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HOHE LUFTpost – Alter, Vorurteile und Sprache

HOHE LUFTpost vom 20.02.15: Alter, Vorurteile und Sprache

Geschlechterklischees sind von gestern. Rassenklischees sind von vorgestern. Aber eine andere Sorte von Vorurteilen bleibt lebendig wie eh und je: die Stereotypen des Alters. Jeder Mensch wird alt, aber kaum einer möchte “alt” genannt werden. Die Sprache, mit der wir über Menschen über 50 reden, weckt fast nur negative Konnotationen. Alt ist gleich senil, tattrig, von gestern. Jung ist saftig, sexy, cool.
Stereotypen sind meistens dumm, aber die Diskriminierung des Alters ist besonders bescheuert, weil sie wirklich jeden mal betrifft, so unweigerlich, wie die Telomere an den Enden unserer Chromosomen zerbröseln. Laut Umfragen fühlen sich die allermeisten Menschen über 50 nicht “alt” im negativen Sinn. Dank der guten Lebensbedingungen unserer Zeit sind sie fit und leistungsfähig. In unserer Arbeitswelt gibt es genügend Aufgaben für sie – oder gäbe, wenn sie denn gemäß ihren Fähigkeiten behandelt würden. Nicht die Alten sollten ausrangiert werden, sondern die Altersdiskriminierung.
Die interessante Frage ist, wie das gehen soll mit dem Ausrangieren von Stereotypen. Ich glaube, hier kann die Philosophie helfen. Die Welt ist das, worüber wir reden, und sie ist so, wie wie wir darüber reden. Wenn wir also den Status einer Gruppe von Menschen ändern wollen, müssen wir bei unserer Sprache beginnen: sie von eingebauten Stereotypen entrümpeln. Ich habe mir vorgenommen, von »älteren Menschen« statt von »Senioren« oder »Rentnern« zu sprechen.

– Tobias Hürter

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