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Im Luxus des Denkens

Philosophie ist Luxus. Der Überzeugung ist zumindest Siegfried Reusch, Chefredakteur und Mit-Herausgeber des Philosophie-Journals „Der Blaue Reiter“, das dieses Jahr 20-jähriges Jubiläum feiert. Auf dem Gebiet der philosophischen Zeitschrift, getragen von der Ambition, Philosophie einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, ist Reusch ein echter Pionier. Umso mehr freute sich unser Team, dass Reusch am 27. Mai der Einladung zum HOHE LUFT_live Abend in der modern life school gefolgt ist. „Wir sitzen gewissermaßen auf den Schultern des Blauen Reiters“ begrüßte HOHE LUFT Chefredakteur Thomas Vašek den Kollegen. Obwohl der Blaue Reiter mit langen, anspruchsvollen Lesestücken definitiv keine seichte Lektüre für Nebenbei ist, musste er sich in seiner Anfangszeit als „Bild-Zeitung der Philosophie“ bezeichnen lassen. Solche Vorwürfe, meist aus Richtung der akademischen Philosophen, kennen wir von HOHE LUFT natürlich auch…

Thomas Vašek und Siegfried Reusch (l.) in der modern life school

Gastgeberin Pia Schaf (links) mit Thomas Vašek und Siegfried Reusch (rechts) in der modern life school. 

Grund genug also, sich einmal kennenzulernen und das tun Philosophen natürlich am Liebsten bei einer handfesten Diskussion. Passend zum Jubiläumsheft des Blauen Reiters ging es um den „Luxus des Denkens“. Wenn Luxus all das ist, was man nicht unbedingt braucht, ist Philosophie Luxus – so Reusch. Um zu überleben braucht man weder Philosophie, noch Kunst oder Literatur. Diese Definition reicht für Thomas Vašek nicht aus: Wenn wirklich alles Luxus wäre, was man nicht unbedingt braucht, wäre fast alles Luxus und der Begriff würde völlig verwässert. Luxus bestimmt sich auch dadurch, dass ihn nicht jeder haben kann und dass er eigentlich unnütz ist. Darum stellt Luxus für ihn keinen eigenständigen Wert dar. Zuviel Luxus kann uns korrumpieren und unserem Glück im Weg stehen.
Reusch zufolge dient Luxus vor allem dem Distinktionsgewinn: Wer hat die größte Yacht? Wer besitzt einen echten Picasso? Ein extremes Luxusleben drückt für ihn letztendlich den verzweifelten Wunsch aus, seinem Leben einen Sinn zu geben. Müssen einem die Millionäre also leid tun, die darüber klagen, unter ihrem Vermögen zu leiden? Ist vielleicht nicht der Superreiche auf seiner Yacht derjenige mit dem Luxusleben sondern der „glückliche Arme“? Diese Auffassung wird dem Begriff wohl kaum gerecht. Schließlich hat der Arme keine Wahl – er muss mit dem wenigen auskommen, was er hat. Wer den ganzen Tag in der goldenen Badewanne liegt, kann sich auch gegen dieses Leben entscheiden.

Die meisten von uns haben keine Yachten oder prall gefüllte Geldspeicher à la Dagobert Duck. Für uns bedeutet Luxus manchmal ganz schlicht, Zeit für uns zu haben, ein besonderes Essen zu genießen oder mit Freunden zu philosophieren. Es kommt also auch darauf an, was man als Luxus empfinden kann. Auch Reusch meint, dass eine bestimmte Form des Luxus das Leben erst lebenswert macht. Täten wir nur das Notwendige, hätten wir wenig Freude und würden das Leben nicht ausschöpfen. Vor allem den Luxus des Denkens sollten wir uns unbedingt gönnen.

Was meinen Sie? Ist Philosophie Luxus? Wir freuen uns auf Ihre Meinung.

Das nächste Mal findet HOHE LUFT_live am 24. Juni statt.

2 Kommentare

  1. Siegfried Reusch sagt

    Sehr geehrte Frau Lührs,

    leider ist aufgrund der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit an diesem Abend ein mir überaus wesentlicher Punkt in der Diskussion zu kurz gekommen. Die von Ihnen oben genannten Ausführungen zum Thema Luxus geben meine Aussagen zur herkömmlichen Sicht des Luxus wider. Worauf ich eigentlich mit meinen Einlassungen hinaus wollte ist, dass es erst der Luxus des Denkens ist, der das Leben lebenswert macht! Denken ist für das reine LEben nicht nootwendig, hierfür sind, wie die Tiere beweisen, Instinkte hinreichend. Aber: Das Streben nach Luxus, das Streben nach einem Distinktionsgewinn und Annehmlichkeit, ist für viele Bedingung für Kultur und Zivilisation. „Das höcht notwendige Überflüssige“, wie Voltair den Luxus charakterisiert, wird solchermaßen zum Antrieb – und sei es nur, wie es der Ausdruck „American Dream“ beschreibt, für die meisten als ein unerreichbares Ziel, als Traum eben. Aber auch das greift meiner Meinung nach noch zu kurz, weil es zu mechanistisch gedacht ist. Denn kein Künstler wird lediglich allein wegen des Honorars seine Werke fertigen. Luxus, so ließe sich das, was ich aufgrund der kürze des Abends leider offensichtlich nicht genug zum Ausdruck bringen konnte, zusammenfassen, ist der Unterschied zwischen Kultur und Natur, es ist der Unterschied zwischen menschlichem Leben und tierischem Vegetieren, es ist der Unterschied zwischen Denken und Instinkt.
    Es tut mir leid, dass ich diesen Kerngedanken, der die Jubiläumsausgabe unseres Journals trägt, nicht deutlich genug zum Ausdruck bringen konnte.

    Mit den besten GRüßen auch an Herrn Vasek
    verbleibe ich
    Ihr

    Siegfried Reusch

    P.S.: Sofern Sie Interesse an einem Beitrag zu diesem Thema für die Hohe Luft haben, kann ich einen solchen gerne in der gebotenen Kürze verfassen.

  2. Heinz sagt

    Das geht ja in die Richtung ob Geld glücklich macht oder nicht. Sicherlich kann man auch mit wenig Geld ein glückliches Leben führen, aber ausreichend Vermögen macht es lebenswerter und nimmt einem Sorgen wie dem Zwang arbeiten zu müssen, Arbeitslos zu werden, auf materielle Güter verzichten zu müssen, nicht ausreichend medizinisch versorgt zu werden, usw. Ob einen nun eine Luxusyacht wie hier http://www.luxusyacht-kaufen.de/?post=sanlorenzo-sl118 glücklich macht, liegt sicherlich an jedem selbst und seinem zur Verfügung stehenden Vermögen. Ich bin der Meinung, wer über finanzielle Mittel verfügt, der sollte sich diesen Luxus auch gönnen.

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