzeugt sind, dass die anderen die jeweilige Modulation kennen. Wenn Alice äußert, dass Trump auch die nächste Wahl gewinnen wird, ist sie sicher, dass die anderen wissen, dass ihr diese Aussicht Sorgen macht. Man wird es aus ihren bisherigen Äußerungen sicher und intuitiv schließen. Wenn es sie nicht mit Sorgen erfüllen würde, so können wir annehmen, würde sie es gar nicht sagen. Aus dem Satz spricht mehr Sorge als eine sichere Prognose. Ebenso ist es be Bob, dem es Sorgen macht, dass er in den Medien immer mehr Beiträge liest, die qualitativ minderwertig sind. Würde ihn diese Tatsache gar nicht bekümmern, dann würde er sich zu dieser Frage wahrscheinlich gar nicht äußern.

„Das ist meine Meinung!“

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Die Fiktion der Wahrheit

Das, was vor wenigen Tagen über die Fälschungen von Reportagen beim Spiegel ans Licht gekommen ist, wirft Fragen nach der Wahrheit von Werken mit realem Bezug überhaupt auf. Die Frage, wann eine Reportage etwas Wahres erzählt, kann Anlass sein, über die Wahrheit von Geschichten überhaupt nachzudenken. Wann ist eine Geschichte wahr? Wann ist eine Geschichte Fiktion, wann sind fiktionale Geschichten wahr und was macht vielleicht sogar eine wahre Geschichte zur Fiktion? Ist es am Ende überhaupt eine Fiktion, dass wahre Geschichten die Wahrheit erzählen und unwahre Geschichten eben nicht?

Es wäre unzureichend, wenn wir jetzt nur über den Extremfall des Betrügers diskutieren, der womöglich Personen und Ereignisse ohne jede Verbindung zu Tatsachen frei erfunden und als Ergebnis von Recherchen ausgegeben hat. Das soll aufgeklärt und berichtet werden, und Redaktionen sollen darüber nachdenken, wie sie solchen Betrug zukünftig verhindern können. In diesem Text geht es nicht um den Fall Relotius, schon gar nicht soll das Handeln dieses Mannes gerechtfertigt oder relativiert werden. Es geht um das Verhältnis von Wahrheit und Fiktion, das sozusagen die Bedingung der Möglichkeit dieses Handelns ist. Den ganzen Artikel lesen

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Richtig streiten #5: Die Kontinuität des Begründens

Zur Logik, zum vernünftigen Sprechen, gehört, dass man bereit ist, Gründe für seine Aussagen anzugeben. Diese Gründe müssen aber wenigstens so sein, dass man vermuten kann, dass der andere sie als Begründung akzeptiert. Wer wahrhaftig ist, muss auch nachsichtig sein: Er weiß, dass es zwischen Begründung und Aussage oft eine Lücke gibt, die aus Gemeinsamkeiten der Diskussionsteilnehmer erst geschlossen werden muss. Zudem wird er vermuten, dass alle Äußerungen des Gesprächspartners – sowohl die Meinungen als auch die Begründungen – sinnvoll verstanden werden können, auch wenn sie mit der eigenen Sprachpraxis nicht zusammenpassen. Ein wahrhafter und nachsichtiger Streit wird nicht mit dem Ziel geführt, die Sprachpraxis des anderen zu korrigieren, sondern den Sinn seiner Äußerungen zu verstehen und die Lücken zwischen seinen Begründungen und den geäußerten Meinungen zu schließen.

Eine notwendige Gemeinsamkeit ist, dass eine gemeinsame Vorstellung davon existiert, wie es zu Ereignissen in der Wirklichkeit kommen kann, welche Gründe als Begründungen für Meinungen  dienen können. Den ganzen Artikel lesen

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Richtig streiten #4: Prinzipien und die herrschende Meinung

Die Logik des Begründens von Meinungen soll uns in dieser Serie beschäftigen. Dazu müssen jedoch immer noch einige Vorarbeiten geleistet werden, die das Feld, auf dem diese Logik wirkt, genauer beschreiben und damit den Gegenstand, das vernünftige Streiten um Meinungen, erst einmal hinreichend genau bestimmen. Schon diese Beschreibung liefert uns wertvolle Einsichten, auch wenn sie noch nicht die Logik des Streitens sind.

Im ersten Teil dieser Serie hatte ich das vernünftige Sprechen durch die Bereitschaft des Sprechers bestimmt, für seine Meinung Begründungen anzugeben. Das begründete Sprechen hatte ich mit dem vernünftigen Sprechen identifiziert und die Ablehnung der Angabe von Gründen als unvernünftig gekennzeichnet.
Allerdings kennen wir im Alltag viele Situationen, in denen eine Person es als absurd empfindet, Begründungen für ihre Meinung angeben zu sollen. Häufig stimmt sie darin mit der Mehrzahl derer überein, die sich an dem Gespräch beteiligen, in welchem die Meinung geäußert wurde.

Golfspieler vor einem Waldbrand

Ein aktuelles Beispiel soll das erläutern: Vor einigen Tagen wurde in sozialen Online-Netzwerken häufig ein Bild gepostet, auf dem Personen beim Golfspiel zu sehen waren, während im Hintergrund ein Wald brannte. Ein verlinkter Artikel erläuterte, dass das Bild anlässlich der aktuellen Waldbrände in den USA aufgenommen worden war und dass die Golfspieler durch einen Fluss von dem brennenden Waldgebiet getrennt waren.

Die Kommentatoren zu diesem Bild waren ziemlich einhellig der Meinung, dass sich die Golfspieler falsch verhalten. Mehr noch: Für viele war das Bild ein klares Symbol dafür, dass auf der Welt, in der Gesellschaft, etwas völlig falsch laufe. Das Golfspielen in Sichtweite eines Waldbrandes wurde einhellig abgelehnt, die Reaktionen reichten von Unverständnis für die Golfspieler bis zu offener Empörung über ihr Verhalten. Diese Meinungen wurden nicht begründet oder erläutert, sondern übereinstimmend und kurz schlicht geäußert. Den ganzen Artikel lesen

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