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Schwerpunkt Anthroposophie

Die »Anthroposophie« Rudolf Steiners ist eine Erfolgsgeschichte. Von der Waldorf-Pädagogik über den biodynamischen Landbau bis zur anthroposophischen Medizin: Kaum eine andere Lehre hat auf derart viele Bereiche des praktischen Lebens gewirkt. Dennoch ist die Anthroposophie bis heute umstritten. Die einen halten sie für eine spirituelle Weltanschauung, für ein ganzheitliches Lebenskonzept, das eine Alternative bietet zum Materialismus unserer Zeit, die anderen für nebulöse Esoterik mit weltfremden und antimodernen Zügen.

Seit Jahren schwelt die Diskussion über Methoden und Lehrinhalte der Waldorfpädagogik, es gab Rassismusvorwürfe und Skandale um rechtsextreme Lehrer. Was halten Sie von der Anthroposophie? Wie denken Sie über die Waldorf-Pädagogik? Ist ein Dialog zwischen Philosophen und »Anthroposophen« möglich?

Hier geht’s zum aktuellen Heft (05/17, ab 27.07.17 im Handel) mit dem »Schwerpunkt Anthroposophie«. 

2 Kommentare

  1. Siri sagt

    Liebes Hohe-Luft-Team!

    Ich studiere an einer Hochschule, die Waldorfpädagogen ausbildet.
    Zuvor habe ich an einer Staatlichen Hochschule, sowie einer staatlichen Universität studiert, unter anderem auch ein paar Semester Philosophie.
    Ich „kenne“ also beide Seiten etwas…:

    Jedes geschlossene System kann nicht wahr sein, daher braucht es immer Dialoge – diese sollten stets möglich sein, als Basis für ein bewegliches Denken.
    Erst unser steter perspektivischer Wechsel, erlaubt es uns, ein zunehmend plastischeres und realistischeres Anschauen der Welt / des Lebens / des Menschens zu entwickeln.
    Jegliche Hierarchie- und/oder Isolationstendenzen sind letzlich Zeichen von Angst, Stagnation in der Entwicklung und wollen überwunden werden.

    Die Anthroposophie braucht dringend den Austausch und mit der aktuellen Generation baldiger Waldorfpädagogen ist frischer Wind und Offenheit größtenteils garantiert.

    Schön, dass ihr den Schritt macht und den Dialog hier thematisiert…!
    Ich sehe da unbedingt Chancen 🙂

  2. Anna Büttner sagt

    Guten Tag! Gerade las ich mit Interesse den Artikel über Anthroposophie und mir gefiel besonders der Schlusssatz gut.
    Ich bin schon länger Lehrerin an einer Waldorfschule und ich frage mich, wie oft (!) man noch sagen muss, dass an Waldorfschulen SEHR WOHL „die Vermittlung bestimmter Fähigkeiten“ im Mittelpunkt stehen. Was denn sonst? Es ist und bleibt eine Schule! Und, ei der Daus, an Waldorfschulen werde alle staatlichen Abschlüsse abgenommen – es gibt also tatsächlich kein „Waldorfabitur“ mit tanzen, schnitzen und Kartoffeln ernten als Prüffächern.
    Die geistig-seelische Höherentwicklung der Schüler/innen steht nach meiner Wahrnehmung nicht im Mittelpunkt, sonst würde ich mich in meinem Unterricht nicht mit Kommasetzung und Grammatik beschäftigen und, man glaubt es kaum, auch Mikroskope und Computer wurden schon an Waldorfschulen gesichtet…(das zum Thema „physiognomische Pflanzenbetrachtung“). Es ärgert mich sehr, wenn Menschen sich zu Waldorfschulen äußern, die augenscheinlich nie in einer waren, geschweige denn sich mit Schüler/innen oder Lehrer/innen unterhalten haben. Wie sollte ein Schulsystem, das so wie in der Information zur „Waldorfpädagogik“ S.62 beschrieben wird, in Deutschland überleben und zu gut 80 % vom Staat getragen werden? Waldorfschulen sind nämlich nicht, das sei am Rande erwähnt, auch keine elitären Privatschulen. Alle Kinder können dort zur Schule gehen, allen wird es ermöglicht.
    Die Anthroposophie steht sicherlich im Hintergrund der Waldorfpädagogik und das ist gut so. Aber es gibt sehr viele Lehrer/innen an Waldorfschulen, die mit Anthroposophie wenig oder nichts anfangen können, alle müssen ein Hochschulstudium absolviert haben, sonst bekommt man gar keine Lehrgenehmigung. Ich erlebe die Kollegien als sehr ambivalent, was die Anthroposophie angeht. Es wird sich kritisch auseinandergesetzt mit Steiners Themen, immer wieder. Offenheit wird gewünscht, aber man muss nichts glauben. Waldorfschulen sind erfolgreiche Reformschulen, die außer dem Kopf auch Seele, Geist und Hände der Schüler/innen im Blick haben. Auch dort ist nicht alles Gold, was glänzt. Aber bald feiern Waldorfschulen ihr 100-jähriges Bestehen – irgend etwas machen sie wohl richtig…
    Dennoch: Danke für den Artikel, die Anthroposophie betreffend habe ich einiges besser verstanden und fand den Blickwinkel der Betrachtung gut.

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