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HOHE LUFTpost – Philosophen als Brillenputzer

HOHE LUFTpost vom 06.03.15: Philosophen als Brillenputzer

Da Sie diese Zeilen lesen, vermute ich, dass Sie sich für Philosophie interessieren. Warum eigentlich? Was bringt uns all das Grübeln? Seit mehr als zweitausend Jahren ringen die Philosophen mit den ewig gleichen Grundsatzfragen, könnte man einwenden, scheinbar ohne handfesten Antworten nähergekommen zu sein – während die Naturwissenschaftler bis ins Innerste der Atome und an den Anfang des Kosmos vorgedrungen sind.

Die Philosophie tritt also auf der Stelle, während die Wissenschaft weiter und weiter enteilt? Ich glaube nicht. In der Philosophie gab und gibt es gewaltige Fortschritte – nur treten sie anders in Erscheinung als die Fortschritte der Wissenschaft. Die Wissenschaft sagt uns, wie die Welt ist. Wenn sie etwas Neues findet, dann sehen wir etwas Neues – der Fortschritt ist offensichtlich. Die Philosophen erklären uns, wie wir die Welt sehen. Sie decken unsere Fehlschlüsse und ungeprüften Annahmen auf, und die Bedingungen der Möglichkeit von Moral und Erkenntnis. Sie putzen sozusagen die Brille, durch die wir sehen. Eine gut geputzte Brille nimmt man nicht wahr, man nimmt durch sie wahr. Man kann es also als Auszeichnung verstehen, dass der Fortschritt der Philosophie nicht so offensichtlich ist.

– Tobias Hürter

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