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Der Deutsche Preis für Philosophie und Sozialethik

100.000 Euro sind eine Menge Geld. Erst recht, wenn man sie mit Philosophie verdienen will. Der Münsteraner Philosophie-Professor Michael Quante hat genau dies geschafft. Ihm wurde gestern Abend zum ersten Mal der Deutsche Preis für Philosophie und Sozialethik verliehen. Der von der Max-Uwe-Redler Stiftung gespendete Preis ehrt herausragende Philosophen, die das fünfzigste Lebensjahr noch nicht wesentlich überschritten haben. Im mit dunklem Holz getäfelten Hörsaal B der Universität Hamburg trafen sich zu diesem Anlass namenhafte Philosophen wie Volker Gerhardt, Birgit Recki oder Julian Nida-Rümelin.

Seltsam nur, dass so wenige Medien über diese Preisverleihung berichten. Immerhin handelt es sich um den höchstdotierten Preis für Philosophie in Deutschland. Für die chronisch benachteiligten Geisteswissenschaft ein großes Event – man denke etwa an den Nobelpreis, wo mit Literatur nur ein einziges Fach vertreten ist. In diesem Sinne nutzte der Preisträger seine Redezeit, um auf die Unverzichtbarkeit der Philosophie hinzuweisen. Er würdigte sie als Insel der Reflexion in einer beschleunigten Moderne, die mit ihrem kritischem Scharfsinn alle Dinge prinzipiell bezweifeln oder begründen könne. Philosophie sei eine Disziplin, die sich nicht hinter einem „Ich glaube“ verstecke, sondern einen universellen Anspruch wagt, ohne paternalistisch zu sein. Quante ist einer der bedeutendsten deutschen Vertreter der angewandten Ethik. Dementsprechend lautet seine Definition von Philosophie auch „Kritik im Handgemenge“. Zum Abschluss bedankte sich Quante bei der Philosophie, die ihm ein so einzigartiges Leben ermögliche. Und wahrlich: Ein Fach, in dem man mit fünfzig noch als Nachwuchs gilt, muss man einfach gern haben.

Robin Droemer

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