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DIE ANDERS-MACHER

„Man verdirbt einen Jüngling am sichersten, wenn man ihn verleitet, den Gleichdenkenden höher zu achten als den Andersdenkenden.“, schrieb einst Friedrich Nietzsche in seinen „Gedanken über die moralischen Vorurteile“. „Anders-Sein“ ist ein äquivoker Begriff, er kann sowohl positiv wie negativ konnotiert sein – abhängig vom jeweiligen Gebrauch. Jedenfalls enthält er eine stark normative Komponente. Während Nietzsche zugunsten der „Andersdenkenden“ argumentiert, stößt der Begriff des „Anders-Seins“ im alltäglichen Sprachgebrauch nicht immer in dieselbe Richtung. Wer jemandem „Andersartigkeit“ attestiert, kann damit meinen, dass dieser Jemand seltsam und darum anders ist, zugleich kann damit aber auch jemand bezeichnet werden, der anders im Sinne von besonders ist. So kann ein außerordentlich begabter Schriftsteller, ein Genie, genauso „anders“ sein wie das Mitglied einer Subkultur. In beiden Fällen kann „Anders-Sein“ positiv wie negativ ausgelegt werden.

Anders-Sein heißt erst einmal „nicht-gewöhnlich“ – es bewegt sich abseits der Norm. Nicht selten stellen „Andersartige“ gängige Vorstellungen in Frage und rütteln an den Grundfesten unseres kulturellen Normensystems. Der außerordentlich begabte Schriftsteller kann gegen die Gesellschaft anschreiben, der Punk optisch ein Zeichen zur Abgrenzung setzen, etwa durch das Tragen eines Irokesen.
„Andersartigkeit ist für eine Gesellschaft enorm wichtig“, sagt Soziologe Prof. Ronald Hitzler im ARD-Nachtcafé zur Frage „Anders sein – Bürde oder Chance?“. Nur durch Andersartigkeit, so Hitzler, kann Neues entstehen, können Entwicklungen angestoßen werden. Die „Anders-Seienden“ warten mit Ideen und Ansichten auf, die gleichermaßen unkonventionell, befremdlich wie innovativ sein können. Was sie vom durchschnittlichen „Normalo“ unterscheidet, ist ein außergewöhnlicher Blick auf Gesellschaft, Politik oder Kunst.

So verfasste etwa Beststeller-Autor Timothy Ferriss ein leidenschaftliches Plädoyer für eine 4-Stunden-(Arbeits-)Woche in seinem gleichnamigen Buch, das immerhin Platz 1 auf der New York Times-Bestsellerliste belegte. Ferris, der ganz nebenbei auch noch den Weltrekord für die meisten aufeinander folgenden Tango-Drehungen in einer Minute hält, verteidigt darin das MBA: Management by Absence. Man mag von diesem Ansatz halten, was man will – Ferriss rührt mit seinem Konzept an ein Tabu, indem er die klassische 40-Stunden-Woche in Frage stellt.
Und darin liegt letztlich auch die Zündkraft der „Anders-Seienden“: Obwohl sie in der Unterzahl sind, kommt gerade ihnen das Potenzial zu, Veränderungen durchzusetzen. Wieso? Sie haben den Mut, Neues zu denken – und anders zu handeln.

Veranstaltungshinweis:
Die Konferenz für Andersmacher: Am 15.05. findet ACT DIFFERENT! im Kosmos Berlin statt. Die Konferenz bietet eine Plattform für Ideen, Erfahrungen und Grundhaltungen, die nicht selbstverständlich sind. 13 Impulsgeber vermitteln großartige Ideen aus ungewohnter Perspektive.
HOHE LUFT verlost 1 Karte im Wert von 990€!
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– Christina Geyer

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