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Kommentare 8

Überwachet!
Ein philosophisches Argument für mehr Überwachung.

Nachdem Edward Snowden die Überwachungsprogramme Prism und Tempora der National Security Agency und des GCHQ publik machte, stellte sich heraus, dass die Geheimdienste offenbar völlig undifferenziert einen großen Teil der Internetkommunikation durchschnüffeln. Die Forderung, die daraufhin meist erhoben wird, lautet: weniger Überwachung! Die HOHE LUFT-Autoren Tobias Hürter und Thomas Vašek hingegen fordern: mehr Überwachung! Im Leitartikel der neuen HOHEN LUFT, die offiziell am 25.07. erscheint, erklären sie, warum. Wir stellen den Artikel bereits heute für Sie zum Lesen und Diskutieren zur Verfügung (PDF).

8 Kommentare

  1. Der Artikel und seine Argumentation wird durch das Beispiel am Ende völlig ruiniert. Wir brauchen die totale Überwachung also, damit man seine Unschuld beweisen kann? Hallo?! Zu heiß gebadet? Unschuldsvermutung, schon mal gehört, oder? Letztendlich stehen prism, tempora etc. doch für nichts anderes als Unfähigkeit und Ressourcenverschwendung. So ungefähr wie wenn bei einem Banküberfall die ganze Stadt verhaftet wird.

  2. Ich kann dem Vorkommentator nur zustimmen. Die Unschuldsvermutung ist in Gefahr. Überwachung ist in Ordnung aber nur bei einem Anfangsverdacht! Das sind rechtsstaatliche Grundprinzipien die „wir“ aufgegeben haben. (Ich bin anscheinend einer der wenigen die noch für einen echten Rechtsstaat kämpfen, so habe ich den Eindruck).

    Darüber hinaus ist das reine Wirtschaftsspionage. Als ob es bei diesen Überwachungsprogrammen ausschließlich um Aufklärung von Verbrechen ginge! Wenn ich weiß wo eine Fabrik wieviele Materialien einkauft und mit wem Geschäfte schließt, bringt das dem Überwacher einen wirtschaftlichen Vorteil. Dieser Aspekt der Wirtschaftsspionage wird überhaupt nicht in den Medien thematisiert.

    Das Pädophilenbeispiel ist nicht haltbar. Wer entscheidet denn was gut und was böse ist? Es ist schließlich nicht immer so leicht wie bei Pädophilie einen gemeinsamen Nenner zu finden. Am Ende ist es der Softwareentwickler der darüber entscheidet, wie er seinen Algorithmus implementiert.
    Was ist mit Taschentuch auf die Straße werfen? Eine Ordnungswidrigkeit die mit intelligenten Kameras hätte aufgeklärt werden können! Wo ist die Rechtfertigung für so etwas? Geplant sind Überwachungssysteme immer für Terroristen und Pädophile. Wenn man sich dann anschaut wofür die Datenabfragen der Polizei wirklich verwendet wird, kann man nur den Kopf schütteln.

    Wer überwacht die Überwacher? Etwa andere Überwacher? Wer überwacht diese? Einzig und alleine transparente Algorithmen könnten die Situation etwas entspannen. Aber sind die Suchkriterien erst einmal öffentlich ist es ein leichtes diese zu umgehen. Ohnehin ist es für echte Straftäter mit ein wenig Expertise möglich dem ganzen Überwachungskram auszuweichen. Die Totalüberwachung funktioniert noch nicht mal richtig.

    Das schlimmste zum Schluss: Oftmals werden Verfahren eingestellt, weil Polizisten Beweise fälschen. Wenn die NSA schon in der Lage ist die Daten zu lesen, dann ist es naiv zu glauben, dass sie diese Daten nicht auch manipulieren können. Schwuppsdiwupps habe ich eine Drohmail in meinem Postausgangsordner liegen die „beweist“ dass ich ein Terrorist bin. In Wirklichkeit bin ich aber nur in der Opposition.

    Schöne neue Welt.

  3. Uwe Roos sagt

    Ein Leitartikel als Aufmacher für ein Periodikum sollte mehr Substanz enthalten. Hier aber werden in aller Kürze Allgemeinplätze abgehandelt, die allen, die sich ein wenig mit der Materie befassen, keine neuen Anregungen bietet. Überwacht die Überwacher ist eine leere Floskel, die reißerisch wirkt und das generelle Problem ad absurdum führt. Das Beispiel der Verhaltensweisen bei Päderasten im Wissen der Beobachtung ist sehr gewagt. Schon klar, das dieses Beispiel einen Bogen schlagen soll, der dem Artikel eine Plastizität verleiht. Lasst uns nicht Birnen und Äpfeln vergleichen, das führt nur zu einem unbefriedigenden Minimalkonsens. Der Themenbereich Spionage, Bespitzlung, Sicherheit und versteckte Ängste bietet enorme Möglichkeiten, gerade für ein Philosophiemagazin. Mehr Raum, mehr Sichtweisen und grundlegende Fragestellungen können durchaus ein Sonderheft ergiebig und mit Gewinn füllen.

  4. Franke Ingrid sagt

    Huch – wo bin ich hier gelandet?
    Eigentlich wollte ich mich als Autorin beim Schreibwettbewerb anmelden, doch irgendwas in mir
    zwang mich den Artikel zu lesen. Ich hätte es bleiben lassen sollen.
    Warum kommt nicht der Vorschlag, dass das Volk (schon ab Geburt) einfach mit einem Chip versehen wird?
    Vorteil – wir brauchen keine teuren Handys mehr und sind stets auffindbar. Ein Knopfdruck genügt und schon findet man uns. Über das Net erfährt man den Rest über die Person.
    Entschuldigt liebe Enkelkinder – als ich Eure Mütter und Vater geboren habe – da war die Welt noch halbwegs normal. Und die Überwachung und Bespitzelung – Gott sei Dank – gerade vorbei.
    Naja, im Moment bewegen wir uns auf einer Retro-Schiene, bis jetzt in Sachen Mode und Einrichtung. Bis jetzt!

  5. Kennt ihr doch bestimmt sagt

    Also ich finde eure Zeitschrift durchaus unterhaltsam. Aber dieser Artikel ist schon sehr kontrovers. Ich würde ja fast soweit gehen, dass das Thema bzw. die dargebrachte These in einer, vielleicht abgewandelten, Form in der Bild-Zeitung erscheinen könnte. Das wäre doch schade, oder findet ihr nicht? Obwohl mich die anderen Themen der Ausgabe reizen, halten mich diese Ausführungen Ihrer Autoren im Moment davon ab die neue Ausgabe zu kaufen.

    Zitat: „Sie wollen nur mehr Kontrolle, wenn’s eigentlich um Vertrauen geht“

  6. Philip Meier sagt

    Das wichtigste Argument in der Überwachungs-Debatte fehlt: Überwachung ändert den Überwachten. Allein aus diesem Grund schon ist jede Überwachung strikt abzulehnen. Jedenfalls solange eine freiheitliche Gesellschaft propagiert wird.

    Ein weiteres Argument gegen Überwachung ist der fehlende Beweis, dass sie irgendetwas nützt. Noch bei jedem Geschrei von Polizei und Geheimdiensten, man bräuchte mehr Kompetenzen, stellte sich heraus, dass die verfügbaren Mittel ausgereicht hätten.

    Überwachung sichert auch keine Freiheit, wie gern behauptet wird, sondern schränkt sie ein. Unter bestimmten Umständen kann sie eine gewisse Sicherheit schaffen. Mehr nicht. Und was nützt eine Kamera, mit deren Hilfe der Mörder gefunden wird, dem Opfer? Diese „nachträgliche Sicherheit“ ist nichts wert. In der Debatte über Freiheit wird auch gerne vergessen, dass Freiheit nicht nur positive Freiheit bedeutet, sondern auch Scheitern, Firmenpleiten und Unfälle beinhaltet.

    Selbstverständlich müssen die Geheimdienste demokratisch legitimiert und kontrolliert werden. Selbstverständlich muss die Unschuldsvermutung unantastbar bleiben. Und genauso selbstverständlich muss ein Recht auf Anonymität im öffentlichen Raum gelten!

  7. Timm sagt

    Was viel Leute anscheinend vergessen haben, ist, dass Recht und Moral nicht das selbe sind. Nur weil jemand nach den Gesetzen handelt, bedeutet nicht, dass er auch moralisch richtig handelt. Und wer moralisch handelt, handelt nicht immer nach dem Gesetz. Ich denke mal einige erinnern sich noch an den Fall, als der Vizepolizeichef Wolfgang Daschner aus Frankfurt einem Kindesentführer Schläge angedroht hat, sollte dieser nicht den Aufenthaltsort des Kindes verraten. Er wusste nicht, dass das Kind bereits tot war und wollte sein Leben retten. Er drohte dem Kindesentführer Schläge an, um das Leben eines Kindes zu retten. Moralisch vertretbar, aber eine Straftat. Somit ist er ein Held, aber gleichzeitig auch ein Verbrecher. Die höchste Stufe der Moral: Nach seiner Moral handeln und dennoch die Strafe akzeptieren. Das tat dieser Polizist und das sollte auch Snowden tun.
    Denn Russland hat Snowden bestimmt nicht aufgenommen, weil er moralisch richtig handelte, sondern nur, weil es sie nicht selbst getroffen hat. Frei nach dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.
    Wenn Snowden Russlands geheime Daten veröffentlicht hätte, wären sie bestimmt nicht auf seiner Seite.

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