Alle Artikel in: HOHE LUFT

Freiheit und Abhängigkeit

Überwachung! Angriff auf die Privatsphäre! Beim Blick in die Zeitungen könnte man meinen, wir seien so unfrei wie nie zuvor. Wenn wir nicht sorglos im Internet surfen oder persönliche E-mails verschicken können, ohne dass wir ausgespäht werden könnten, fühlen wir uns in unserer persönlichen Freiheit eingeschränkt. Dabei hängt die Freiheit nicht nur an staatlicher Nicht-Einmischung, wie ein globaler Sklavenindex zeigt.

Wo die Ewigkeit wohnt

Friedrich Nietzsche würde heute vielleicht 169 Jahre alt werden, wenn er der von ihm geprägte Übermensch gewesen wäre. In Gedenken an den großen Philosophen hat der stellvertretende HOHE LUFT Chefredakteur Tobias Hürter einen Artikel über Nietzsches letzte Jahre verfasst, die von Krankheit und dem abgeschiedenen Leben im alpinen Oberengadin geprägt waren. Wie Nietzsche in einer ständigen Zerrissenheit zwischen Schwäche und Macht, Todessehnsucht und Lebensbejahung in den Bergen auf Zarathustra stieß, können Sie hier nachlesen oder in der allerersten Ausgabe HOHE LUFT.

Alles in Ordnung

Wenn ein Kind fragt, warum abends die Sonne untergeht, ist eine mögliche Antwort: Die Sonne bewegt sich überhaupt nicht – unsere Seite der Erde dreht sich nur zeitweilig von ihr weg. Eine andere Antwort wäre: die Sonne geht unter, damit wir schlafen können. Solche teleologischen Erklärungen von Naturphänomenen sind für uns Menschen nicht gerade untypisch. Das Bild der „lieben Sonne“ erzeugt bei dem Kind etwas Behagliches – es fühlt sich als Teil einer Ordnung, in der alles seinen Platz und Sinn hat.

Stoische Ruhe

Gelassenheit ist das neue Wundermittel gegen Stress in der modernen Lebenswelt. Tugendhaft ist derjenige, der sich nicht aufregt, sondern seine Emotionen im Griff hat. Ihren philosophischen Ursprung hat die Gelassenheit jedoch bereits bei den Stoikern. Die hellenistischen Philosophen waren der Ansicht, dass man nur durch eine gelassene Lebensführung glücklich werden kann. Wenn die Realität wieder einmal nicht mit den eigenen Wünschen und Begierden übereinstimmt, dann bedeutet Gelassenheit im stoischen Sinne, die eigenen Wünsche der Realität anzupassen, anstatt diese zu verändern. Doch ist eine strikte Kontrolle der eigenen Emotionen wirklich der Weg zum Glück? Oder führt das nicht vielmehr zu einer gefährlichen Gleichgültigkeit? Die Philosophin Ina Schmidt und HOHE LUFT-Chefredakteur Thomas Vašek diskutierten über diese und andere Fragen in der modern life school in Hamburg und erlebten im Publikumsgespräch einen alles andere als gelassenen Abend. Sie haben den Abend verpasst? Nur kein Stress! Sie können die Diskussion ganz gelassen auf Ihrem Sofa anhören. Die nächste HOHE LUFT_live-Veranstaltung findet am 04. November statt. Dann geht es um Emotionen. Mehr dazu hier.

Der wilde Wiener

Heute vor 110 Jahren nahm sich ein junger Mann in jenem Haus das Leben, in dem auch Ludwig van Beethoven gestorben war: der Philosoph Otto Weininger. Sein außergewöhnlicher Tod war der Endpunkt eines wilden Lebens – und sollte ihn endgültig unsterblich machen. Die ganze Geschichte Otto Weiningers lesen Sie in der aktuellen HOHE LUFT oder hier (PDF).

Was Spaß macht, ist verboten

Rauchen, Alkoholkonsum oder Sex – der unbeschwerte Genuss berauschender Mittel wird uns heute zunehmend madig gemacht. Wir leben in einer Verzichtsgesellschaft, die alle Dinge als schädlich verteufelt, die am meisten Spaß machen. Dieser Ansicht ist zumindest der Wiener Philosoph Robert Pfaller, der auf dem diesjährigen Philosophicum als Referent eingeladen war. Laut Pfaller versagen wir uns den ausschweifenden Exzess und trimmen uns auf Mäßigung und Selbstdisziplin (siehe auch HOHE LUFT 06/13). Doch verlieren wir dadurch mehr als wir gewinnen.

Die Latte von Richard David Precht

„Precht hat die Latte so hoch gelegt, dass ich jetzt nur versuchen kann, mit Anstand darunter durchzugehen.“ So begann Peter Strasser gestern seinen Vortrag auf dem Philosophicum. Mit Anstand unter Prechts Latte durchgehen – es sollte nicht die letzte Anzüglichkeit des Tages bleiben. Die größte Dichte sexueller Anspielungen hatte sicherlich die Laudatio, die Professorin Ursula Pia Jauch, Expertin für „Damenphilosophie“, auf Tractatus-Preisträger Kurt Bayertz hielt. Precht-Disser Peter Strasser und Greta Lührs (mit Bier) Jauch gelang es, dem eigentlich sexualitätsfernen Thema der Anthropologie des aufrechten Gangs eine schlüpfrige Note zu geben. Am Ende ihres Vortrags dachten wirklich alle Zuhörer bei „aufrecht“ an Erektion. „Wobei das mit dem Aufrichten ja auch nicht immer klappt“, rief Jauch den männlichen Zuhörern zu. Wenn sie vom Menschen als einem besonderen Fall sprach, fügte sie gleich hinzu, dass dieser „Fall“ nicht mit PH zu schreiben sei. Preisträger Bayertz zeigte sich freundlich überrascht über diese neue Deutung seines Werks. (HL)   Mit Blogsy veröffentlicht

Zur Ästhetik von Topfreinigern

Seit jeher produzieren Menschen Kunst – und setzen sich mit dieser auseinander. Von Platon über Arthur Schopenhauer bis hin zu Martin Heidegger wurde immer schon versucht, Kunst auch philosophisch zu ergründen. Was ist der Sinn von Kunst? Ist sie selbsterklärend? Muss jeder Mensch ein Kunstwerk gleichermaßen begreifen können? Nicht nur die Kunst selbst, auch die Ansätze zur Erklärung ihres Sinns haben sich im Laufe der Zeit immer wieder stark verändert. Platon etwa war noch davon überzeugt, Kunst müsse zu einem tugendhaften Leben erziehen. Für ihn war Kunst eine pädagogische Maßnahme – etwas, das uns nach Wahrheit und Werten streben lassen sollte. Dabei unterschied Platon zwischen Künstlern, die etwas schöpferisch herstellen, wie etwa ein Tischler, und Künstlern, die sich mit der Darstellung der Wirklichkeit befassen, wie etwa Maler. Letztere würden Ideen der Wirklichkeit immer nur nachahmen, während Erstere  Ideen verwirklichen – und der Wahrheit somit näher stehen. Heute hingegen nehmen wir diese Unterscheidung kaum mehr vor – selten werden Baumeister Künstler genannt. Ruhm und Ehre scheint jenen Künstlern vorbehalten, die „Bilder zweiter Ordnung“ schaffen. Welche Idee …

Hoffnung für Rot-Grün?

Kurz vor der Bundestagswahl stehen die Chancen für Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ziemlich schlecht. Umfragen zufolge ist die Wahrscheinlichkeit unterirdisch, dass eine Rot-Grüne Koalition die nötige Regierungsmehrheit in Deutschland bekommt. Wie die Süddeutsche schreibt, glauben selbst die „größten Optimisten“ der SPD nicht mehr an den Wahlerfolg. Alles, was jetzt noch bleibt, ist die Hoffnung. Die stirbt ja bekanntlich zuletzt und erst nachdem die Vernunft lange aufgegeben hat.