HOHE LUFT
Kommentare 1

„Kreativität ist nur das Verbinden von Dingen.“

Über Kreativität zu schreiben ist so ähnlich wie über das Schreiben zu schreiben. Die berühmte „Kreativität auf Knopfdruck“ macht vor allem denjenigen zu schaffen, die sich beruflich als „Kreative“ verstehen. Sie wollen mit ihrer Kreativität Geld verdienen. Was macht der Kreative denn, wofür man ihn bezahlen sollte?

„Kreation“ bedeutet Schöpfung. Die Anhänger des Kreationismus, einer besonders in den USA verbreiteten christlichen Strömung, glauben, dass die Welt wortwörtlich in sieben Tagen vor wenigen tausend Jahren von Gott aus dem Nichts erschaffen wurde. Wer kreativ ist, schafft demnach etwas Neues, das es vorher nicht gab. Im Gegensatz zum biblischen Gott schaffen Menschen aber nichts aus dem Nichts. Ideen, genau wie innovative Erfindungen, ploppen nicht einfach aus dem blauen Dunst. Um das Rad zu erfinden, setzten ein paar kluge Leute lediglich Materialien zu einer neuen Form zusammen. Der Kreative ist also eigentlich ein Baumeister, der die Dinge, die ihm zur Verfügung stehen, neu anordnet.

So gesehen kann jeder kreativ sein. Zumindest theoretisch stehen jedem die gleichen Ressourcen zur Verfügung, die er beliebig anordnen kann. Dennoch leistet der Kreative mehr als bloß Teile zusammenzubauen. Die wirklich kreative Leistung zeigt sich oft gar nicht im materiellen Endprodukt, sondern in der Idee dazu. Der 2011 verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs drückte das so aus:

„Kreativität ist nur das Verbinden von Dingen. Wenn Sie kreative Menschen fragen, wie sie etwas geschaffen haben, fühlen sie sich ein bisschen schuldig, weil sie gar nicht wirklich etwas getan, sondern nur etwas gesehen haben.“

Was heißt hier „nur“? Für kreative Meisterleistungen wie das Schreiben eines Jahrhundertromans oder das Verfassen eines monumentalen Musikstückes ist die Bezeichnung „nur“ reichlich tiefgestapelt. Das wusste Steve Jobs natürlich. Schließlich hat er selbst dadurch, „nur etwas gesehen“ zu haben, die Marke Apple zum weltweiten Erfolg geführt und sämtliche Konkurrenten hinter sich gelassen. Ob man das gut findet oder nicht – was es bedeutet, kreativ zu arbeiten, wusste Steve Jobs ganz genau.

Auch wenn also Buchstaben und Noten schon vorhanden sind, ist es der Autor oder der Komponist, der daraus etwas Neues, Einzigartiges erschafft, das es in dieser Form tatsächlich noch nicht gab. Veränderung und Innovation geht darum immer von Kreativen aus. Wir können froh sein, sie zu haben.

– Greta Lührs

 

VERANSTALTUNGSHINWEIS

Kongress Kreatives Unternehmertum 2014
„Wir vereinen Inhalte eines Kongresses, Atmosphäre eines Festivals und Impressionen einer Kunstausstellung“
Vom 18. – 19. September auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein
Tickets und Anmeldung hier.

 

1 Kommentare

  1. Meiner Meinung nach ist Kreativität nicht das „Verbinden von Dingen“.
    Man braucht etwas um zu der „Schöpfung“ (Kreativität) zu gelangen: Es ist die Inspiration (Idee). Das ‚Einhauchen‘ der Idee, die dazu führt, dass man „gar nicht wirklich etwas getan, sondern nur etwas gesehen“ hat. Man hat die Idee (Inspiration)für einen Text und sobald er geschrieben wird, ist die Schöpfung (Kreativität) vorhanden. Ohne Inspiration ist keine Schöpfung möglich und somit auch keine Kreativität möglich. Von der Kreativität als ledigliches Verbinden von Dingen zu sprechen ist also fraglich. Kreativität ist meiner Meinung nach das Endprodukt der Inspiration.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.