Alle Artikel mit dem Schlagwort: Gründe

Ich sehe was, was du nicht siehst! Die Ausgabe 1/2020 ist da

»Hohe Luft« – was soll das eigentlich heißen? Diese Frage begleitet uns seit der Gründung unseres Magazins 2011. »Das klingt ja esoterisch«, meinten manche. Tatsächlich ist Hoheluft der Stadtteil von Hamburg, in dem unser Verlag sitzt – und eine Wortschöpfung aus Friedrich Nietzsches »Genealogie der Moral«. In dieser Ausgabe aber machen wir die Esoterik zum Thema. Wir versuchen, dem spannenden Verhältnis von Philosophie und Esoterik auf den Grund zu gehen. Wie eng die historische Verbindung zwischen beiden ist, zeigt ein berühmtes Zitat des Renaissance-Philosophen Pico della Mirandola, den wir in dieser Ausgabe auch portraitieren. In seiner »Rede über die Würde des Menschen« heißt es, gerichtet an denselben: »Du kannst zum Niedrigeren, zum Tierischen entarten. Du kannst aber auch zum Höheren, zum Göttlichen wiedergeboren werden, wenn deine Seele es beschließt.« Die Stelle wird gemeinhin humanistisch im Sinn der freien menschlichen Wandlungs- und Entfaltungsmöglichkeiten interpretiert. Tatsächlich aber kann man sie auch esoterisch-spirituell deuten, gerade weil della Mirandola auch stark geprägt war von der Kabbala und anderen mystischen Quellen. Außerdem im Heft: Ein Interview mit Dietmar Dath, ein …

Richtig streiten #5: Die Kontinuität des Begründens

Zur Logik, zum vernünftigen Sprechen, gehört, dass man bereit ist, Gründe für seine Aussagen anzugeben. Diese Gründe müssen aber wenigstens so sein, dass man vermuten kann, dass der andere sie als Begründung akzeptiert. Wer wahrhaftig ist, muss auch nachsichtig sein: Er weiß, dass es zwischen Begründung und Aussage oft eine Lücke gibt, die aus Gemeinsamkeiten der Diskussionsteilnehmer erst geschlossen werden muss. Zudem wird er vermuten, dass alle Äußerungen des Gesprächspartners – sowohl die Meinungen als auch die Begründungen – sinnvoll verstanden werden können, auch wenn sie mit der eigenen Sprachpraxis nicht zusammenpassen. Ein wahrhafter und nachsichtiger Streit wird nicht mit dem Ziel geführt, die Sprachpraxis des anderen zu korrigieren, sondern den Sinn seiner Äußerungen zu verstehen und die Lücken zwischen seinen Begründungen und den geäußerten Meinungen zu schließen. Eine notwendige Gemeinsamkeit ist, dass eine gemeinsame Vorstellung davon existiert, wie es zu Ereignissen in der Wirklichkeit kommen kann, welche Gründe als Begründungen für Meinungen  dienen können.