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HOHE LUFTpost – Griechenland und das Vertrauen

HOHE LUFTpost vom 27.02.15: Griechenland und das Vertrauen

Ein naiver Zeitungsleser könnte über das Gezerre um Griechenland und die EU-Hilfsprogramme den Kopf schütteln: Was ist eigentlich das Problem, da doch scheinbar alle das Gleiche wollen, nämlich den griechischen Staatshaushalt ordnen und Griechenland in der Währungsunion halten? Einen »Grexit« wünschen sich weder die griechische Regierung noch die EU-Partner. Warum also ziehen sie nicht an einem Strang – zumindest nicht in dieselbe Richtung?
Weil das Vertrauen fehlt. Keine Seite traut der anderen. Die Griechenland-Krise zeigt im Negativen, wie wertvoll Vertrauen ist, auch dort, wo es nur um nackte Ökonomie zu gehen scheint. Vertrauen reduziert Komplexität, sagte der Soziologe Niklas Luhmann (1927–1998). Gerade in einem Riesengebilde wie der Europäischen Union ist die Zukunft »übermäßig komplex« (Luhmann): Kein Mensch kann alle Möglichkeiten antizipieren. Die griechische Regierung und die EU-Partner versuchen es trotzdem, schreiben lange Listen mit Bedingungen und Reformversprechen – und werden dann alle paar Monate wieder von der Wirklichkeit überholt. Die Misere kann jedem eine Lehre sein, es selbst besser zu machen: seine persönlichen und geschäftlichen Beziehungen so zu gestalten, dass Vertrauen entsteht. Es macht das Leben entscheidend einfacher.

– Tobias Hürter

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