Alle Artikel in: Gesellschaft

Na logisch! Die Derailment-Taktiken, Teil 2

Daniel-Pascal Zorn schreibt in seiner Kolumne Na logisch! über Logik, Rhetorik und Argumentationstheorie. Heute erscheint die 20. und letzte Folge: Die Derailment-Taktiken, Teil 2 In der vorangegangenen Folge dieser Kolumne habe ich mich mit formalen Formen des ‚Entgleisens‘ bzw. des ‚Entgleisenlassens‘ von Diskussionen beschäftigt: Ablenkung und Antwortdiktat versuchen sich vor allem der Art und Weise der Gesprächsführung zu bemächtigen. Das Verschieben des Torpfostens und die Autoritätssimulation versuchen den Inhalt zugunsten der eigenen Sichtweise von vornherein festzulegen oder zu verändern. Die Ironisierung versucht wiederum, die Rechtfertigungspflicht für die eigenen Aussagen willkürlich festzulegen. Was man nicht ernst gemeint hat, muss man auch nicht rechtfertigen – so versucht man den rhetorischen Aspekt der Rede auszunutzen, selbst wenn der logische Aspekt nicht relevant wird.

HOHE LUFTpost – Eure Handys und unsere Sicherheit

HOHE LUFTpost vom 28.10.2016: Eure Handys und unsere Sicherheit Handygebrauch und Autofahren vertragen sich nicht. Jeder weiß das, und viele tun dennoch beides gleichzeitig. Davon kann sich jeder überzeugen, der auf der Autobahn oder in der Ampelschlange gelegentlich zur Seite schaut. »Handy weg vom Steuer« – das scheint jeweils nur für die anderen zu gelten.

Na logisch! Die Derailment-Taktiken, Teil 1

Daniel-Pascal Zorn schreibt in seiner Kolumne Na logisch! über Logik, Rhetorik und Argumentationstheorie. Folge 19: Die Derailment-Taktiken, Teil 1 Wenn zwei Boxer in einem Ring aufeinander losgehen, dann sieht es im ersten Moment so aus, als wollten sie einander fürchterlich verprügeln. Vor dem Kampf werden Sprüche geklopft, wird der Gegner mit Spott und Häme überzogen. Die Kämpfer tauschen wilde Blicke aus oder üben sich in ignoranter Verachtung. Sobald beide dann aber im Ring einander gegenüberstehen, wird klar: Auch diese beiden Muskelpakete folgen bestimmten Regeln. Es gibt einen Ringrichter, der darüber wacht. Ihm müssen beide Kämpfer einen fairen Kampf versprechen. Es gibt eine Jury, die den Kampf genau beobachtet und nach einem festgelegten Schema Punkte verteilt.

HOHE LUFTpost – German Angst

HOHE LUFTpost vom 21.10.2016: German Angst Wir Deutsche sind bei anderen Nationalitäten für unsere Autos und unsere Gründlichkeit bekannt. Und für unsere Angst. Im Englischen ist »German Angst« eines der raren Fremdwörter aus dem Deutschen. Aber wovor haben die Deutschen Angst? Dieser Frage ist das Allensbach-Institut in einer gerade veröffentlichten Studie nachgegangen. Das Ergebnis ist bemerkenswert: Es sind gerade die Dinge, die in der öffentlichen Diskussion präsent sind – die aber gleichzeitig wenigen Menschen wirklich zustoßen. So zum Beispiel Terrorismus, Gewaltverbrechen, Datenklau. Offenbar sind es Risiken, die zwar »objektiv« weniger bedrohlich sind als andere, die aber irgendwie nebulös und ungreifbar sind. Diese Einsicht mag uns die Angst zwar nicht nehmen, sie könnte aber helfen, besser mit ihr umzugehen. – Tobias Hürter

HOHE LUFTpost – Besser andere schützen als sich selbst

HOHE LUFTpost vom 14.10.2016: Besser andere schützen als sich selbst Die Erkältungszeit hat begonnen. Es wird schon wieder kräftig gehustet und gerotzt. In öffentlichen Räumen sieht man um diese Zeit manchmal Menschen mit Mundschutz – besonders in Asien ist das üblich. »Überängstliche Asiaten!«, dachte ich früher. »Sollen sie doch mal ihrem Immunsystem vertrauen.« Dann aber erfuhr ich, dass die meisten von ihnen den Mundschutz gar nicht aus Angst vor Ansteckung anziehen. Sie sind selbst erkrankt und wollen ihre Mitmenschen nicht infizieren. So herum ist der Mundschutz tatsächlich ein einfaches, wirksames Mittel gegen Ansteckung. Und er ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass es bei manchen Dingen besser sein kann, wenn alle an alle denken statt nur an sich selbst. – Tobias Hürter

HOHE LUFTpost – Bra‘ vs. ’ngelina

HOHE LUFTpost vom 30.09.2016: Bra’ vs. ‘ngelina Wir leben offenbar in einer Zeit, in der alles vergänglich ist, sogar »Brangelina«, die Ehe von Angelina Jolie und Brad Pitt, die so unauflöslich schien, dass sie einen eigenen Namen bekam. Jetzt heißt es also »Bra’ vs. ‘ngelina«, und man kann sich fragen: Wenn schon diese zwei Mustermenschen es nicht hinkriegen, wem soll es dann gelingen?

HOHE LUFTpost – Die Wirkung der Worte

HOHE LUFTpost vom 16.09.2016: Die Wirkung der Worte Ein großes Jubiläum steht bevor. Im nächsten Jahr sind es 500 Jahre, dass der Theologieprofessor Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel der Kirche veröffentlichte. Die Wirkung war gewaltig und – wie Willi Winkler in seiner neuen Luther-Biografie erzählt – unbeabsichtigt. Die Kirche spaltete sich. Luther selbst trieb die Spaltung nicht voran. Seine Worte entwickelten ein Eigenleben, das niemand mehr kontrollieren konnte. Damit setzte Luther ein eindrucksvolles Beispiel für die Macht der Sprache. Feine Schwingungen der Luft, Zeichen auf Papier können wirkungsvoller sein als alle Maschinen, Herrscher und Armeen der Welt. – Tobias Hürter