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HOHE LUFTpost – Drei Eltern, ein Baby

HOHE LUFTpost vom 07.10.2016: Drei Eltern, ein Baby

In Mexiko ist ein Baby zur Welt gekommen, das drei Eltern haben soll – zumindest trägt es Erbgut von drei Erwachsenen: zwei Frauen und einem Mann. Die Meldung erregte großes Aufsehen. Drei Eltern, gibt das nicht Ärger? Gerät da nicht das natürliche Gefüge der Fortpflanzung durcheinander? Bei näherem Hinsehen ist diese Sorge übertrieben. Die zweite Frau steuerte lediglich das Erbgut der Mitochondrien außerhalb des Zellkerns bei – es macht weniger als ein Tausendstel der gesamten Erbinformation aus und hat keine Auswirkungen auf die individuelle Entwicklung und das Aussehen des Kindes. Es bleibt also bei zwei biologischen Eltern. Allerdings stellt sich ein anderes ethisches Problem. Die Mitochondrien-DNA der Mutter wurde durch die der Spenderin ausgetauscht, um eine schwere Erbkrankheit zu vermeiden. Die Geburt in Mexiko ist also ein weiterer Schritt zu einer technischen Kontrolle des Erbguts von Babys. Wie weit darf diese Kontrolle gehen? Was bedeutet sie für Menschen, die mit Erbkrankheiten geboren wurden, die heute technisch »vermeidbar« wären? Das sind heikle Fragen, die dringend zu klären sind. Der technische Fortschritt kann nicht über Sollen und Dürfen entscheiden.

– Tobias Hürter

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