Trump siegt über die Elite?

»Hate won. Fear won. Racism won. Sexism won. Homophobia won. Self interest won.« Solche Tweets liest man, seit gestern Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl gewonnen hat, überall. Trumps Sieg wird von vielen als Schlag der »Abgehängten« ins Gesicht der Elite gewertet, »der Albtraum der Gebildeten, Urbanen, Multikulturellen, Philantropen und Gutverdienenden ist wahr geworden« schreibt die schweizerische Handelszeitung.

So fühlt es sich zumindest für viele an. Wo ich hinsehe, begegnet mir Fassungslosigkeit. An Hegels Theorie der Weltgeschichte als stetigen Fortschritt der Vernunft habe ich noch nie geglaubt, da ich den darin mitschwingenden Fatalismus nicht teilen kann. Wenn alles besser wird, dann darum, weil wir es besser machen – nicht von allein. Aber dass wir, zumindest in der westlichen Welt, in eine ähnliche Richtung streben und in Begriff sind, uns auf ein paar grundlegende Werte zu einigen, davon war ich bisher schon überzeugt. Und nun ist da Trumps Sieg und diese Annahme scheint völliger Unsinn zu sein, elitäres Wunschdenken.

Wenn Gleichberechtigung, Minderheitenschutz, Weltoffenheit, Antidiskriminierung und Co. nur für eine kleine »Elite« (es stellt sich die Frage, wer das überhaupt sein soll, da zum Beispiel die Bestverdiener der USA, zu denen Trump selbst gehört, sicherlich durch ihn keinen Schaden nehmen werden) relevant sind, welchen Stellenwert haben sie dann?

Nur weil viele Menschen etwas glauben, ist es noch nicht wahr, schreibt auch die britische Autorin Laurie Penny auf der Seite des NewStatesman. Dass dies eine Gefahr für demokratische Systeme darstellen kann, beschäftigte Politiktheoretiker schon in der Antike (siehe auch die Titelgeschichte »Wer sind wir?« und den »Schwerpunkt Demokratie« in der aktuellen Ausgabe HOHE LUFT).
Eine Bevölkerungsgruppe pauschal als Vergewaltiger zu diskreditieren wird nicht dadurch falsch, dass ein Akademiker-Schnösel mit seinem Gutmenschentum daherkommt. Penny schreibt, sie habe keine Lust mehr, dass es dauernd um die Befindlichkeiten der »Abgehängten« (weißen Amerikaner) gehe, und nicht um diejenigen, die unter ihrer Wahlentscheidung zu leiden haben.
Verständnis für Frustration ist eine Sache. Aber offen rassistische, sexistische, homophobe, hetzerische Aussagen zu akzeptieren etwas völlig anderes. »It is not elitist to look fascism in the face and reject it« meint Penny. Wir sind Philosophen und nur, weil andere sich ihrer Wut hingeben, hören wir nicht auf, nachzudenken.

– Greta Lührs