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Wo ist eigentlich vorne?

Wer jetzt ungefähr zwischen 7 und 22 Jahren alt ist, gehört zur sogenannten Generation Z. Das klingt wie: die letzte. Deshalb liegt die Frage nahe: Was kommt danach?

Von Maja Beckers

Was kommt eigentlich nach der Generation Z – die Sintflut? Es ist doch bemerkenswert, dass ausgerechnet die Generation, die derzeit den Rest der Welt an die drohende Apokalypse erinnert, auch den apokalyptischen Namen Generation Z hat. Die letzten. Das klingt schlimm.

Eingebrockt hat uns das auf den ersten Blick die Generation X und diejenigen, die von da einfach weiter gezählt haben. Es ist natürlich ungünstig, wenn man schon so weit hinten im Alphabet anfängt. Aber das war ursprünglich auch nicht die Idee. Das X stand damals dafür, dass sich diese Generation nach den Babyboomern so erfolgreich der Benennungswut entzogen hatte. Man konnte sich auf nichts einigen, das die zwischen 1965 und 1980 Geborenen ausmachte, also wurde sie die Generation X und der gleichnamige Roman des kanadischen Schriftstellers Douglas Coupland von 1991 machte den Titel berühmt.

Ein bisschen faul nannte man die darauf in den 80ern und 90ern Geborenen einfach Y und konnte das damit rechtfertigen, dass Y auf Englisch wie „why?“ ausgesprochen wird und die Generation Y ja angeblich alles (Haus, Auto, Arbeit) infrage stellt. Noch fauler nannte man die nächsten einfach Z. Dazu gibt es nicht einmal ein Wortspiel, nach Y kommt einfach Z.

Und jetzt sitzen wir da und ein Generationentitel verbreitet Endzeitstimmung. Passend zur drohenden Klimakatastrophe, zum drohenden Verfall der Demokratie und zu einer Zeit, in der sowieso nichts mehr nach Aufbruch riecht, sondern höchstens noch „post“ ist: Postmoderne, Postwachstum, Post-Carbon.

Insofern passt der Name Generation Z vielleicht doch ganz gut. Denn Generationentitel beschreiben ja nie, wie die Menschen ticken, die dieser Generation angehören, sondern eher den Zeitgeist. Und der ist genau von dieser Frage geprägt: Geht es von hier noch vorwärts?

Kommen wir noch weiter in Sachen Gleichberechtigung oder wird der Backlash zu mächtig? Wird die Demokratie weiter bestehen oder wird es von hier an wieder autoritärer? Werden in Zukunft mehr Menschen freier oder war das vielleicht ein Höhepunkt an Freiheit und besser kriegen es die Menschen einfach nicht hin? Oder ein Höhepunkt an Komfort, weil die Ressourcen knapp werden und das Klima kollabiert? Wird die Welt wirklich friedlicher? Plötzlich scheint es möglich, dass das nur eine Phase war.

Das sind keine gewöhnlichen politischen Richtungsfragen. An ihrem Grund liegt die Frage, ob wir gerade Fortschritte machen oder Rückschritte, ja sogar, ob es Fortschritt überhaupt gibt oder ob wir uns da was vorgemacht haben.

Genau diese Verunsicherung hat eine kleine, aber präzise Entsprechung gefunden in der Frage, was nach der Generation Z kommt. Der australische Zukunftsforscher und Demograf Mark McCrindle etwa glaubt, dass in dieser kommenden Generation das Individuum mehr Macht haben wird als je zuvor und schlägt deshalb vor, sie Alpha zu nennen. Und das ist wirklich die beste Pointe in dieser Lage. Alpha, das ist irgendwie vorne. Aber wenn man schon bei Z war, auch ein Rückschritt.

Der zweite Vorschlag, der derzeit die Runde macht, ist ganz anders, aber trifft bemerkenswerterweise genauso ins Herz dieser Diskussion. Der Saarbrücker BWL-Professor Christian Scholz, der sich viel mit der Generation Z und ihrem Einfluss auf die Berufswelt beschäftigt hat, gab dem „Karriereführer“ ein Interview dazu. Auf die Frage, was nach Z kommt, antwortet er: „Ich kann mir vorstellen, dass die Generation Z das letzte noch fehlende Puzzleteil der Generationenmatrix ist.“ Jetzt würde etwas ganz anderes passieren: „Die Grenzen zwischen den Generationen werden verwischen, sodass wir bald keine altersspezifischen Milieus mehr haben, sondern Gruppen, die von Denkmustern geprägt werden. Das traditionelle Generationenkonzept löst sich damit auf: Es gibt dann den 15 Jahre alten Baby-Boomer und den 60-jährigen Mitarbeiter Typ Z.“

Also die generation to end all generations. Klingt nach einer ganz anderen Idee als sie Alpha zu nennen. Hat aber eine Gemeinsamkeit. Wenn sich das Konzept der Serie auflöst und alle gleichzeitig existieren, dann ist auch überall gleichzeitig vorne und hinten. Wie schon bei Alpha. Dann löst sich aber der Sinn dieser Kategorien auf.

Nach der Generation Y die Generation Z auszurufen, wirkte auf den ersten Blick wie eine faule Lösung. Aber angesichts dieser Fragen ist Z wahrscheinlich der passendste Name, den man je für eine Generation vergeben hat und damit eigentlich den Zeitgeist meinte. Denn die Frage, wie wir die folgende Generation nennen können, entspricht nicht mehr wie sonst der Frage: Wie ticken wir morgen, wenn alles ein Stück vorwärts gerückt ist? Sondern eher: Gehen die Dinge von hier noch vorwärts?

1 Kommentare

  1. Nach der Generation Z kommt die Sinnflut.

    Sintflut war nur ein Wort. Die Flut mit Sinn fordert auch Taten. Insofern passt die Bezeichnung „Generation Z“ zur Greta~Generation. Sie ist die letzte Generation der Erwartung, andere sollten etwas tun, damit es der Jugend besser geht. Mit dieser Erwartung ist die 68er Generation gescheitert. Denn als die Rebellen von damals politische Macht hatten ~ Joschka Fischer ist das Vorzeigebeispiel! ~ konnten sie auf Entscheidungsebene nur die Fehler der Elterngeneration wiederholen.

    Was bringt die Sinnflut?

    1. Die Wende vom schuldzuweisenden Wort zur selbstverantwortlichen Tat.
    2. Die Wende von Haben und Recht~haben~wollen zum Sinn und Sein.
    3. Die #FreieEntscheidung, das zu tun, was andere in den Augen der Jugendlichen versäumen.

    Die Angst vor einer Klimakatastrophe ist dem Klima im Gemüt der Generation Z geschuldet, das jeder für sich nur mit #FreienEntscheidungen ändern kann: Frei von den Umständen und anderen. Höchste Zeit, Mensch zu sein, statt nur Menschenrechte zu beanspruchen. Menschsein bedeutet vor allem, einzigartig sein, statt dem Herdentrieb das Wort zu reden.

    Mit dem Entschluss, selbst zu tun, was uns bei anderen stört, bereiten wir den Weg für Selbstverantwortung und überwinden die Erwartungen an andere, die immer offensichtlicher und kurzfristiger enttäuschen. Jeder kann nur mit Taten für sich selbst prüfen, ob an dieser Einsicht was dran ist. Denn die Demokratie ist eine Diktatur der Erwartungen an andere und kann nur enttäuschen.

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