Alle Artikel mit dem Schlagwort: Philosophie

Ist Arbeit wirklich das halbe Leben?

„Denn wenn auch beides sein muss, so ist doch das Leben in Muße dem Leben der Arbeit vorzuziehen.“ (Aristoteles) Oder ist sie inzwischen nicht schon viel mehr als das? Und was ist davon zu halten? Thomas Vašek, Chefredakteur von HOHE LUFT, diskutierte diese und weitere Fragen zum Thema „Arbeit“ gestern Abend, im Rahmen von HOHE LUFT_live, mit dem Soziologen Prof. Dr. Mathias Stuhr in der modern life school. Das ganze Gespräch können Sie sich hier anhören. Die Arbeit wirft heute einige paradoxe Probleme auf: einerseits sind viele Menschen unzufrieden mit ihrem Job, fühlen sich überlastet und gestresst –  andererseits sind zahlreiche Arbeitslose unglücklich ohne eine sinngebende Beschäftigung. Außerdem arbeiten die Menschen in der Informationsgesellschaft so wenig wie je zuvor und haben dennoch immer weniger Freizeit. Die Bedeutung von Arbeit ist enorm und nimmt immer weiter zu, darüber herrscht schnell Einigkeit. Wie soll man also mit dieser Entwicklung umgehen? Der Dualismus von Arbeit und Leben ist falsch“ – so Thomas Vašek, dessen Buch „Work-Life-Bullshit“ Anfang September erscheint und in welchem er ausführlich für diese These argumentiert. Durch …

Vom Dandy zum Kirchenvater

Mit seinen „Bekenntnissen“ schrieb der heilige Augustinus nicht nur die erste Autobiografie der Literaturgeschichte, sondern offenbarte auch, dass er einst alles andere als ein Heiliger war. „ ,Gib mir Keuscheit und Enthaltsamkeit, aber bitte nicht sofort!ʻ Das ist das Grundthema der Bekenntnisse, das Augustinus immer wieder variiert: der Widerstreit zwischen Frömmigkeit und Lust, zwischen Geist und Körper, und wie bei ihm schließlich der Geist den Körper niederringt. An einer Stelle erzählt er, wie er als Junge mit Freunden von einem Birnbaum stahl – eine offensichtliche Anspielung auf das Buch Genesis. Die Pointe der Geschichte ist, dass der junge Augustinus gar nicht an den Birnen interessiert war, sondern am Stehlen. Er sündigte um der Sünde willen.“ (Tobias Hürter, „Vom Dandy zum Kirchenvater“, HOHE LUFT 3/2013) Die Geschichte dieses inneren Ringens können Sie hier nachlesen. (PDF)

Denkstücke – Lockerungsübungen für den philosophischen Verstand

Woher wissen wir, dass wir existieren? Was ist Zeit? Verstehen wir immer, was der andere meint? Mit philosophischen Fragen können wir uns alle befassen – nicht nur akademische Experten. Das ist die Grundidee der HOHEN LUFT. Ihr Chefredakteur Thomas Vašek hat jetzt ein Buch geschrieben, das die „Denkstücke“ aus der gleichnamigen Rubrik der Zeitschrift und viele weitere, bisher unveröffentlichte Texte enthält. Die kurzweiligen Texte wecken den Spaß am Philosophieren und führen uns dabei einmal quer durch die Philosophiegeschichte – von der Antike bis in die Gegenwart. Wer tiefer einsteigen möchte, findet dazu zahlreiche Literaturtipps. Philosophische Kenntnisse setzt das Buch nicht voraus, nur die Lust am Denken. Es ist bei Suhrkamp erschienen und seit heute im Handel erhältlich.    

Warum ist ein Hund ein Hund?

Die neunjährige Sarah sagt auf dem Weg zum Reiten aus heiterem Himmel: „Manchmal stelle ich mir vor, wie ich sterbe und dabei merke, dass mein ganzes Leben gar nicht echt war, sondern nur ein Traum.“ Das ist typisch für Kinder: Tiefsinnige Gedanken in Momenten zu äußern, in denen wir Erwachsenen nicht damit rechnen. Die Vorfreude auf die nächste Reitstunde schließt philosophische Fragen nicht aus, ja, vielleicht fördert sie diese sogar. Was, wenn die tollen Erlebnisse auf dem Ponyhof gar nicht real sind? Wenn sie vielleicht zu schön sind, um wahr zu sein?

Frage an alle: Wie universell ist die Moral?

Gibt es universell gültige moralische Prinzipien? Das ist eine der großen Streitfragen der Philosophie. Ludwig Wittgenstein und Karl Popper sind sich über diese Frage einmal derart in die Haare geraten, dass Wittgenstein Popper beinah ein glühendes Kamineisen drübergezogen hätte – mehr dazu in der vierten Ausgabe von Hohe Luft, die am 20. September erscheint. Ein Kamineisen ist allerdings kein Argument. Also: gibt es universelle moralische Prinzipien? Ja, behauptet der amerikanische Philosoph Alex Rosenberg. In seinem neuen Buch The Atheists‘ Guide to Reality gibt er Beispiele: Füge einem Neugeborenen kein unnötiges Leid zu! Schütze deine Kinder! Wenn dir jemand etwas Nettes tut, dann solltest du diesen Gefallen ceteris paribus* erwidern. Ceteris paribus sollten alle Menschen gleich behandelt werden. Wenn du etwas verdient hast, dann hast du ein Recht darauf. Es ist zulässig, völlig fremden Menschen den Zugriff auf den eigenen Besitz zu verwehren. Es ist OK, Menschen zu bestrafen, die absichtlich etwas Falsches getan haben. Es ist falsch, Unschuldige zu bestrafen. Hat Rosenberg recht darin, dass diese Prinzipien universell gelten? Wer findet eine Ausnahme, egal ob wirklich oder …

Offiziell: Oktopusse haben ein Bewusstsein

Eine internationale Gruppe von Wissenschaftler hat auf einer Tagung zum Gedenken von Francis Crick die Cambridge Declaration on Consciousness in Non-Human Animals (pdf) paraphiert. Sie spricht weiten Teilen des Tierreichs ein Bewusstsein zu – und nimmt dem Menschen die alte Illusion, das einzig bewusstseinsbegabte Wesen auf Erden zu sein. Früher herrschte der Glaube unter Forschern, dass der Neocortex, den nur Menschen und einige Säugetiere im Schädel haben, eine Voraussetzung für Bewusstsein sei. Diesen Glauben kippt die Deklaration. Alle Säugetiere und Vögel, sogar wirbellose Tiere wie der Oktopus besitzen das neurologische Substrat, das Bewusstsein erzeugt. (Aus der Wikipedia) Die vielleicht erstaunlichste Vermutung in der Erklärung ist, dass Bewusstsein sich in der Evolutionsgeschichte zweimal entwickelt hat: parallel bei Vögeln und Säugetieren. Wenn das stimmt, bedeutet es, dass Bewusstsein keine so außergewöhnliche Eigenschaft von Leben ist – und dass auch außerirdisches Leben, sofern es existiert, mit höherer Wahrscheinlichkeit Bewusstsein entwickeln könnte. – Tobias Hürter