Alle Artikel mit dem Schlagwort: Griechenland

Im Alten Griechenland #1: Das Schwierige

In seiner Kolumne »Im Alten Griechenland« streift Jörg Phil Friedrich durch die Denkwelt der alten Meister. Im ersten Teil trifft er auf Thales und fragt ihn: Was ist das Schwierigste? Ich hatte mich auf eine lange Reise begeben. Mein Ziel war der Anfang, die Quelle des Stroms, von dem wir uns heute noch ernähren. Die Gegend, die ich erkunden wollte, deren Bewohner ich kennenlernen wollte, lag ganz im fremden Inneren unserer Welt, die Reise war zugleich eine Wanderung auf höchste Berge wie sie eine Erkundung tiefster Erdschichten war. Die Leute, die ich treffen wollte, sprachen eine fremde Sprache, auch wenn mir viele Worte, die sie hatten, vertraut vorkamen, wusste ich doch, dass ich den Bedeutungen, die ich kannte, nicht trauen konnte. Zwar gab es viele freundliche Dolmetscher, aber ich hielt es für klug, mir ein paar dicke Wörterbücher einzupacken, mit deren Hilfe ich den Sinn dessen erkunden wollte, was mir die Weisesten der Leute dort, wie ich hoffte, anvertrauen würden. Ohne Halt hatte ich fast bis ganz in den innersten und ältesten Bezirk dieses Landes …

Reflexe #12: Wege ins griechische Denken

Es gehört zu den Selbstverständlichkeiten der europäischen Philosophietradition, dass sie ihre Wurzeln bei den Denkern im alten Griechenland hat. Viele der Sätze, die Thales, Heraklit, Anaximander und anderen zugeschrieben werden oder die sich in den Schriften von Platon, Aristoteles finden lassen, haben es in unsere Alltagssprache geschafft, wenn auch oft zum Sprichwort verkürzt und kaum noch wiederzuerkennen. Und bis in die Philosophie unserer Tage hinein kreist das philosophische Denken um Fragen, die in den Fragmenten der Vorsokratiker, den Dialogen des Platon und Aristoteles‘ Schriften gefunden werden können.

HOHE LUFTpost – Die Schuldenfrage

HOHE LUFTpost vom 03.07.2015: Die Schuldenfrage Die Europäische Union steckt in einer beispiellosen Krise, und schuld sind die Schulden. Die Geberländer haben Griechenland Geld geliehen, und Griechenland zahlt nicht zurück. Einfache Angelegenheit, oder? Aber näher betrachtet sind Schulden alles andere als eine einfache Angelegenheit. Der amerikanische Ethnologe David Graeber, der an der London School of Economics lehrt, hat ein dickes Buch darüber geschrieben: “Schulden – die ersten 5000 Jahre”. Darin legt er dar, wie tief unsere Gesellschaft vom Konzept der Schulden geprägt ist. Nicht nur der Handel, sondern auch Institutionen wie Familie und Freundschaft, Staat, Gesetz und Religion sind in der uns bekannten Form nicht ohne Schulden denkbar. Graebers These ist, dass ein gutes, menschliches Zusammenleben nur funktioniert, wenn die Beteiligten nicht ständig in Begriffen von Schulden denken. Zum Beispiel bei der Reparatur einer Wasserleitung. Wenn dabei einer sagt »Reich mir die Zange«, dann wird der andere nicht antworten »Und was kriege ich dafür?«, sondern ihm ohne weiteres die Zange geben. Gemeinschaft lebt von spontanem Geben und Nehmen. Schulden schaffen ein ganz anderes Klima. Sie …