Alle Artikel in: HOHE LUFT

Der Verkannte

Es ist so ungerecht: Heute gilt er als größter Philosoph seiner Nation – die an großen Denkern wahrlich nicht arm ist. Doch zu seinen Lebzeiten nahm kaum jemand ihn als Philosophen wahr. Tatsächlich war er es nur im Nebenjob, ausgebildet und lange Zeit angestellt war er als Naturwissenschaftler. Und auch darin war er nicht schlecht, so schlug er eine Neudefinition der Längeneinheit Meter vor, die ein Jahrhundert später tatsächlich gültig wurde. Doch seine wahre Leidenschaft galt der Philosophie, vor allem der Sprachphilosophie, und er ging sie ganz im Geist der Naturwissenschaft an. In seinen Augen bemisst sich der Wert philosophischer Theorien an ihren beobachtbaren Konsequenzen. Seine akademische Karriere stand unter keinem guten Stern. Er verlor seine Stelle als Hochschullehrer, als ein Kollege ihn beobachtete, als er mit einer Frau unterwegs war, mit der er nicht verheiratet war. Der Kollege denunzierte ihn. Er sollte niemals eine neue Universitätsstelle finden und starb schließlich in Armut. Wer war es?

HOHE LUFT nachbestellen

Es gibt gute Nachrichten für alle, die gern alte HOHE LUFT-Ausgaben nachbestellen möchten. Von der Ausgabe 2/2012, die lange vergriffen war, gibt es aufgrund der großen Nachfrage nun einen Nachdruck. Ab sofort können Sie das Heft in unserem Shop bestellen. Die Themen: Das Titelthema “Misstraut uns! – Vertrauen ist kostbar” stellt aktuelle Bezüge zur politischen Vertrauenskrise bis zur Finanzkrise her. Weitere Inhalte: „Die Hybris der Hirnforschung“, „Die Verblendung der Atheisten“ und “Wozu Privatsphäre” über eine neue Definition des Begriffs Privatsphäre im Netzzeitalter.

„Wer was gelten will, muss andere gelten lassen“

Der Applaus ist des Künstlers Brot. Auch wenn es sich nur schwer von Anerkennung allein lebt, enthält dieses Klischee doch einen wahren Kern, der für alle Menschen gilt: Anerkennung ist ein essentieller Teil des menschlichen Miteinander. Auf Respekt, Liebe und die Anerkennung für Leistungen möchte niemand gern verzichten. Doch Anerkennung hat noch eine tiefere Dimension: Durch sie bilden wir eine Identität aus. Erst, indem andere auf uns reagieren, werden wir uns unserer Selbst bewusst. Anerkennung kann so auch bedeuten, negative Reaktionen wie Hass oder Enttäuschung zu erfahren. Bei HOHE LUFT_live am 03.04.2013 in der modern life school in Hamburg diskutierten Thomas Vašek und Heidi Salaverría kontrovers über die verschiedenen Ebenen der Anerkennung. Dabei erörterten sie unter anderem, was es bedeutet, einen Kampf um Anerkennung zu führen, ob man auch auf sie verzichten kann, und ob man nicht auch von Kühlschränken wenigsten ein bisschen mehr Anerkennung erwarten könnte. Anhören können Sie sich die Veranstaltung hier. – Robin Droemer –

Vom Dandy zum Kirchenvater

Mit seinen „Bekenntnissen“ schrieb der heilige Augustinus nicht nur die erste Autobiografie der Literaturgeschichte, sondern offenbarte auch, dass er einst alles andere als ein Heiliger war. „ ,Gib mir Keuscheit und Enthaltsamkeit, aber bitte nicht sofort!ʻ Das ist das Grundthema der Bekenntnisse, das Augustinus immer wieder variiert: der Widerstreit zwischen Frömmigkeit und Lust, zwischen Geist und Körper, und wie bei ihm schließlich der Geist den Körper niederringt. An einer Stelle erzählt er, wie er als Junge mit Freunden von einem Birnbaum stahl – eine offensichtliche Anspielung auf das Buch Genesis. Die Pointe der Geschichte ist, dass der junge Augustinus gar nicht an den Birnen interessiert war, sondern am Stehlen. Er sündigte um der Sünde willen.“ (Tobias Hürter, „Vom Dandy zum Kirchenvater“, HOHE LUFT 3/2013) Die Geschichte dieses inneren Ringens können Sie hier nachlesen. (PDF)

Die Verantwortung für die eigene Visage

„Schönheitsoperationen sind ein Ausdruck von Freiheit“, behauptet der Philosoph Philipp Hübl im Deutschlandradio. Die HOHE LUFT-Autoren Thomas Vašek und Tobias Hürter widersprechen ihm. Sie fordern ein allgemeines Verbot von Schönheitsoperationen. Warum, können Sie in ihrem Artikel „Die Verantwortung für die eigene Visage“ lesen. (HOHE LUFT 3/2013, PDF).

Was kommt nach dem Tod?

In wenigen Tagen ist Ostern – das Fest, an dem die Christen die Auferstehung Jesu feiern. Sie glauben, dass er den Tod überwunden hat und dass auf sie ebenfalls ein Leben nach dem Tod wartet. Damit stehen sie nicht allein. Die Überzeugung, dass das Leben nach dem Tod weitergeht, ist uralt und in allen Kulturen verbreitet. Aber wie funktioniert das? „Kann ein Mensch seinen Tod überleben?“, fragen Tobias Hürter und Thomas Vašek in der aktuellen HOHEN LUFT (erhältlich seit 21.03.). Die Autoren kommen zu einem überraschenden Ergebnis, das hier nicht vorweg genommen werden soll. Die Frage lautet vielmehr: Gehen Menschen, die an ein Überwinden des Todes glauben, anders mit dem Leben und Sterben um, als Menschen, die nicht daran glauben? Was sind Ihre eigenen Erfahrungen? Welche Haltung haben Sie zum Tod und dem, was eventuell danach kommt? Wie prägt das Ihr Leben? – Katharina Burkhardt –

Wer erkennt den Philosophen?

Welcher Philosoph wird beschrieben? Erkennen Sie ihn? Viel Spaß beim Raten! Wenn Eminenzen wie Thomas von Aquin, Spinoza, Leibniz und Newton Kommentare zu den Schriften eines Philosophen verfassen, dann muss es ein ganz großer sein. Tatsächlich dürfte er in seiner Epoche der größte seiner Religion gewesen sein. Es war eine Epoche, in der man nicht zweifelte, sondern glaubte, und so ist es erstaunlich, dass sein Hauptwerk ein Ratgeber für religiöse Zögerer ist. Darin zeigt sich, dass er in seinen Gedankengängen seiner Zeit um Jahrhunderte voraus war: Er versuchte, den Glauben mit der Vernunft zu vereinbaren. So argumentierte er gegen das damals vorherrschende anthropomorphe Gottesbild. Wenn in der Heiligen Schrift die Rede davon sei, dass ein Prophet Gott gesehen hat, dann sei sehen mit dem Verstand gemeint, nicht sehen mit dem Auge. Doch er beschäftigte sich auch mit ganz praktischen Dingen, vor allem mit Medizin. Eine seiner Abhandlungen befasst sich mit Hämorrhoiden, eine andere mit dem Beischlaf. Er selbst brachte immerhin einen Sohn zustande, der wie sein Vater ein hervorragender Mediziner wurde. – Tobias Hürter

Die neue HOHE LUFT

Ab morgen ist die neue HOHE LUFT erhältlich, diesmal mit folgenden Themen: Können wir den Tod überleben? Zu allen Zeiten waren Menschen davon überzeugt, dass das Leben nicht mit dem Tod endet. Aber was genau geschieht mit einer Person, wenn sie stirbt? Und was hat die Moral mit dem Glauben an ein Leben nach dem Tod zu tun? Außerdem im Heft: Konrad Paul Liessmann über gefährliches Denken. Im Exklusivinterview spricht HOHE LUFT mit Martha Nussbaum über Menschenrechte und Toleranz gegenüber Minderheiten. Und der deutsche Philosoph Godehard Brüntrup betrachtet das schwierige Verhältnis zwischen Religion und Philosophie.

Ich knipse, also bin ich

Der Vergleich zweier Fotos zeigt es deutlich: In den acht Jahren seit der letzten Papstwahl hat sich die Welt technisch sehr verändert. Immer häufiger betrachten Menschen nicht nur besondere Ereignisse, sondern auch ihren Alltag durch das Display ihres Tablets, Handys oder der digitalen Kamera. Statt den Moment mit all ihren Sinnen zu erfassen, sind sie mehr mit ihrem technischen Gerät beschäftigt und verspüren den Drang, jede Sekunde digital festzuhalten. Die Filme und Fotos – und das ist wichtig! – werden später auf Youtube und Facebook veröffentlicht. So sieht alle Welt: Ich war dabei. Doch was hat man eigentlich davon? Wäre es nicht viel sinnvoller, zunächst das Ereignis zu genießen (von ein, zwei Erinnerungsfotos abgesehen) und sich später in Ruhe Filme und Fotos von Profis anzuschauen, als Ergänzung zum eigenen, unmittelbaren Erleben? So haben wir es früher gemacht. Aber das genügt nicht mehr. Fast scheint es so, als wäre man sich im digitalen Zeitalter seiner selbst nicht mehr sicher, wenn man nicht sein ganzes Leben in Bild und Ton festhalten würde. Das beinah zwanghafte Knipsen und …