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HOHE LUFTPOST – Ein neuer Einstein?

HOHELUFTpost vom 11.09.2015:

Vor hundert Jahren geschah eine der größten wissenschaftlichen Revolutionen der Geschichte: Albert Einstein veröffentlichte seine allgemeine Relativitätstheorie und eröffnete uns damit die Erkenntnis, dass die allgegenwärtige Schwerkraft gar keine Kraft im üblichen Sinn ist, sondern ein Nebenprodukt des gekrümmten Raums.

Einstein war der letzte Wissenschaftler, der solch einen gewaltigen Erkenntnisschritt im Alleingang vollbrachte. Wann kommt endlich ein neuer Einstein? Ich vermute: wohl gar nicht mehr. Solche wissenschaftlichen Einzelleistungen sind nicht mehr möglich. An Talenten würde es nicht Mangeln. Der amerikanische Theoretiker Edward Witten beispielsweise hat wohl nicht weniger mathematische Begabung als Albert Einstein – und er tüftelt seit Jahrzehnten an einer noch allgemeingültigeren Theorie. Aber nicht allein, sondern in Zusammenarbeit mit vielen anderen Forschern. Diese Unternehmung ist zu komplex für ein einzelnes Gehirn.

Es gibt aber noch einen anderen Grund. In unserer Gesellschaft haben Wissenschaftler nicht mehr den Status, den sie zu Einsteins Zeiten hatten. Einstein war nicht nur ein grandioser Physiker, sondern auch ein eine gewichtige politische Stimme, eine moralische Autorität – und ein Popstar. Ob zu Recht oder nicht, so wichtig nehmen wir heute die Stimmen von Wissenschaftlern nicht mehr. Wenn kein neuer Einstein kommt, liegt es auch an uns.

– Tobias Hürter

2 Kommentare

  1. H.Urban sagt

    Ohne die meist zeitnahen (Vor-) Arbeiten von Lorentz, Minkowski, Riemann, Grossmann und Mach hätte es keine allgemeine Relativitätstheorie gegeben. Das ist keinesfalls eine Schmälerung, aber es relativiert das Wort „Alleingang“.

    Und wie jeder uneitle und geniale Naturwissenschaftler war sich auch Einstein darüber bewusst, dass er „auf den Schultern von Giganten“ stand (ein Zitat, welches Newton zugeschrieben wird).

  2. Idahoe sagt

    Nein,
    es ist eine Frage des Glaubens. Es geht auch weniger um Personen. Die zur Lösung von allem erklärte Mathematik ist selbst das Problem, denn es ist nur eine formalisierte und idealisierte Bezugssprache, die die Wirklichkeit nicht beschreiben kann.
    Das statistische Universum geht an seinem mathematischen Urknall unter, genau wie jede Theorie, die Wissen über Unveränderliches vorgaukelt. Wittgenstein weitergedacht:
    Sprache ist eben nur der Informationsträger, aber nicht die Information selbst. Über unveränderliche Informationen gibt es logisch kein Wissen, auch wenn dies sprachlich unterstellt wird.

    Die einzige allgemeingültige Aussage ist die, daß die Wirklichkeit sich stetig verändert.
    Einstein weitergedacht bedeutet, im stetig veränderlichen Raum(Zeit) die Quelle zu sehen.
    In Anlehnung an Paul Watzlawick, kann nichts Nicht-Raum sein.

    Aber mal ehrlich, wen interessiert in der heutigen mathematischen „Zeit“ das Denken? Das ist doch idealerweise Dasselbe? Oder etwa nicht?
    Abweichende Sichtweisen?
    Nö, denn der würde im Mainstream des Rechts des Stärkeren verhungern…

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