Utopie als Motor der Veränderung

Das Projekt- und Aktionsnetzwerk living utopia organisiert im November UTOPIKON, die »Utopie-Ökonomie-Konferenz« rund um die Frage, wie eine solidarische, zukunftsfähige Ökonomie aussehen könnte. Tobi Rosswog vom Organisationsteam hat uns erzählt, warum er an die Kraft von Utopien glaubt.  

Was ist für dich eine Utopie?

Was ich unter Utopie verstehe, lässt sich am besten in dem Gedicht von Fernando Birri wiederfinden:

Die Utopie sie steht am Horizont.
Ich bewege mich zwei Schritte auf sie zu
und sie entfernt sich um zwei Schritte.
Ich mache weitere 10 Schritte
und sie entfernt sich um 10 Schritte.
Wofür ist sie also da, die Utopie?
Dafür ist sie da:
um zu gehen!“

Utopie ist für mich ein Prozess und vor allem ein Freiraum, in dem Bedenken wie »Das kann ich mir nicht vorstellen« oder »Das hat noch nie funktioniert« keinen Platz haben. Für mich ist zentral, Austausch-, Erfahrungs- und Experimentierräume zu schaffen, in denen nicht nur theoretisch, sondern vor allem auch praktisch ausprobiert wird, um utopietaugliche Alternativen entstehen zu lassen. Das versuchen wir mit unseren Aktivitäten beim Projekt- und Aktionsnetzwerk living utopia zu verwirklichen.

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Tobi Rosswog

Wofür brauchen wir Utopien?

Utopien sind für mich Motoren der Veränderung. Sie motivieren und inspirieren uns neue Wege zu gehen. Der Wandel wird kommen, entweder by design oder by desaster. Wir möchten den Wandel gestalten. Dafür müssen wir außerhalb der gewohnten gesellschaftlichen Konventionen denken. Albert Einstein hat mal gesagt: »Wir können Probleme nicht mit der selben Denkweise lösen, wie sie auch entstanden sind.« Nun gilt es mutig neu zu experimentieren und neue Selbstverständlichkeiten zu etablieren. Die Ökonomin, Aktivistin und Historikerin Friederike Habermann hat einmal gesagt: »Wir brauchen neue Erfahrungen, in denen wir uns verändern und so neue Erkenntnisse erlangen können. Insofern ist nicht nur realistisch, was im Augenblick durchführbar erscheint: Die Welt formt uns, und wir formen die Welt.«

Was wollt ihr mit Utopikon erreichen?

Wir möchten Alternativen aufzeigen, Inspiration geben und Austausch ermöglichen. Außerdem geht es darum, außerhalb der Box zu denken und sich über Wege und Herausforderungen in eine geldfreie(re) Gesellschaft auszutauschen. Wichtig ist dabei immer: Nur weil heute etwas undenkbar zu sein scheint, heißt es nicht, dass es unmöglich ist, es ist eben nur gerade noch nicht denkbar.

Was wäre das erste, das du ändern würdest, wenn du mit einem Klick die Welt verändern könntest?

Da ich nicht an die Idee Öko-Diktator*in glaube, würde ich vermutlich – im Wissen darüber, dass dieser Akt eine gewisse Widersprüchlichkeit in sich trägt – Macht und Herrschaft aus der Welt schaffen und darauf vertrauen, dass Menschen in selbstbestimmten Kollektiven sich nicht weiter dem Diktat des Geldes unterwerfen, sondern in einer Beitragsökonomie organisieren, sodass jede*r die inidividuellen Talente aus intrinsischer Motivation gemeinwohldienlich teilt, um die Bedürfnisse zu decken.

Die Utopikon findet am 5. November 2016 statt. Noch bis 05. September können sich Interessierte anmelden, die Teilnahme ist kostenlos.
Forum Factory, Besselstraße 13, 10969 Berlin