Ich übersetze, also denke ich

Ob Maschinen denken können, ist eine dieser Fragen, über die sich stundenlang mit Spaß diskutieren lässt, ohne weiterzukommen. Der britische Mathematiker Alan Turing schlug in den 1940er Jahren den berühmten, nach ihm benannten Test als Kriterium für denkende Maschinen vor: Eine Maschine kann denken, wenn sie sich in einem anonymisierten Dialog überzeugend als Mensch gerieren kann. Womit Turing allerdings nicht gerechnet hatte, ist die Gutgläubigkeit seiner Artgenossen. In Gesprächen neigen wir von vornherein dazu, das Gegenüber als Unseresgleichen zu betrachten. Das demonstrierte eindrucksvoll der amerikanische Informatiker Joseph Weizenbaum 1966 mit seinem simplen Programm Eliza, und das kann heute jeder im Internet am genial programmierten Cleverbot ausprobieren (www.cleverbot.com – siehe auch Hohe Luft, Seite 9). Beide sind definitiv nicht intelligent, tun aber im Gespräch überzeugend so.
Deshalb hier ein Vorschlag für einen reformierten Turing-Test, der die Schwäche des alten Tests vermeidet: Eine Maschine kann denken, wenn sie Texte von einer natürlichen Sprache in die andere übersetzen kann. Um Texte zu übersetzen, muss man sie verstehen, und um sie zu verstehen, muss man denken können. Meine These also: Sobald Computer unsere Texte übersetzen können, werden wir ihnen auf Augenhöhe begegnen müssen.