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Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug (Epikur)

„Banker befreien sich in der Kirche von ihrer Gier“ – so der Titel eines Online-Beitrags der Tageszeitung Die Welt. Angeblich besuchen allein in London mehrere hundert Banker wöchentlich die Kirche, um sich dort von ihrer Gier kurieren zu lassen. Dabei ist aber gar nicht so klar was Gier eigentlich genau ist. Sie findet sich nämlich in unterschiedlichen Begriffen wieder: Man denke bloß an Habgier, Begierde und Neugier. Was diese Begriffe eint ist das Streben nach mehr. Da wird etwas begehrt, weil nach subjektivem Empfinden noch nicht genug vorhanden ist – oder anders formuliert: Man ist noch nicht zufrieden mit dem, worüber man zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfügt. Neugier kann sich etwa auf einen unbekannten Inhalt beziehen, über den man Kenntnis erlangen möchte. Begierde hingegen ist oft sexueller Natur, Habgier wiederum kennzeichnet vor allem das Streben nach materiellem Besitz. Dabei ist Gier in all ihren Ausprägungen nicht zwingend die Antwort auf einen tatsächlich bestehenden Mangel, vielmehr bezieht sie sich auf Dinge, die wir eben gerade nicht unbedingt brauchen. Aber wie viel ist genug? Wann wird ein Streben nach „Mehr“ zur Gier?

Nicht selten korreliert Gier mit dem Bedürfnis, etwas nach außen hin darzustellen. Wer etwa die vierte Villa in Millionenhöhe kauft, hat wohl nicht zuletzt den Wunsch, sein „Mehr-Haben“ öffentlich zu demonstrieren. Der Ökonom Thorstein Veblen veröffentlichte 1899 seine „Theorie der feinen Leute“, die unter Anderem den Geltungskonsum behandelt. Veblen zufolge zielt demonstrativer Verbrauch in der Öffentlichkeit vor allem darauf ab, seinen sozialen Status zu verfestigen und sich von jenen abzugrenzen, die über weniger verfügen als man selbst.

In ihrem aktuellen Buch „Wie viel ist genug?“ fordern der Wirtschaftshistoriker Robert Skidelsky und sein Sohn Edward Skidelsky, Philosophieprofessor an der Universität Exeter, man solle das Streben nach Ressourcen vor allem in Relation zu Bedürfnissen und nicht zu Begierden betrachten. Sie schreiben: „Ein Mann, der drei Häuser besitzt, ist nach unserem Verständnis nicht in einer ernsten Notlage, so dringend sein Wunsch nach einem vierten Haus auch sein mag.“

Aber wie viel ist nun genug? Wer auf eine Antwort brennt, sollte das Fortschritts-Camp .vernetzt# in Hamburg besuchen. Robert Skidelsky wird dort am 28.09. über Gier und Wachstumswahn referieren – und vielleicht sogar eine Antwort auf die Frage nach dem „Genug“ liefern.

– Christina Geyer

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