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HOHE LUFTpost – Marvin Minsky ist tot – vorläufig

HOHE LUFTpost vom 29.01.16: Marvin Minsky ist tot – vorläufig

Am 24. Januar starb Marvin Minsky, der große Pionier der Künstlichen Intelligenz, im Alter von 88 Jahren. »Er vereinte den Wissensdurst eines Forschers mit dem Wahrheitsstreben eines Philosophen«, schrieb die New York Times. In den 1950er Jahren, als Computer noch tumbe, sperrige Klötze waren, sah Minsky voraus, dass sie sich der menschlichen Intelligenz rapide annähern würden, und im Rückblick haben sich viele seiner Prognosen bewahrheitet. Weniger bekannt ist, dass Minsky auch die umgekehrte Annäherung prophezeite: dass Menschen sich unsterblich machen können, indem sie ihren Geist vom angespannten Gehirn auf Chips und Festplatten überspielen. Er war Extropianer, also überzeugt davon, dass wir Menschen in radikal anderer physikalischer Form leben können. Kurz vor seinem Tod unterschrieb er einen offenen Brief zur Kryonik: dem schonenden Einfrieren von Menschen kurz nach ihrem Tod, in der Hoffnung, sie mit Technologien der Zukunft wiederbeleben zu können. Gut möglich, dass Minskys Gehirn nun in einem Tiefkühlfach liegt. Man mag über so etwas den Kopf schütteln. Aber das taten die Spötter einst auch über Minskys Visionen denkender Computer.

– Tobias Hürter

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