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HOHE LUFTpost – Die Schuldenfrage

HOHE LUFTpost vom 03.07.2015: Die Schuldenfrage

Die Europäische Union steckt in einer beispiellosen Krise, und schuld sind die Schulden. Die Geberländer haben Griechenland Geld geliehen, und Griechenland zahlt nicht zurück. Einfache Angelegenheit, oder?

Aber näher betrachtet sind Schulden alles andere als eine einfache Angelegenheit. Der amerikanische Ethnologe David Graeber, der an der London School of Economics lehrt, hat ein dickes Buch darüber geschrieben: “Schulden – die ersten 5000 Jahre”. Darin legt er dar, wie tief unsere Gesellschaft vom Konzept der Schulden geprägt ist. Nicht nur der Handel, sondern auch Institutionen wie Familie und Freundschaft, Staat, Gesetz und Religion sind in der uns bekannten Form nicht ohne Schulden denkbar.

Graebers These ist, dass ein gutes, menschliches Zusammenleben nur funktioniert, wenn die Beteiligten nicht ständig in Begriffen von Schulden denken. Zum Beispiel bei der Reparatur einer Wasserleitung. Wenn dabei einer sagt »Reich mir die Zange«, dann wird der andere nicht antworten »Und was kriege ich dafür?«, sondern ihm ohne weiteres die Zange geben. Gemeinschaft lebt von spontanem Geben und Nehmen. Schulden schaffen ein ganz anderes Klima. Sie sind ein Machtinstrument.

In größerem Maßstab ist das der aktuelle Konflikt in der EU: Gemeinschaftlichkeit und ökonomische Logik stehen gegeneinander. Ich hoffe, den verantwortlichen Politikern gelingt, beides zu versöhnen.

– Tobias Hürter

1 Kommentare

  1. Idahoe sagt

    Tja Leute,

    Zeit, allmählich mal mit ein paar Mythen aufräumen

    Einmal vom kreditgetriebenen Schuldgeldsystem abgesehen, ist Geld KEIN Tauschmittel und war es auch niemals, sondern es ein reines Manipulationsmittel. Für Tausch reicht Vertrauen vollkommen aus. Geldscheine und -münzen sind das Symbol für Geld, nicht der Geldwert selbst, dieser Geldwert beruht einzig auf GLAUBEN.

    Geld ist auch ein Eigentumsrecht, das bedeutet, daß durch das Recht der Banken auf Geldschöpfung aus dem Nichts, eben zwangsläufig Eigentum umverteilt wird. Keiner kann diese Funktionalität verhindern.

    Deshalb läßt der Mensch alles mögliche verfallen, wie beispielsweise Schulen oder das Gesundheitswesen, weil er von etwas zuwenig hat, das es nicht gibt, das liebe Geld.

    Ein schönes Beispiel ist der Kabarettist Vince Ebert, der in seinen Vorstellungen 50€-Scheine verbrennt und behauptet, damit würden die Möglichkeiten weniger.
    Wer etwas beötigt, das es nicht gibt, hat mehr Möglichkeiten? Das sagt ein studierter Physiker. Realsatire ist einfach die bessere Satire.
    http://www.sueddeutsche.de/kultur/kabarettist-vince-ebert-im-interview-kapitalismus-ist-unsere-einzige-chance-1.2516975

    Noch ein Blick auf die „Wirtschaftswissenschaften“
    Die Ökonomik verwendet zur Beschreibung der Wirtschafthandlungen Aller, dem Markt, Mathematik, eine formalisierte Bezugssprache, die den Hauptakteur Mensch gar nicht beschreiben kann. Vertrauen, Gefühle kann Mathematik nicht beschreiben. Beschrieben wird stattdessen eine tote rationale Maschinerie und ich wundere mich ernsthaft, daß dies keinem der Ökotheriker oder deren Anhänger überhaupt auffällt.

    Daß sich BWL und VWL diametral widersprechen, ist zuviel dies hier auszubreiten. Nur noch der Hinweis auf die die Arbeiten von Gode und Sunder 1993 und der 0% Intelligenz der Marktregeln, auf deren Arbeiten der Hochfrequenzhandel (HST) beruht. Einem Menschen, der davon ausgeht, er sei intelligent sollte auffalen, daß die Welt NICHT von Marktregeln bestimmt werden kann, denn die Welt ist KEINE Setzung. Außer für einen tiefgläubigen Ökotheriker, aber das wundert nicht wirklich, bei 0% Intelligenz.

    So, jetzt steht es zumindest mal irgendwo

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