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HOHE LUFTpost – Doping und Sportkultur

HOHE LUFTpost vom 10.07.2015: Doping und Sportkultur

Die Tour de France rollt wieder durch Frankreich, wie immer begleitet von der Frage: Sind die denn jetzt sauber? Immerhin scheint die Zahl der erwischten Doper zurückzugehen. Aber wenn man den Experten glauben kann, dann wird munter weitergedopt, nur eben etwas geschickter, knapp unter der Nachweisgrenze.

Wie kann man diesen Missstand aufräumen? Gar nicht, sagt der australische Philosoph Julian Savulescu. Er plädiert dafür, Doping freizugeben. Sein Hauptargument ist, dass es keine schlüssige Definition von Doping gebe. Es gebe harmlose Mittel, die verboten sind, und schädliche, die erlaubt sind. Das Antidoping-System sei großteils Willkür.

Ich sehe das anders. Es gibt faire Leistungssteigerung und unfaire. Die Rennfahrer müssen unter vergleichbaren Voraussetzungen starten. Wer sich einen pharmazeutischen Vorteil zu erschleichen versucht, muss bestraft werden. Ich sehe allerdings auch, dass die Verlockung zum Doping so gewaltig ist, dass die Fahrer nicht ohne weiteres davon abzubringen sind.

»Im Radsport ist kein Platz für Ethik«, zitiert Savulescu die Fahrer. Dann brauchen wir einen Radsport, in dem Platz für Ethik ist. In dem nicht einzig und allein der Sieg zählt, sondern auch die sportliche Haltung, die Persönlichkeit, die spannende Geschichte. In dem auch die Underdogs in den Medien vorkommen, und auch die Rookies eine Chance auf gute Sponsorenverträge haben. Wir brauchen eine bessere, menschliche Sportkultur. Dann, so glaube ich, löst sich auch das Dopingproblem.

– Tobias Hürter

1 Kommentare

  1. H. Urban sagt

    »Im Radsport ist kein Platz für Ethik«, zitiert Savulescu die Fahrer.

    Hierzu meine Frage: wo hat Ethik überhaupt noch Platz und warum erwartet man es gerade im öffentlichen Sport, dem Wettkampf?

    Führt man eine Analyse des Main-Wassers bei Frankfurt durch, kann man erschreckende Konzentrationen z.B. an Kokain-Metabolismen vorfinden. Dadurch ist es möglich, auf den Konsum in der Stadt hochzurechnen. Die ganze Welt ist gedopt, die Arbeitswelt, die Schüler- und Studentenwelt. Es gibt fast keinen Geldschein mehr, der nicht Spuren von Kokain aufweist.

    Es fällt schwer zu hoffen, dass es einen menschlicheren, fairen Sport geben wird. Dazu müsste es erst einmal der Rest der Welt vormachen.

    Die Welt will ja auch betrogen werden – anders wäre die Karriere eines Lance Armstrong niemals möglich geworden. Lese-Tipp: Der Futurologische Kongress von Stanislav Lem.

    Trotzdem. Schön wäre es, das mit dem Menschlichen und der Fairness. Und es gibt gute Beispiele und Vorbilder, die bekommen allerdings nichts ab vom teuflischsten aller Doping-Mittel – dem Geld (siehe Kokain-Strom aus dem Frankfurter Banker-Viertel). Ruhm ohne Geld ist in unserer Gesellschaft bedeutungslos geworden.

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