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HOHE LUFTpost – Burka und Symbole

HOHE LUFTpost vom 02.09.2016: Burka und Symbole

Deutschland diskutiert über ein Burka-Verbot – mal wieder. Fast jeder hat eine Meinung dazu, und das ist kein Wunder. Die gefühlte Bedrohung durch den Islamismus ist zum großen Teil abstrakt, aber die Burka ist wunderbar anschaulich.

Befürworter eines Verbots sehen in ihr ein Symbol einer menschenverachtenden Ideologie oder der Verdinglichung von Frauen. Allerdings wäre auch ein Verbot vor allem ein Symbol, denn so gut wie keine Frau in Deutschland trägt Burka. Auch ein symbolisches Verbot hat seinen Wert. Allerdings können Symbole auch ablenken. Es ist einfacher, sich mit einem Kleidungsstück auseinanderzusetzen als mit den Komplexitäten des politischen Islam oder mit den Spielarten sexueller Verdinglichung in unserer Kultur. Missbrauchen also auch wir die Burka nicht, um etwas zu verschleiern.

– Tobias Hürter

7 Kommentare

  1. Idries Shah, „Die Karawane der Träume“, Erzählung „Pilgerfahrt nach Mekka“. Seite 80:

    „Die Frauen dürfen innerhalb des Allerheiligsten keine Schleier tragen. Die Verschleierung der Frauen, wie sie in den meisten islamischen Ländern Sitte geworden ist, war in der Tat eine Nachahmung eines Brauchtums, das zur Zeit der Eroberung durch die Moslems bei christlichen Gemeinden in Syrien geherrscht hatte. Wie dem auch sei – diese Sitte ist in Arabien insbesondere von einigen Frauen der höchsten Stände gepflegt worden, so dass ihr eine gewisse Arroganz anhaftet. Aus diese Grunde ist die Verschleierung während der Pilgerfahrt verboten.“

    Ob Zwang zur Verschleierung, oder Zwang zur Nichtverschleierung, es treffen sich dabei – Brüder im Geiste.

  2. Siegfried Schaupp sagt

    Mir ist es egal ob die Vollverschleierung verboten oder erlaubt ist. Letzten Endes muss Jeder/Jede selbst entscheiden wie sie damit umgehen. Ich persönlich weigere mich, mit vermummten Menschen, gleich ob Frau, Mann, Muslima oder nicht, zu kommunizieren. Ich halte jede Art der Vermummung in der Öffentlichkeit (ausser bei -30°C) für hochgradig unhöflich und arrogant und fühle mich davon persönlich beleidigt. Aber solange ich mit diesen Leuten nichts zu tun haben muss, können sie von mir aus rumlaufen, wie sie wollen.

    • Den Menschen sind erfreulicherweise in der Regel immer noch zehn unhöfliche Menschen viel lieber als ein unfreundlicher. Dem gehen sie daher auch sehr gerne aus dem Weg.

  3. Andreas Hirschbold sagt

    Ein Verbot der Burka halte ich auch für falsch. Das Zitat aus Idries Shah ist sehr sehr aufschlussreich. Ich betreue Syrische Flüchtlinge bei der Integration hier in Deutschland. Mein Problem ist, wenn das Kopftuch als Argument herangezogen wird, um bestimmte Arbeiten abzulehen. Da verbirgt sich ein Anspruchdenken auf persöhnliche Anerkennung, welche wir in Deutschland eben nicht akzeptieren können. Auch ist meine Erfahrung, dass es den Menschen eigentlich gut tut, wenn sie sich öffnen zu unseren Lebensgewohnheiten. Von uns ist natürlich gefordert, dass wir ihre Persönlichkeit dabei nicht verletzen !

    • Siegfried Schaupp sagt

      Was das Anspruchsdenken auf persönliche Anerkennung angeht gibt es überhaupt kein Problem. Auch Rockern, Punkern und anderen Freaks stehen nicht alle Berufe offen und dennoch genießen sie den Respekt, den ihre Menschenwürde ihnen garantiert. Das Problem ist auch nicht das Kopftuch, sondern die Vollverschleierung. Mit dem Niqab oder der Burka berauben sich diese Frauen nämlich selbst ihrer Würde. Durch die Verschleierung reduzieren sie sich zu einem Gesichts.- und Identitätslosen Etwas. Sie verwandeln sich von einer Persönlichkeid zu einem Gegenstand, welcher naturgemäß und per Definition keine Ansprüche haben kann.

      • „Auch Rockern, Punkern und anderen Freaks stehen nicht alle Berufe offen“

        Denn wichtig ist, was einer an hat, und nicht, was er im Kopf hat.

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