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Weiterverschenken – OK oder nicht?

Weihnachten rückt näher. Erste Lebkuchen haben die Supermarktregale erreicht. Die Geschenkfrage beginnt wieder zu drängen. Ach ja, da sind doch noch die Pralinen, die uns Tante Elsa mitgebracht hat. Die schmecken doch bestimmt Onkel Ludger. Ein Geschenk weniger zu besorgen.

Hoffentlich hatte Elsa die Pralinen nicht von Ludger. Weiterverschenken ist weithin üblich, aber es ist ein Tabuthema. »Die hab ich von Elsa bekommen!« – das würde man eher nicht dazusagen. Warum ist das Weiterverschenken so verpönt? Könnte es sinnvoll sein, es zu enttabuisieren?

 

Pralinenschachtel © dnnya17 flickr

Durch wie viele Hände mag sie gegangen sein?

Englische Psychologen haben sich die Sache in einer Metastudie näher angeschaut. Sie untersuchten insbesondere die Frage, für wen das Weiterverschenken eigentlich peinlich ist.

Der erstaunliche Befund war, dass die Peinlichkeit stark vom Standpunkt abhängt. Wenn die Versuchspersonen sich in die Rolle des Weiterverschenkers versetzten, dann dachten sie, dass der Vorgang vor allem für den ursprünglichen Schenker peinlich ist – etwa so, als würden sie sein Geschenk wegwerfen. Wenn aber die Versuchspersonen sich aber in die Rolle des ursprünglichen Schenkers versetzten, war es ihnen gar nicht so peinlich, dass ihr Geschenk weiterwanderte. Auf alle Fälle besser, als im Müll zu landen.

Die Forscher führen diese Asymmetrie auf ein unterschiedliches Verständnis des Schenkakts zurück. Schenker verstehen ihre Handlung eher so, dass die Beschenkten frei über das Geschenk verfügen können. Beschenkte hingegen sehen es eher so, dass der Schenker noch Rechte an dem Geschenk behält.

Man kann daraus schließen, dass es zum allseitigen Wohl wäre, das Weiterverschenken zu enttabuisieren. Die ursprünglichen Schenker sind froh, wenn ihr Geschenk einem guten Nutzen zugeführt wird, statt unerwünscht herumzuliegen, und die Weiterverschenker erledigen auf diese Weise die leidige Geschenkfrage. Die Forscher schlagen sogar vor, alljährlich einen »Tag des Weiterverschenkens« auszurufen.

Was ist eure Meinung? Ist Weiterverschenken OK? Haben die Forscher den letztlich Beschenkten vergessen?

– Hugo Gomille

2 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Gomille, zwei Anmerkungen: Zunächst zu dem Schluss den Sie ziehen: Warum man aus den Sätzen in den Zeilen 9-18 darauf schließen kann, dass es zum allseitigen Wohl wäre, dass Weiterverschenken zu enttabuisieren, ist gänzlich uneinsichtig. Diese Konklusion folgt in keiner Weise aus den Prämissen. Es müsste zumindest noch der Satz ‚Die ursprünglichen Schenker sind froh, wenn ihr Geschenk einem guten Nutzen zugeführt wird, statt unerwünscht herumzuliegen, und die Weiterverschenker erledigen auf diese Weise die leidige Geschenkfrage‘ zur Menge der Prämissen gehören, doch selbst dann gelangt man nicht zu diesem Schluss. Jedenfalls nicht im Sinne der (philosophischen) Logik.

    Darüber hinaus: Wie gebrauchen Sie den Ausdruck ‚OK‘? Heißt ‚OK‘ so viel wie: wenn x OK ist, dann ist x moralisch gut? Oder: wenn x OK ist, dann ist es moralisch erlaubt x zu tun? usw. Ich denke, dass gerade der philosophische Diskurs eine gewisse begriffliche Genauigkeit verlangt, zumal ja die Philosophen gar nichts anderes haben als Begriffe.

    Einen schönen Abend
    Bernd Waß, Philosoph, Academia Philosophia

  2. Schönes Gedankenspiel – aber um dem Konflikt, den wir ja alle (vermutlich aus der Sicht des Schenkenden wie des Beschenkten) kennen, aus dem Wege zu gehen, gibt es noch einen anderen Weg. Und mir scheint, daß er zwar der einfachste und eigentlich auch der nächstliegende ist, aber zunehmend aus dem Bewußtsein gerutscht zu sein scheint:
    Warum wenden wir nicht einfach (wieder) mehr Mühe darauf auf, ein passendes, geschätztes und den Beschenkten erfreuendes Geschenk zu suchen und zu finden? Dies kostet Mühe, denn der Wurm, der zwar dem Angler nicht schmeckt, sehr wohl jedoch dem Fisch, kann vom Angler ja schlecht sinnvollerweise verkostet werden, so daß also Empathie (für das Wollen des „Fisches“) gefragt wird. Dies scheint zunehmend schwer zu erscheinen – oder einfach der notwendigen Mühe nicht wert zu scheinen.
    Aber selbst, wenn dem so sei: Warum dann nicht einfach mal gar nichts statt eines sofort als solches erkennbares Verlegenheitsgeschenk überreichen?
    Oder gleich nachfragen, was denn der Onkel des Beschenkten gerne hätte – und dann direkt „zum Weiterschenken an Onkel Ludger“ etikettieren…

    Frohes Geschenke-Auswählen!!
    ..mit Bedacht, Beobachtungsgabe und Aufmerksamkeit ..

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