Alle Artikel in: HOHE LUFT

Wie kann Information frei sein?

In der Debatte ums Urheberrecht fällt immer wieder der Begriff „Freiheit“. Netzaktivisten kämpfen für ein freies Internet, Urheber und Verlage fürchten um ihre Existenz, wenn Inhalte, die früher geschützt wurden, nun frei zugänglich sind. Doch was heißt eigentlich „frei“? Eine Begriffsklärung von Robin Droemer und Tobias Hürter. (Leseprobe aus HOHE LUFT Nr. 4, erscheint offiziell am 20.09.).

Ein Rätsel: unendlicher Stab auf unendlichem Tisch

Ein Rätsel für Freunde des Unendlichen: Stellen Sie sich vor, ein gerader Stab ragt senkrecht aus einem flachen Tisch. Der Stab ragt unendlich weit empor, und der Tisch ist unendlich groß in alle Richtungen. Einen Meter über dem Tisch hat der Stab ein bewegliches Scharnier eingebaut. Jetzt klappen Sie das Scharnier langsam zu. Der Stab neigt sich auf den Tisch zu.

Das Gehirn im Tank

Ein viel umstrittenes Gedankenexperiment der analytischen Philosophie ist das »Brain in a vat« (Gehirn im Tank). Sein Erfinder Hilary Putnam erklärte es 1982 so: Stellen Sie sich vor, das Gehirn eines Menschen wird dessen Körper entnommen und in einen Tank mit Nährstofflösung gesetzt, die das Gehirn am Leben hält. Die Nervenenden werden mit einem Supercomputer verbunden, der für die Person, der das Gehirn gehört, die Illusion erzeugt, alles sei ganz normal.

Der amerikanische Wahlkampf und die Philosophie

Der amerikanischen Wahlkampf ist keine sonderlich philosophische Veranstaltung. Es geht eher um »legitimate rape«, manchmal auch um »race«, und das selten in Bedachtsamkeit. Dennoch spielt eine Philosophin eine wichtige Rolle in diesem Wahlkampf: Ayn Rand (1905-1982). Paul Ryan, der Vizepräsidentschaftskandidat der Republikaner, beruft sich seit Jahren immer wieder auf Rand – was ihm jetzt heftige Kritik von seinen Gegnern einbringt. Wofür steht Ayn Rand, und woher kommt ihr politischer Einfluss?

Frage an alle: Wie universell ist die Moral?

Gibt es universell gültige moralische Prinzipien? Das ist eine der großen Streitfragen der Philosophie. Ludwig Wittgenstein und Karl Popper sind sich über diese Frage einmal derart in die Haare geraten, dass Wittgenstein Popper beinah ein glühendes Kamineisen drübergezogen hätte – mehr dazu in der vierten Ausgabe von Hohe Luft, die am 20. September erscheint. Ein Kamineisen ist allerdings kein Argument. Also: gibt es universelle moralische Prinzipien? Ja, behauptet der amerikanische Philosoph Alex Rosenberg. In seinem neuen Buch The Atheists‘ Guide to Reality gibt er Beispiele: Füge einem Neugeborenen kein unnötiges Leid zu! Schütze deine Kinder! Wenn dir jemand etwas Nettes tut, dann solltest du diesen Gefallen ceteris paribus* erwidern. Ceteris paribus sollten alle Menschen gleich behandelt werden. Wenn du etwas verdient hast, dann hast du ein Recht darauf. Es ist zulässig, völlig fremden Menschen den Zugriff auf den eigenen Besitz zu verwehren. Es ist OK, Menschen zu bestrafen, die absichtlich etwas Falsches getan haben. Es ist falsch, Unschuldige zu bestrafen. Hat Rosenberg recht darin, dass diese Prinzipien universell gelten? Wer findet eine Ausnahme, egal ob wirklich oder …

Nicht normal – und nicht verrückt

Anders Behring Breivik wurde vom norwegischen Gericht für geistig gesund erklärt und wegen der Tötung von 77 Menschen im Sommer 2011 zu mindestens 21 Jahren Haft verurteilt. Breiviks geistige Gesundheit war im Lauf des Prozesses heftig umstritten gewesen. Die Staatsanwältin hatte auf unzurechnungsfähig plädiert. Breivik selbst hatte darauf bestanden, gesund zu sein. Auch in der Redaktion von Hohe Luft gab es Diskussionen darum, ob Breivik krank oder gesund ist, im Zuge des Artikels „Wer ist hier verrückt?“ (siehe Hohe Luft 2, Seite 36). Wir kamen zu dem Schluss, dass Breivik zwar völlig nach völlig verqueren Maßstäben denkt und handelt, aber nicht verrückt ist. Er ist sozusagen ethisch krank – aber nicht psychisch krank. Anders Breivik Die Diagnose psychischer Krankheit ist eine schwierige Angelegenheit. Dabei helfen keine Antikörpertests oder Röntgenbilder. Der Goldstandard der psychischen Gesundheit ist das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM). In den 50er Jahren war es eine schlanke Broschüre. Heute ist es 886 Seiten lang und führt 374 psychische Krankheiten auf. Der unbestritten gesunde walisische Journalist Jon Ronson hat es mal zum …

Offiziell: Oktopusse haben ein Bewusstsein

Eine internationale Gruppe von Wissenschaftler hat auf einer Tagung zum Gedenken von Francis Crick die Cambridge Declaration on Consciousness in Non-Human Animals (pdf) paraphiert. Sie spricht weiten Teilen des Tierreichs ein Bewusstsein zu – und nimmt dem Menschen die alte Illusion, das einzig bewusstseinsbegabte Wesen auf Erden zu sein. Früher herrschte der Glaube unter Forschern, dass der Neocortex, den nur Menschen und einige Säugetiere im Schädel haben, eine Voraussetzung für Bewusstsein sei. Diesen Glauben kippt die Deklaration. Alle Säugetiere und Vögel, sogar wirbellose Tiere wie der Oktopus besitzen das neurologische Substrat, das Bewusstsein erzeugt. (Aus der Wikipedia) Die vielleicht erstaunlichste Vermutung in der Erklärung ist, dass Bewusstsein sich in der Evolutionsgeschichte zweimal entwickelt hat: parallel bei Vögeln und Säugetieren. Wenn das stimmt, bedeutet es, dass Bewusstsein keine so außergewöhnliche Eigenschaft von Leben ist – und dass auch außerirdisches Leben, sofern es existiert, mit höherer Wahrscheinlichkeit Bewusstsein entwickeln könnte. – Tobias Hürter