HOHE LUFT, Kolumne, Wissenschaft
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Evolution und Schönheit

“Warum gibt es so viel Schönheit?” Mit dieser Frage brachte mich ein amerikanischer Biologe ins Grübeln. Er heißt Richard Prum, lehrt an der Yale University, und hat gerade ein Buch namens “The Evolution of Beauty” geschrieben. Darin beschäftigt er sich mit jener Art von Schönheit, die das eine Geschlecht zum anderen hinzieht: “Oh, ist der/die heiß!”

Allerdings geht es bei Prum vor allem um Vögel, nicht um Menschen. Er ist Vogelkundler. Schön ist, was dir Fortpflanzungspartner verschafft, ist Prums These. Schönheit hat demnach evolutionäre Wurzeln, die weit hinter die Entstehung der Menschheit zurückreichen. Mit seinen Argumenten mag Prum erklären können, warum männlichen Pfauen ihr Federnrad schlagen, und warum wir Menschen mit ebenmäßigen Gesichtszügen attraktiv finden. Aber auch Regenbögen sind schön, und Sonnenuntergänge, und die Bewegungen eines Fischschwarms. Mit Fortpflanzung haben sie alle nichts zu tun. Ein evolutionärer Vorteil ist nicht offensichtlich. Prum hat eine spannende Frage gestellt. Aber seine Antwort reicht mir nicht.

– Tobias Hürter
macht sich hier in unregelmäßigen Abständen »Schöne Gedanken«

1 Kommentare

  1. Da gibts schon viel besseres: „Ursprung der Schönheit, Darwins größtes Dilemma“ von Josef Reichholf. Wissenschaftlich, philosophisch, sprachlich höchstes Niveau. Er kommt am Ende zu der schönen Frage, warum beim Menschen weithin die Frauen als das schöne Geschlecht gesehen werden, während im Säugetier- und Vogelreich die Männchen auftrumpfen. Ich halte seine Antworten nicht für vollständig und endgültig, aber klug, ernsthaft – also er versucht die Frage wirklich zu beantworten – und mit vielen Aspekten, an die ich nie gedacht hätte.
    Daß dem Menschen der Sinn für die artenübergreifende Schönheit eigen ist, erklärt auch er nicht. Und die kosmische Schönheit: hab noch nie jemanden getroffen, der n Sonnenauf/untergang häßlich gefunden hätte! Auch die Vögel lieben ihn, kann man klar sehen und hören.
    Ich finde auch alle menschlichen Rassen schön. Für mich ist nicht die Gleichheit, sondern die Schönheit erlösend. „Schönheit wird die Welt erlösen“ – Dostojewski
    Und noch eins: „der Sinn für die Schönheit umhüllt, wie eine Frucht den Kern, den Sinn für das Ganze“
    Herzlichst

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