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Das Diogenes-Projekt

Was macht glücklicher? Überfluss oder Verzicht? Der Detmolder Literaturwissenschaftler und Philosoph Sven Stemmer will sechs Monate in einem Bauwagen leben, der auf dem Campus der Hochschule Ostwestfalen-Lippe steht. „Es geht um die Frage, wie viel man zum Leben braucht“, erklärt Stemmer sein Experiment. In seinem Blog kann man mit ihm über seine Erfahrungen diskutieren und zur Einstimmung u. a. den Vortrag von Erich Fromm „Überfluss und Überdruss“ aus dem Jahr 1970 anhören.

Nun kann man sich fragen, ob es in einer derartigen Laborsituation überhaupt möglich ist, sich auf die Suche nach einem zufriedenen Leben zu begeben. Doch als Anregung, den eigenen Lebensstil zu überdenken, taugt das Experiment allemal. Brauchen wir wirklich immer das neueste Smartphone? Müssen wir unbedingt zehn Jeanshosen im Schrank haben? Geht es uns nur gut, wenn auf dem Frühstückstisch fünf verschiedene Sorten Marmelade stehen? Wie wenig ist genug? Wie viel ist wirklich nötig? Und wovon hängt unsere eigene Zufriedenheit ab? Was brauchen wir, damit unser Leben erfüllt ist? Fragen, denen man auch ohne Bauwagen jederzeit im eigenen Alltag nachgehen kann.

– Katharina Burkhardt –

 

7 Kommentare

  1. blurberry sagt

    aber wer nimmt sich denn tatsächlich die zeit, im eigenen alltag darüber nachzudenken? muss man nicht erstmal alles auf null setzten und nur nach und nach die sachen dazu holen, die man braucht? weil man feststellt, dass die einem fehlen? wie soll sowas im alltag möglich sein?

  2. Witt sagt

    Hallo Blueberry,
    vor einigen Jahren hatte ich plötzlich weniger Geld, als gewohnt, zur Verfügung (Weihnachts- und Urlaubsgeld fielen weg). Zuerst war ich sauer auf die Umstände, die mich zur Einschränkung zwangen. Dann habe ich nachgedacht (auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, beim Geschirrspülen, beim Kochen, beim Aufräumen…) und da wurde mir klar, dass es die Rückwärtsbewegung von wenig zu viel Geld ist, die ich da habe. Als ich mehr Geld bekam, war ich auch nicht sauer, weil meine Lebensumstände sich dadurch veränderten. Was tat ich damals? Ich überlegte, was ich mir von dem zusätzlichen Geld leisten wollte. Und was hiess das also für die neue Situation? Was brauche ich, um zu leben: Wohnung, Kleidung, Essen, Kultur. So habe ich mir meinen Kontoauszug angesehen und wußte, wieviel Geld ich nach Abzug der Miete noch zur Verfügung hatte. Als nächstes habe ich meinen Kleiderschrank unter die Lupe genommen und festgestellt, dass dort Überfluss herrschte. Dann habe ich mit einem Kassenbuch herausgefunden, wofür ich so Geld ausgebe und was davon wirklich wichtig für mich ist. Übrigends eine interessante Erfahrung, um herauszufinden, wie man tickt!! Danach habe ich mir alle Zahlungen angesehen, die nur 1-4x jährlich anliegen und so manche Versicherung und ähnliches gekündigt. Am Ende dieser Aktion hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, reich zu sein und meine Sachen bewußt zu nutzen. Die Dinge, von denen ich mich physisch getrennt habe, habe ich weitergegeben (z.B. Kleidung ins Frauenhaus). Ich kann also nur raten, dass auch einmal zu tun, um diese Erfahrung zu machen!! Herzliche Grüße, Renate

  3. Chris sagt

    Hallo Renate,

    habe eine ähnliche Erfahrung gemacht. Nach 30 Jahren auf 180 qm, 2500qm Grundstücke bin ich auf 42 qm Mietwohnung gezogen. Gut, Anfangs mit 6 Personen, dann alleine. Es hat die Zeit der Abnabelung gebraucht, doch als feststand: Das Haus ist verkauft, da habe ich begonnen, mich von allem Überfluss zu trennen, das meiste verschenkt, weitergegeben.
    Nach dem gestrigen WDR 5 Philo-Abend überlege ich, ob es nicht noch mehr gibt, was unnötig ist.
    Natürlich ist es toll, endlich mal Reisen zu unternehmen, die früher nicht möglich waren, was ich auch z. Zt. auskoste, meistens mit dem Rucksack. Dort ist dann für 2 Wochen das nötigste drin. Es geht alles und glücklich bin ich dabei immer.
    Ich kann nur jeden ermutigen, sich von dem ganzen materiellen Zeug zu trennen. Wein kann man auch aus ganz normalen Trinkgläsern genießen, ist in Frankreich und Italien normal.
    Nur Mut.
    Leibe Grüße
    Christine

  4. U.Fruth sagt

    Habe von dem Projekt heute in unserer lokalen Presse erfahren , Herr Stemmer , und begrüße das sehr , was Sie da als Experiment , zeitlich begrenzt , machen .
    Sehne mich schon fast mein ganzes Leben nach Einfachheit ! Denn meiner Erfahrung nach macht das frei ! Besonders in der hektischen Vorweihnachtszeit bekommt man den materiellen Supergau und Wahnsinn zu spüren . Weniger ist mehr und einfaches Leben befreit zu mehr Kreativität und Raum zum Denken ! Vlt. brauchen , wollen das nicht alle . Ich habe durchaus die Erfahrung gemacht , daß mir meine scheinbare Bedürfnislosigkeit vorgehalten wurde .
    Man kommt mehr zu sich , dem Eigentlichen , Wesentlichen , wenn man nicht soviel Ballast mit sich herumschleppt . Meine Sehnsucht zielt zeitlebens zu einem einfachen Leben . Denn mehr Raum zum Denken eröffnet neue Räume des Denkens und Lebens . Nicht umsonst haben Sinnsucher , Mönche etc. karge Zellen . Wobei man , wenn der materielle Ballast hinter sich gelasssen wird , Hauptkennzeichen unserer materiellen Welt , der Konfrontation mit der inneren Welt begegnet . Das ist zwangsläufig auch nicht einfach . Denn die Auseinandersetzung mit sich selbst folgt unweigerlich beim Blick nach innen .
    Bin `mal gespannt , wie es weitergeht , nach Beendigung des Projektes ?!?

    Liebe Grüße ,
    U.Fruth .

  5. FH Student sagt

    Zu Anfang: Ich finde die Idee bewundernswert!
    Nicht bewundernswert dagegen ist die Inszenierung an dem ganzen. Herr Stemmer stellt es so dar, als ob er für 6 Monate in dem umgebauten Bauwagen wohhnt, in der FH duscht, und sich in der Zwischenzeit auf das Wesentliche besinnt. In der Praxis ist das Projekt vielmehr ein Running-Gag auf dem ganzen Campus, da insgeheim alle wissen Herr Stemmer wohnt nicht dort, lebt nicht dort und ist nur zu Interviewterminen dort anzutreffen. Auch die nach mehreren Wochen endlich reparierte Scheibe des Wagens lässt vermuten, dass Herr Stemmer entweder so genügsam ist dass er mit 10 Grad Außentemperatur auskommt, oder das er doch lieber zu Hause wohnt, wie alle die, deren Konsum und grenzenlose Verschwendung er anprangert. Carsharing ist etwas Tolles, solange ich mein Auto behalten kann, nicht wahr Herr Stemmer?

    Als Student bin ich maßlos enttäuscht wie Gelder für Forschung und Lehre genutzt werden und wie die Medien und Öffentlichkeit getäuscht werden.

    • Andreas sagt

      Sehe ich genauso wie die Vorschreiber – für eine begrenzte Zeit mal ein paar Nächte im Bauwagen mitten in der Zivilisation zu pennen… das ist einfach nur albern und reine Selbstdarstellung.
      Aber gut – wie mein alter Prof schon meinte, es kommt halt nicht drauf an, was man kann, sondern nur, wie man sich verkauft – das kann er ja vielleicht… der Herr Stemmer.

  6. spartanisch? sagt

    also spartanisch ist ein bauwagen nicht, ein wdr beitrag ebenfalls, ein blog noch wenieger und erstrecht ein heizstrahler! hört sich für mich eher nach einem selbstdarstellungs projekt an.
    und ebenfalls die frage erscheint mir verkürzt „wie viel man zum leben braucht“ die beinhaltet nur materialistische werte und kategorien
    außerdem wie K. Burkhardt gut festgestellt hatt braucht mensch um sich grundlegende fragen zu stellen keinen bauwaagen

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