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Reden, ohne was zu sagen

„Zu den Aufgaben der Philosophie gehört die Analyse von Begriffen, die weithin gebraucht wer­den, aber schlecht verstanden sind. Philosophen spüren dem Wesen von Raum, Zeit und Bewusstsein nach, sie ergründen die Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis. Den Blödsinn hingegen ließen sie lange unbeachtet. Das ist erstaunlich, denn Blödsinn ist kein Randphänomen. Es gehört zu den Kuriositäten unserer Gesellschaft, dass sie auffällig viel davon produziert.“ (Tobias Hürter, HOHE LUFT 1/2013)

Den vollständigen Artikel „Reden, ohne was zu sagen“  können Sie hier lesen. Und wenn Sie selber Blödsinn entdecken, dürfen Sie uns das gern hier mitteilen. Die Aktion läuft noch bis zum 24.12.

5 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Hürter,
    der sprachliche Blödsinn der produziert wird, ist tatsächlich von gewaltigem Ausmaß. Ich möchte zwei Ergänzungen vornehmen: Ich möchte zunächst Rudolf Carnap ins Spiel bringen, einem Mitglied des berühmten Wiener Kreises, der statt von sprachlichem Blödsinn oder vom „Reden, ohne was zu sagen“ von sinnlosen Sätzen gesprochen hat. So ist für Carnap etwa der Satz ‚Cäsar ist eine Primzahl‘ ein sinnloser Satz. Obwohl dieser Satz im Sinne der Alltagssprache korrekt gebildet ist, ist er sinnlos, weil ihm eine Kategorienverwechslung zugrundeliegt: Zahleigenschaften können nicht von Personen ausgesagt werden. Allein die Menge der Sätze, die nach diesem Kriterium sinnlos sind, dürfte unüberschaubar groß sein.

    Ein zweiter Aspekt scheint mir aber noch wesentlich bedenklicher zu sein als die bloße Tatsache, dass sprachlicher Blödsinn produziert wird. Wilhelm von Humboldt hat nämlich betont, dass Denken und Sprechen weithin eine Einheit bilden. Er wies darauf hin, dass die sprachliche Artikulation für die inhaltliche Deutlichkeit des Denkens entscheidend ist. Es ist also nur ein kleiner Schritt vom sprachlichen Blödsinn zum Blödsinn im Denken. Vielleicht eine Erklärung, warum nicht nur sprachlicher Blödsinn produziert wird, sondern eine ganze Menge Blödsinn mehr.

    Beste Grüße
    Bernd Waß, Philosoph, Academia Philosophia

  2. Artjom sagt

    Hallo Herr Hürter,
    ich habe mir mal die Mühe gemacht und den Satz, dass keine zwei Schneeflocken gleich sind, von dem ich bisher ebenfalls annahm, dass er stimmt, zu überprüfen. Ich bin dann über den Wikipediaartikel auf schöne Seite gestoßen, die mich aber in meiner eher Meinung bestärkt. Falls Sie jedoch irgendwelche weitergehenden Informationen besitzen oder das ganze nur auf einer anderen, auf der Seite ebenfalls angesprochenen, Definition von „gleich“ beruht, würde ich mich freuen, von Ihnen zu hören.

  3. Hallo Artjom,
    falls Sie den Ausdruck ‘gleich’ synonym mit dem Ausdruck ‘identisch’ gebrauchen, ist der Satz ‘Keine zwei Schneeflocken sind gleich’ wahr (obwohl der Satz genauer zu formulieren wäre, wollte man damit
    eine Erkenntnis ausdrücken). Gemäß dem Identitätsprinzip von Leibniz gilt nämlich: Wenn zwei Entitäten (Gegenstände im weitesten Sinn des Wortes) identisch sind, dann haben sie alle Eigenschaften gemeinsam. Haben aber zwei Entitäten alle Eigenschaften gemeinsam, so handelt es sich freilich nur um eine Entität (Ununterscheidbarkeit des Identischen). Demnach gilt: Wenn zwei Schneeflocken miteinander identisch sind, handelt es sich um nur eine Schneeflocke. Woraus wiederum folgt, dass zwei Schneeflocken voneinander verschieden sein müssen, sonst wäre es eben nur eine. Also: Keine zwei Schneeflocken sind gleich.

    Beste Grüße
    Bernd Waß, Philosoph, Academia Philosophia

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