Hatten wir das nicht schon?

Es gibt Dinge, die sind offen, spannend, ungewiss und es gibt andere, die sind solide, klar, kaum noch der Rede wert. Oder eben auch nicht.

Im Herbst benutzte Konrad Paul Liessmann auf dem Philosophicum in Lech die Metapher der Gespenster, um den erstarkenden Populismus zu beschreiben. Ich habe mittlerweile den Eindruck, von Untoten umzingelt zu sein.

Jede Generation wächst mit bestimmten Grundannahmen auf. Bei meiner, der viel beschworenen Generation Y, gehört ganz bestimmt dazu, dass sowas wie zu Zeiten des Nationalsozialismus nicht mehr passieren wird – nicht mehr passieren kann.

Wenn meine Großeltern vom Krieg erzählen, schwingt dort immer ein beruhigendes Heute sieht die Welt ja zum Glück ganz anders aus mit. In einer offenen Gesellschaft zu leben, das ist für meine Generation die größte Normalität.

Nicht, dass wir uns im Krieg befänden. Aber es kommen gerade überall Sachen auf den Verhandlungstisch, die für meine Generation als absolute Selbstverständlichkeiten und längst als abgehakt galten.

Nicht nur, dass Donald Trump einfach so ein Einreiseverbot für Menschen aus bestimmten Ländern und somit den Pauschalverdacht gegenüber einer kompletten Bevölkerungsgruppe ausspricht.

Abtreibungsgesetze werden verschärft, der Nationalstaat soll es wieder richten, nach starken Führungspersonen wird geschrien, konservative Ideale sollen einem wieder sagen, wie man zu leben hat, man darf offen rassistisch, sexistisch und menschenverachtend sein. Der nächste Schritt im Backlash– vielleicht ist die Demokratie ja doch nicht so toll, wie alle sagen, wie wäre es mit mehr Autokratie? – scheint schon vorbereitet zu werden.

Philosophie soll hinterfragen. Auch das, was in Stein gemeißelt zu sein scheint. Vielleicht brauchen wir diese Erschütterung dessen, was wir schon abgehakt hatten, um uns jetzt wieder daran zu erinnern, weshalb wir darüber eigentlich nie wieder verhandeln wollten. Und um einige Zombies wieder in ihr Grab zu schicken, wo sie hingehören.

– Greta Lührs