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Die Verantwortung für die eigene Visage

„Schönheitsoperationen sind ein Ausdruck von Freiheit“, behauptet der Philosoph Philipp Hübl im Deutschlandradio. Die HOHE LUFT-Autoren Thomas Vašek und Tobias Hürter widersprechen ihm. Sie fordern ein allgemeines Verbot von Schönheitsoperationen. Warum, können Sie in ihrem Artikel „Die Verantwortung für die eigene Visage“ lesen. (HOHE LUFT 3/2013, PDF).

6 Kommentare

  1. Pingback: Schönheit und spziale Spielregeln « Stimme aus der Ferne

  2. Falk Royss sagt

    Ich hab ja lieber Sex mit schönen Menschen. Mit einer Straffung der Oberlider, einer Fettabsaugung und einem Zahnimplantat kann ich den auch sehr genießen.

  3. Misses Mayflower sagt

    Mit Verlaub, meine Herren, obliegt nicht der Großteil unseres menschlichen Daseins einer Täuschung? Wir „tunen“ und „pimpen“ was das Zeug hält, immer auf der Suche nach dem entscheidenden Schritt, dem wir unseren Kontrahenten vorauseilen im Spiel um Geld, Karrieren, Macht, Affären und Glück. Das teuer erstandene New-Season-Designer-Outfit, die Hypothek für das ultrahippe Eigenheim und das geleaste Cabrio vom größten deutschen Sportwagenhersteller – um hier nur einige wenige materielle Amüsements durchaus klischeehaft zu stilisieren – täuschen nicht minder über ein verzweifeltes „Nicht-Selbst-Sein-Wollen“ hinweg als letztlich eine Schönheitsoperation. Das Sujet der Täuschung ist ein anderes, doch das Ergebnis ist und bleibt was es ist – eine Inszenierung falscher Tatsachen. Berücksichtigen wir auch all die (unfairen) Mittel zur Leistungssteigerung, womit nicht zwangsläufig vom Doping zur Steigerung der sportlichen Leistung die Rede sein muss, sondern auch vielmehr die (Vor)täuschung einer psychischen Leistungsfähigkeit, wie wir es im Bereich des sog. Neuro-Enhancements finden, in einem nicht minder unlauteren Wettbewerb, der mit weitaus größeren Eingriffen, nämlich dem Eingriff in den menschlichen Hormonhaushalt und so mit nachhaltigen, zuweilen irreparablen Veränderungen einhergeht. Es ist eine Täuschung im Verborgenen, aber macht sie das soziale Spiel fairer als eine Schönheitsoperation? Ist die mögliche Beeinflussung von Kognition und Bewusstsein durch synthetische Täuschung nicht weit gefährlicher, da Einstellungen und Werte, all das, was das Menschsein schlussendlich deklariert, tiefgreifender verändert werden als es eine Schönheitsoperation überhaupt jemals zu leisten vermag? Um den Bogen gänzlich zu überspannen und es mit Blick auf die vermeintlich „Zweitplatzierten“ – gemessen am dichotomen Leistungskonstrukt unserer Gesellschaft – in einem hochaktuellen psychosozialen Kontext auf den Punkt zu bringen: Ein depressiver Mensch mit korrigierter Nase wird immer ein anderer Mensch sein als ein nicht depressiver mit eben derselben Korrektur. Schönheit, natürlich oder durch eine Operation erworben, liegt also bei weitem nicht (nur) im Auge des (getäuschten) Betrachters, sondern ist vielmehr das Produkt eigener Wahrnehmung und Erkenntnis, es ist ein Prozess des „Sich-Selbst-Bewusst-Seins“ und somit vielleicht näher am „Selbst-Sein-Wollen“ als zunächst erwartet.

  4. Mirai sagt

    Ich sehe das Problem an anderer Stelle. Wenn Schönheits-OPs zur Normalität werden, dann ist das Problem, dass diejenigen, die nicht dem angesagten Schönheitsideal entsprechen, selber Schuld sind an ihrem nicht idealen Äußeren. Früher konnte man ja noch sagen, dass die Person ja nichts dafür kann so oder so auszusehen. Mittlerweile kann man sagen, dass die Personen, die nicht dem Schönheitsideal entsprechen sich doch operieren lassen können. Es wird somit toleriert „hässliche“ Menschen zu diskriminieren, da diese ein eigenes Verschulden an ihrem Äußeren haben, indem sie sich nicht der allgemein üblichen Schönheits-OP unterziehen. Außerdem sind Operationen immer mit gewissen Risiken verbunden, die anscheinend häufig übersehen werden. Also diejenigen, die keine Narkose vertragen, bei denen in der OP etwas schief läuft, die auf dem OP-Tisch versterben, die werden ausgeschlossen aus diesem Spiel. Und wenn sich in Zukunft wirklich jeder das Aussehen durch Operationen modellieren lässt, dann gewinnt derjenige in diesem Spiel, der den besseren Arzt hat, sprich wieder mal diejenigen, die mehr Geld haben.

  5. Torsten Kliem sagt

    Schöheits-OP hin, Schönheits-OP her. Ist es nicht der Irrglaube, dass sich unser Leben erst dann verbessern würde, wenn wir uns einer Schönheits-OP unterzogen hätten? Tun wir nicht alles mögliche in dem Glauben unser Leben würde künftig besser, angenehmer, erfolgreicher, lebenswerter, … werden? Wir unterziehen uns aus diesem Grund nicht nur Schönheits-OPs. Wir kaufen uns teuere Autos, bauen uns eigene Häuser, kaufen uns teuren Schmuck und selbst der Kaffee morgens nach dem Aufstehen soll den Tag lebenswerter machen. Wir streben mehr oder weniger zwanghaft danach, die gegenwärtigen Situation verbessern zu wollen. Solang wir nicht erkennen, dass es gerade dieses Streben ist, dass uns daran hindert ein angenehmes, lebenswertes Leben zu führen, solange bleiben wir Knechte unserer eigenen Bestrebungen und genau so lange kann uns keine Schönheits-OP, kein Auto, kein Haus, kein Schmuck und kein Kaffee zu einem angenehmeren und lebenswerteren Leben verhelfen.

  6. kptn blizz sagt

    Es ist mal wieder ein lupenreiner philosophischer Nonsense, wegen der Gefahr eines Schönheitszwangs vor dem Hintergrund eines Schönheitsideals, dafür zu plädieren, dass Schönheitsoperationen verboten werden sollen. Dann verbieten wir doch gleich noch Mode, Makeup, Haarewaschen, … oder wie wär’s mit „schön Tanzen verboten“? Hatten wir in ähnlicher Form auch schon in diesem Land. Ätzend! Es würde den Verfassern solcher Thesen mal gut tun, die Nase in die echte hohe Luft zu stecken. Das könnte den Horizont erweitern, um die Komplexität der Schönheitsideale dieser Welt oder allein schon in diesem Land zu erkennen. Natürlich gibt es immer Moden und Strömungen aber die verändern sich ständig, wie wir uns alle ständig verändern. Leben heißt Wandel. Es gibt n i c h t das eine Schönheitsideal, dem alle hinterher eifern, ist das so schwer zu erkennen? Die Diskussion ist schon deshalb völlig daneben, ganz zu schweigen vom Plädoyer für ein Verbot. Das halte ich für, gelinde gesagt, grob fahrlässig.

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