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Mehr als guter Wille – Anleitung zum Helfen

Es liegt etwas in der Luft…

… es ist die Hilfsbereitschaft der deutschen Bevölkerung angesichts des Krieges. Bisher: beeindruckend. Viele spenden Geld, viele engagieren sich ehrenamtlich bei lokalen Hilfsorganisationen. Andere gehen ohne zu zögern zum Bahnhof und laden ankommende ukrainische Familien zu sich nach Hause ein, geben ihnen ein provisorisches Obdach, integrieren sie liebevoll-pragmatisch in ihren Alltag. Wieder andere wollen helfen – denken aber viel zu viel über die Art des „richtigen” Helfens nach. Wer zu sehr an Theorien und Hypothesen klebt, kann nicht praktisch werden. Jedenfalls nicht so schnell, wie jetzt erforderlich! Allen, die sich von diversen Bedenken wie gelähmt fühlen, möchten wir hier etwas Orientierung geben. „Es ist überall nichts in der Welt, ja auch außerhalb derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut gehalten werden (sic), als allein ein guter Wille”, schrieb Immanuel Kant über das unbedingt Gute. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es”, meinte dagegen Erich Kästner. Für Kant zählt allein die gute Absicht, für Kästner allein die gute Konsequenz. Angesichts der vielen Menschen, die jetzt unsere Unterstützung brauchen, scheint Kästner Kant vorzuziehen sein. ABER: Wer meint, „gut” zu handeln, dies aber nicht aus einem ethisch guten – sondern einem egoistischen oder gar bösen – Willen heraus tut, tut nichts wirklich Gutes. Er oder sie beraubt nicht nur andere des guten, schönen und sinnvollen Lebens (eudaimonia), sondern auch sich selbst. Dies vorausgeschickt, steht Ihren altruistischen Aktivitäten nichts mehr im Wege: 

Schritt 1 Informieren Sie sich über die diversen Möglichkeiten zu helfen – via Nachrichten, Soziale Medien, Freund:innen, Bekannte, Kolleg:innen.

Schritt 2 Vertrauen Sie auf Ihre ethische Intuition – jenen Ort in Ihrer Seele, wo der gute Wille am lebendigsten ist – und legen sie los.

Schritt 3 Verabschieden Sie sich von dem Gedanken, dass die, denen Sie (wie auch immer) helfen, Ihnen dankbar sein müssen – und dass Ihre Hilfe tatsächlich genau das bewirkt, was Sie beabsichtigten.

Schritt 4 Prüfen Sie sich regelmäßig selbst, was Sie finanziell und Kräfte-mäßig leisten können und wollen. Ein bisschen helfen ist besser als gar nichts Gutes tun. 

Schritt 5 Und fangen Sie zwischendurch bloß nicht wieder heimlich an zu denken: Aber die Inflation! Die Rezession! Die leeren Gasspeicher! Und all die anderen Gefahren, die Ihr und unser aller bisher so behagliches Dasein erschüttern! 

Schritt 6 Immer sauber durchrelativieren…

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