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Selbstbewusster Roboter? Quatsch!

Forscher der Yale University sollen einen Roboter gebaut haben, der sich seiner selbst bewusst ist. Das melden unter anderem die BBC und der New Scientist. Wenn das stimmen würde, wäre es ein gewaltiger Schritt für die Künstliche Intelligenz und eine sehr wichtige Lektion über den Begriff des Bewusstseins. Aber es ist Quatsch.

Nico ist ein humanoider Roboter, an dem die Yale-Robotiker Justin Hart und Bran Scassellati schon seit Jahren tüfteln. Sie haben ihm beigebracht, aus Spiegelbildern auf die Position von Gegenständen zu schließen – und jetzt kann er auch seine eigenen Greifer im Spiegel erkennen.

Nico mirror streams desktop medium

»Huch, das bin ja ich!«

Die Fähigkeit, sich im Spiegel zu erkennen, gilt als Anzeichen von Selbstbewusstsein. Menschliche Babys fangen zwischen 15 und 18 Monaten damit an. Nur wenige Tiere können es. Schimpansen bestehen den Spiegeltest. Hunde und Katzen fallen durch. Ist Nico also dabei, ein menschenähnliches Bewusstsein zu entwickeln? Wohl nicht – und keinesfalls sind seine Spiegeltricks ein Hinweis dafür. Bewusstsein ist eine verdammt komplizierte Angelegenheit. Es hat etwas mit Erleben zu tun. In diesem Vortrag erklärt es der Neurowissenschaftler Giulio Tononi an einem einfachen Gedankenexperiment: Man stelle sich vor, Galileo Galilei und eine Photodiode sind zusammen in einem Raum. Beide können zuverlässig erkennen, ob es hell oder dunkel ist. Aber nur Galileo erlebt den Raum als hell oder dunkel. Dass die Photodiode es genauso zuverlässig erkennen kann, sagt nichts darüber, ob sie ein Bewusstsein hat. Sie hat keines. Sie erlebt gar nichts.

Ebensowenig sagt der Spiegeltest über Bewusstsein. Bei Babys mag er einen Hinweis auf reifendes Bewusstsein geben. Aber nicht bei Maschinen. Tatsächlich ist seit Jahren bekannt, dass schon simpelste Schaltkreise den Spiegeltest bestehen können. Nico ist ein tolles Stück Technik. Aber er erlebt nichts.

– Tobias Hürter

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