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Amok der Begriffe


Der Täter von München war also ein »Amokläufer«, und kein »Terrorist«. Das klingt zunächst beruhigend. Es gibt eine Kategorie, in die diese Bluttat passt. Der Täter ist nicht nur tot, sondern auch auf den Begriff gebracht. Wir können die Ereignisse von München mit ähnlichen Taten vergleichen, etwa mit Amokläufen wie jenem an der Columbine High School oder in Winnenden. Man kann die psychischen Probleme des Täters rekonstruieren, seine familiäre Situation.

Aber was, wenn morgen der IS die Tat für sich reklamiert, obwohl es keinerlei evidente Verbindung gibt? Und was, wenn der nächste IS-Täter sich das Szenario von München zum Vorbild nimmt? Was unterscheidet die Tat von München dann von einem wirklichen Terrorakt?

Natürlich ist es wichtig, zwischen verschiedenen Tätertypen zu differenzieren. Es macht einen Unterschied, ob jemand aus persönlicher Verzweiflung gehandelt hat, aus einer narzisstischen Kränkung – oder eben aus politischen oder religiösen Beweggründen. Aber nicht immer lassen sich Motive deutlich erkennen; oft kann man sie auch nicht klar voneinander unterscheiden.

Es genügt nicht, Taten und Täter nur nach ihren Motiven zu beurteilen und zu kategorisieren. Man muss die praktischen Konsequenzen der Taten betrachten.

Im Fall von München hat es dieser 18jährige mit seiner Bluttat geschafft, eine Großstadt für eine Nacht in den Ausnahmezustand zu versetzen und weltweite Reaktionen auszulösen. Auch wenn David S. kein »Terrorist«, sondern »nur« ein Amokläufer war: Er hat »Terror« im Wortsinn verbreitet, also Angst und Schrecken, und zwar auf ungeheuer effektive Weise. Zu fürchten ist, dass andere versuchen werden, es ihm gleich zu tun, ob sie politische und religiöse Motive haben oder nicht.

Wenn wir den Terror bekämpfen wollen, müssen wir uns stärker mit seinen Konsequenzen beschäftigen – also letztlich auch damit, wie wir alle auf solche Taten reagieren, ob auf Facebook oder sonstwo. Was Terror ausmacht, das sind nicht die Motive einer Tat, sondern deren Folgen. Thomas Vašek

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