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HOHE LUFTPOST – ENHANCEMENT AUF BAYERISCH

HOHELUFTpost vom 25.09.2015:

Am letzten Wochenende fanden zwei bemerkenswerte Ereignisse statt: In Lech am Arlberg kamen kluge Leute zum Philosophicum zusammen und diskutierten über die Möglichkeiten und Gefahren des »Enhancement«, also der Verbesserung des Menschen mit technischen Mitteln. Und in München begann das Oktoberfest. Hier gelehrte Vorträge und Diskussionen – dort Blasmusik und Bier in Strömen. Auf den ersten Blick haben Philosophicum und Oktoberfest rein gar nichts miteinander zu tun.

Auf den zweiten Blick doch einiges. Zwar ging es in Lech mehr um neue Entwicklungen wie Anti-Aging und Gehirnimplantate. Doch Alkohol ist einer der ältesten »Enhancer« der Kulturgeschichte, und neben Koffein der wohl am weitesten verbreitete. Er macht zwar weder schlauer noch schöner (abgesehen vom »Schönsaufen«), hilft jedoch bei der Bewältigung wichtiger sozialer Aufgaben. Unzählige Partnerschaften, Freundschaften und Verträge wären ohne ihn nicht zustandegekommen. Der Moralphilosoph Richard Egenter sprach von der »sozialen Funktion des Alkohols«.

Auf dem Oktoberfest zeigt sich diese Funktion besonders eindrucksvoll. Zeitweise eine Million feiernde Menschen drängen sich auf der Theresienwiese, mehr als zwei pro Quadratmeter, und doch passiert erstaunlich wenig. Der Alkohol sorgt für weitgehend friedliches und vorhersagbares Verhalten. Obendrein wird er vom Stoffwechsel ziemlich schnell beseitigt. Und auch das ist gut so. Zwei Wochen extremes soziales Enhancement sind genug.

– Tobias Hürter

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