Alle Artikel mit dem Schlagwort: Weisheit

Alle mal die Klappe halten? Ausgabe 5/19 ist da

Wir sind heute Zeugen einer ungeheuren Dynamik. In den sozialen Medien geschieht zurzeit etwas, das wir noch nicht ansatzweise verstehen, für das wir noch keine adäquaten Begriffe haben – das aber dramatische Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft hat. In unserem Titelessay reflektieren wir den Wandel der öffentlichen Sphäre und machen einen Vorschlag für einen neuen Öffentlichkeitsbegriff. Begriffe neu und ganz anders denken – das ist auch die Mission des französischen Philosophen und Sinologen François Jullien. Im Interview mit Maja Beckers erläutert er, warum er das Konzept kultureller Identität ablehnt, und wettert gegen die Auswüchse der Populärphilosophie. Dass sich Philosophie und Sinnlichkeit nicht ausschließen, davon können Sie sich überzeugen bei der Lektüre des Textes über die Rolle von Farben für unser Leben oder der phänomenologischen Beschreibung einer Schwangerschaft unserer Redakteurin Greta Lührs. Einen außergewöhnlichen Zugang zum Thema Schrift und Begehren wählte unsere Autorin Lena Frings – nämlich eine Kurzgeschichte. Weitere Themen: Weisheit, die funktioniert. Wird das Leben zum Spiel? Averroës – der islamische Aufklärer. Kunst oder Lüge? A Propos Kunst: Besonders hinweisen möchten wir Sie auf …

Serie: Die Weisheit der Gefühle / Teil 2 / Neid und Scham

Gift, Galle, Gram Von Maja Beckers und Greta Lührs Niemand ist gern neidisch, niemandem gefällt es, vor Scham zu erröten. Und doch haben diese Gefühle essenzielle Funktionen: Sie dienen als Wegweiser durch die soziale Welt und als Anzeiger dessen, was uns wichtig ist. Wen beneiden Sie? Geschwister, Freunde, Kollegen oder gar eine Berühmtheit? Eine ziemlich indiskrete Frage, denken Sie vielleicht. Warum sollten Sie jemanden beneiden und es dann auch noch erzählen? Neidisch zu sein ist nichts, was man gern zugibt. Ertappt man sich dennoch dabei, überkommt einen häufig ein weiteres unangenehmes Gefühl: die Scham. Wir schämen uns dafür, anderen ihr Glück nicht zu gönnen. Neid und Scham sind soziale Gefühle mit schlechtem Ruf. Beide scheinen denjenigen, der sie empfindet, klein zu machen. Wer sich schämt, fühlt sich fehlerhaft, schuldig, entblößt. Wer neidisch ist, gibt zu, mit sich unzufrieden zu sein. Dennoch steckt in diesen verwandten und doch sehr verschiedenen Emotionen etwas Produktives: Sie sind Indikatoren, die uns auf Spielregeln, Werte und Strukturen der sozialen Welt aufmerksam machen. Neid gilt als ziemlich übles Laster. Frei von …

HOHE LUFTpost – Künstliche Intelligenz – und Weisheit

HOHE LUFTpost vom 23.10.15: Künstliche Intelligenz – und Weisheit Kinder übertreffen irgendwann ihre Eltern, und Computer ihre Erbauer – und dieser Moment scheint nah zu sein. In einem Ausmaß, das noch vor ein paar Jahren unvorstellbar war, übertrifft künstliche Intelligenz die menschliche. Längst nicht nur beim Schachspielen und Autofahren: Jetzt haben MIT-Forscher eine »Data Science Machine« entwickelt, die versteckte Muster in großen Datenmengen findet, besser als die besten menschlichen Spezialisten. Und wann kommt die künstliche Philosophie? Das dürfte noch eine Weile dauern. Schon Aristoteles stellte klar, dass Philosophie die Liebe zu sophia (Weisheit) ist, nicht zu episteme (Know-what) oder techne (Know-how). Weisheit ist mehr als Wissen. Man könnte sie in erster Näherung als »Wissen, um gut zu leben« charakterisieren. Sie umfasst deklaratives, performatives und ethisches Wissen. Philosophie schwebt also nicht über dem Wissen, das Wissenschaft, Technik und künstliche Intelligenz liefern, aber sie verbindet es mit geistigen Dimensionen, die darüber hinausgehen. Was macht einen weisen Menschen aus? Nicht so einfach zu sagen. Neben Wissen auch Erfahrung, ethische Intuition und »der große Blick«. Philosophische Computer? Unvorstellbar. Aus heutiger Sicht. – …