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HOHE LUFTPOST – Weil halt!

HOHELUFTpost vom 18.09.2015:

Der Fall der amerikanischen Stadtschreiberin Kim Davis wird derzeit heftig diskutiert, und auch Philosophen kann er Kopfzerbrechen bereiten. Es ist ein Testfall für die Frage, was es bedeutet, richtig zu handeln.

Nachdem der Oberste Gerichtshof die Homo-Ehe mit der Hetero-Ehe gleichgestellt hatte, weigerte Davis sich, in ihrem Bezirk noch Ehebescheinigungen auszustellen, und verbot dies auch ihren Mitarbeitern. Das neue Rechtsverständnis widerspreche »Gottes Definition von Ehe«, erklärte Davis, die sich zum apostolischen Christentum bekennt. Sie wurde in Haft genommen, aber nach ein paar Tagen wieder entlassen – und kehrte in ihr Amt zurück. Sie kann nicht gefeuert werden, da sie von den Bürgern gewählt wurde.

Wann also handelt ein Mensch richtig? Wenn er tugendhaft handelt, sagte Aristoteles. Wenn er dem »inneren Gerichtshof« seines geprüften Gewissens folgt, sagte Immanuel Kant. Beides kann man Davis zuschreiben. Sie zeigte sich tapfer und nahm für ihre Überzeugung einiges auf sich. In gewisser Hinsicht ist sie auch gerecht, da sie homosexuelle und heterosexuelle Paare gleich behandelt.

Dennoch glaube ich, dass Davis falsch handelt. Aber nicht, weil sie gegen das Gesetz verstößt, wie ihr manche ihrer Gegner vorwarfen. Ziviler Ungehorsam kann OK sein. Recht, Tugend, Gewissen – nichts davon gibt den letzten Aus-schlag bei der moralischen Bewertung einer Handlung. Gegen Davis kann ich einzig anführen, dass ihr Verständnis von Ehe diskriminierend und daher nicht gerechtfertigt ist. Ich wünschte, der Fall wäre einfacher.

– Tobias Hürter

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