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Soziale Rasterfahndung

Was verändert sich, wenn man nicht mehr nach Menschen, sondern nach ihren Eigenschaften sucht? „Graph Search“ heißt die neue Facebook-Suchfunktion und ermöglicht bald auch für deutsche User eine gezielte, an gemeinsamen Interessen orientierte Suche nach Benutzern des sozialen Netzwerkes. Durch Suchaufträge wie „Leute, die in Hamburg wohnen und Philosophie mögen“ soll es leichter sein, Freunde mit ähnlichen Interessen zu finden und sich mit ihnen auszutauschen. Beziehungsstatus, Arbeitsplatz, Alter, Wohnort, bevorzugte Fernsehserien und Filme, politische oder religiöse Zugehörigkeit, jedes persönliche Merkmal kann als Suchalgorithmus verwendet werden und zeigt die entsprechenden Personen auf Facebook an.

PRISM? Noch nie gehört.
Wir fordern mehr Aufrichtigkeit

In der Bespitzelungsaffäre um die NSA ließ eine klare Stellungnahme von Seiten der Bundesregierung lange auf sich warten. Nun heißt es, man habe von dem Überwachungsprogramm PRISM überhaupt nichts gewusst. Die Vermutung liegt allerdings nahe, dass viele deutsche Politiker und sonstige Machtinhaber sehr wohl Kenntnis von den Überwachungsmaßnahmen hatten und jetzt nicht aufrichtig genug sind, dies zuzugeben.

Überwachet!
Ein philosophisches Argument für mehr Überwachung.

Nachdem Edward Snowden die Überwachungsprogramme Prism und Tempora der National Security Agency und des GCHQ publik machte, stellte sich heraus, dass die Geheimdienste offenbar völlig undifferenziert einen großen Teil der Internetkommunikation durchschnüffeln. Die Forderung, die daraufhin meist erhoben wird, lautet: weniger Überwachung! Die HOHE LUFT-Autoren Tobias Hürter und Thomas Vašek hingegen fordern: mehr Überwachung! Im Leitartikel der neuen HOHEN LUFT, die offiziell am 25.07. erscheint, erklären sie, warum. Wir stellen den Artikel bereits heute für Sie zum Lesen und Diskutieren zur Verfügung (PDF).

Der Urlaub wird so schön gewesen sein!

Über die Bedeutung von Urlaubserinnerungen Die Sommermonate nutzen jedes Jahr viele Menschen, um endlich wieder in den Urlaub zu fahren. Aber was finden wir am Urlaub-machen eigentlich so toll? Trotz dichtem Gedränge am Flughafen, Sonnenbrand, unfreundlichem Servicepersonal oder Streitgesprächen mit der Reisebegleitung war der Urlaub im Nachhinein (fast) immer traumhaft schön. Dies legt nahe, dass das wirklich Schöne am Urlaub die Erinnerung ist. Machen wir ein Gedankenexperiment: angenommen, Sie planen einen Urlaub und wüssten schon vorher, dass direkt nach der Heimreise jegliche Erinnerung daran, inklusive Foto und Videomaterial, gelöscht wird. Würden Sie für diesen Urlaub Geld ausgeben? Vermutlich nicht, da Sie den Wert eines Urlaubes nicht nur an dem Erlebten messen, sondern vor allem an den schönen Erinnerungen, die Sie sich vorher von ihm erhoffen. Vom Urlaub erwarten wir Momente, die unvergesslich sind, also über den gelebten Augenblick hinaus für uns Bestand haben. Daher sind uns auch Urlaubsfotos so wichtig. Durch das Ansehen der Fotoalben und das wehmütige Zurückdenken an die schönen vergangenen Tage, entwerfen wir unser eigenes Bild der Realität. Hingegen haben Erlebnisse, an …

Der Robin Hood der Informationsgesellschaft?

Kontroverse um „Whistleblower“ Edward Snowden Als „Whistleblower“ hat der ehemalige Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA, Edward Snowden, streng geheime Informationen über das weltweite Überwachungsprogramm PRISM an die Öffentlichkeit weitergegeben. Unter einem Whistleblower versteht man jemanden, der unter Verschluss gehaltene Informationen nach außen trägt, mit der Absicht, Unrecht aufzudecken und zu beenden – um dadurch der Gesellschaft einen Dienst zu erweisen. Handelt es sich dabei um eine Heldentat oder schlicht um Verrat? Aus Sicht der amerikanischen Regierung ist Snowden ein Straftäter. Dies scheint schwer zu bestreiten, schließlich hat er vorsätzlich die Verschwiegenheitspflicht gegenüber seinem Arbeitgeber verletzt und somit Vertragsbruch begangen. Die US-Regierung wirft Snowden eine Gefährdung der nationalen Sicherheit vor. Lässt sich Snowdens Verhalten dennoch rechtfertigen?

Demokratie auf ägyptisch

Merkwürdige Bilder kamen gestern und heute aus Kairo zu uns. Auf den Straßen und Plätzen demonstrierten die Menschen für die Demokratie. Einige warfen Molotov-Cocktails, einige stürmten das Hauptquartier der Muslim-Brüder. Hubschrauber der Armee überflogen die Menge, sie zogen Nationalfahnen hinter sich her. Die Menge jubelte ihnen zu. Tags drauf setzte das Militär den Präsidenten ab und erklärte die Verfassung für ausgesetzt. Ist das Demokratie? Der Oberbefehlshaber der Streitkräfte und Verteidigungsminister beteuert, mit der gewaltsamen Beendigung der Präsidentschaft Mursis dem Volkswillen entsprochen zu haben. Doch das Volk hatte Mursi vor einem Jahr erst gewählt. Formal zumindest hatte er die Demokratie auf seiner Seite. Nun kann man ihm unterstellen, selbst nicht der eifrigste Demokrat zu sein. Die ägyptische Demokratie war ihm ein Mittel, um an die Macht zu kommen. Andererseits müssen eifrige Demokraten akzeptieren können, dass die Dinge anders laufen, als sie es gut fänden – auch die Gegner Mursis. Der Sturz Mursis war kein souveräner Akt des „demos“: des Volkes. Er war ein Militärputsch. Wer ihn begrüßt, gesteht damit zu, dass es manchmal wichtigere Dinge gibt …

„Gerechtigkeit ist ein ständiger Prozess“
HOHE LUFT-Interview mit Rainer Forst

Wenn sich wohlhabende Gesellschaften beispielsweise dazu durchringen, das zu leisten, was man früher »Entwicklungshilfe« nannte und heute etwas schöner »Entwicklungszusammenarbeit«, also einen – kleinen – Teil ihres Wohlstands großzügig abzugeben, dann hat das nichts mit Gerechtigkeit zu tun, wenn dies nicht im Bewusstsein geschieht, dass der Wohlstand hier historisch und aktuell mit der Armut dort zu tun hat und die Strukturen, die dies bedingen, zu ändern sind. Man kann immer noch sagen, dass es besser ist, solche Hilfe zu leisten, als sie nicht zu leisten. Die Gerechtigkeit wird aber dadurch nicht berührt, wenn nicht die existierenden Strukturen der Abhängigkeit infrage gestellt werden. Im HOHE LUFT-Interview spricht der Philosoph Rainer Forst darüber, wie wir Menschen miteinander umgehen sollten. (PDF, HOHE LUFT 4/2013) Sie würden die Gedanken von Rainer Forst gern ergänzen? Sie haben eine völlig andere Vorstellung von Gerechtigkeit? Dann machen Sie mit beim großen HOHE LUFT-Schreibwettbewerb zum Thema „Gerechtigkeit“. Alles über den Wettbewerb finden Sie hier.

Neu – aber nicht liberal

Der Begriff Neoliberalismus steht heute für praktisch alles, was wir an unserem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem böse finden. Man denkt an die Finanz- und Eurokrise, die Zockerei der Banker und aberwitzig hohe Managergehälter, an Profitgier und rücksichtslosen Egoismus. Neoliberalismus, das ist ein Kampfbegriff, den man je nach Bedarf verwenden kann. Man kann darin eine Ideologie sehen, ein Bündel politischer Maßnahmen, eine Verschwörung undurchsichtiger Eliten – oder gar eine Art Monster, wie Frank Schirrmacher in seinem Buch „Ego“. Man kann aber auch versuchen, den Begriff selbst aufzuhellen und zu rekonstruieren, welche Ideen und Vorstellungen eigentlich dahinterstecken. Thomas Vašek, HOHE LUFT 4/2013 Lesen Sie hier den vollständigen Artikel „Neu – aber nicht liberal“. (PDF)

Wie viel Neugier ist erlaubt?

Sie sitzen im Zug von Hamburg nach Lüneburg. Drei Männer mittleren Alters, ausgerüstet mit Sonnenhüten und Kameras. Einer sagt: „Mal sehen, wie weit wir an die Elbe rankommen.“ „Da bin ich auch gespannt“, sagt ein anderer. „Ob der Bus überhaupt noch so weit fährt? Vielleicht ist ja schon alles abgesperrt.“ Katastrophentouristen auf dem Weg zu einer großen Show: dem Hochwasser an der Elbe.

Das Diogenes-Projekt

Was macht glücklicher? Überfluss oder Verzicht? Der Detmolder Literaturwissenschaftler und Philosoph Sven Stemmer will sechs Monate in einem Bauwagen leben, der auf dem Campus der Hochschule Ostwestfalen-Lippe steht. „Es geht um die Frage, wie viel man zum Leben braucht“, erklärt Stemmer sein Experiment. In seinem Blog kann man mit ihm über seine Erfahrungen diskutieren und zur Einstimmung u. a. den Vortrag von Erich Fromm „Überfluss und Überdruss“ aus dem Jahr 1970 anhören. Nun kann man sich fragen, ob es in einer derartigen Laborsituation überhaupt möglich ist, sich auf die Suche nach einem zufriedenen Leben zu begeben. Doch als Anregung, den eigenen Lebensstil zu überdenken, taugt das Experiment allemal. Brauchen wir wirklich immer das neueste Smartphone? Müssen wir unbedingt zehn Jeanshosen im Schrank haben? Geht es uns nur gut, wenn auf dem Frühstückstisch fünf verschiedene Sorten Marmelade stehen? Wie wenig ist genug? Wie viel ist wirklich nötig? Und wovon hängt unsere eigene Zufriedenheit ab? Was brauchen wir, damit unser Leben erfüllt ist? Fragen, denen man auch ohne Bauwagen jederzeit im eigenen Alltag nachgehen kann. – Katharina …