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HOHE LUFTpost – Kleineres Übel AfD

HOHE LUFTpost vom 09.09.2016: Kleineres Übel AfD

21 Prozent Wählerstimmen für eine Partei, deren Programm aus Populismus und Fremdenfeindlichkeit besteht: Das Wahlergebnis von Mecklenburg-Vorpommern ist erschreckend. Aber im Aufstieg der AfD liegt auch eine Chance. Diese Partei nährt sich aus Ressentiment, dumpfer Empörung und gefühlter Ausgegrenztheit. Die Wählerschichten dafür sind nun mal da. Eine Partei, die sie anspricht, muss widerlich sein, ob sie nun AfD, NPD, Republikaner oder Schill-Partei heißt.
Was wäre die Alternative zur AfD? Entweder dass statt ihrer die etablierten Parteien ein Stück widerlich werden, um ihr das Wasser abzugraben (diese Strategie wird offenbar von manchen Politikern verfolgt), oder dass jene Wählerschichten unrepräsentiert bleiben. Beide Alternativen könnten noch übler ausgehen.
Die AfD holt immerhin Mitbürger in den demokratischen Prozess, die vorher draußenblieben. Ihr ist gelungen, woran die etablierten Parteien gescheitert sind: Frühere Nichtwähler in großer Zahl zum Wählen zu bringen. “Eine schwankende Brücke zurück zur Demokratie” nannte sie Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung. Nun ist es an den bedachten politischen Kräften, die Bürger, die diese Brücke betreten haben, auf festen Boden zu holen.

– Tobias Hürter

3 Kommentare

  1. Peter Scheller sagt

    Was wäre denn so schlimm daran, wenn diese Wählerschichten draußen bzw. unrepräsentiert blieben? Mit demokratischen Werten haben sie ohnehin nichts am Hut. Ich könnte gut damit leben!

  2. Yvo K. sagt

    Ich bin mir unsicher ob nur bisherige Nichtwähler die AfD Wählen.
    Gerät die Demokratie ins Wanken weil die Menschen überfordert sind?
    Weil man keine rechte Handhabe gegen Menschen hat, die das freiheitliche Denken nicht respektieren?
    Die Würde des Menschen ist unantastbar. Eine schöne neue Welt wenn alle Menschen sich automatisch daran halten würden. Es keinen Neid, Ängste, Sorgen oder Nöte gäbe…

  3. Kalle S. sagt

    Es ist ein Dilemma mit zwei Schwerpunkten. 1. Darf der nicht aufgeklärte Bürger, der keine Ahnung von Toleranz hat und mit Ressentiments und Hass aufgeladen ist wählen?
    Das Grundgesetz und das Prinzip der Demokratie sagen: „Ja“.
    2. Wenn alle wählen dürfen, müssen wir dann auch alle Meinungen zulassen? Und hier sind wir uns selbst, so scheint es, nicht sicher. Wir erziehen unsere Kinder in der Schule zu „demokratischen“ Menschen, zumindest glauben wir das. Und dann?
    Wir gehen dummer Weise von einem idealen Wähler aus, der das Grundgesetz kennt und die hohen Ideale der Aufklärung teilt, neun Jahre Schule sollten das bewerkstelligt haben.
    Wie sich nun gezeigt hat, ist dem in der breiten Masse aber nicht so. Es ist eigentlich absurd: die, die beispielsweise gegen die „Islamisierung des Abendlandes sind“ und in deren Fahrwasser die AFD ihre Wähler abgräbt, haben selber, so scheint es, keine Ahnung, welche Werte dieses Abendland eigentlich hat. Aber die Demokratie muss diesen Menschen eine Stimme in der Öffentlichkeit zugestehen.
    Schiller schrieb einst: „Was ist die Mehrheit? Die Mehrheit ist Unsinn. Verstand ist stets bei wenigen gewesen.“
    Tolerante Menschen müssen intolerante Menschen scheinbar tolerieren, wohingegen es umgekehrt nicht der Fall ist.
    Intolerante dürfen an Wahlen teilnehmen. Sie dürfen ihre Meinung äußern, sie dürfen einer echten Demokratie Äste und Steine ins Getriebe werfen und dann eine Pseudodemokratie bedienen, deren Werte fragwürdig sind. Der Tolerante muss dies hinnehmen.
    Die AFD und andere Vereinigungen dieser Sorte, sind das Symptom eines pervertierten Demokratieverständnisses, das sich in der Bevölkerung verbreitet hat. „Wenn Toleranz so wichtig ist, dann toleriert, dass ich intolerant bin und schafft mir diese Ausländer raus!“
    Wenn dies die Demokratie ist, zu der die AFD die Brücke bilden soll, dann lasst sie uns abreißen!

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