HOHE LUFT
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Ein totalitärer Denker

Unter dem Hashtag #schlussmitheidegger plädieren wir derzeit dafür, endlich mit der Verteidigung des umstrittenen Philosophen Martin Heidegger aufzuhören.

Nicht alle teilen diese Meinung, es werden auch Gegenstimmen laut.

Im Rahmen dieser Diskussion möchten wir Ihnen den ausführlichen Artikel „Ein totalitärer Denker“ unseres Chefredakteurs Thomas Vašek nicht vorenthalten, der in der Ausgabe 06/14 am 25.09. erschienen ist. Ab sofort ist der Artikel hier in voller Länge zu lesen. 

Wir sind weiterhin gespannt auf Ihre Meinung! Sollen wir ohne Heidegger denken? Oder geht es nicht ohne ihn?

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2 Kommentare

  1. J.schmidtmann sagt

    Sehr geehrte „philosophen“
    Es geht Ihnen doch garnicht um Heidegger, sondern um Ihre eigene Denkweise. Ich habe schon früher auf das unheilvolle Wirken der „Frankfurter Schule“ hingewiesen. Ihre Art zu Denken und zu argumentieren erinnert mich sehr stark an diese „Schule“, die nie philosophiert hat, sondern ideologisch argumentierte. Heidegger war auch kein toltalitärer Denker, genauso wenig wie ich Sie als „Sofa Sozialisten“ gezeichnen würde. Als Kantianer kann ich Ihren gedanklichen Linie nicht folgen. Dafür ist mir Philosophie zu wichtig.
    Mit freundlichen grüßen
    Jürgen Schmidtmann
    Nørreagervej 30
    DK – Tinglev

  2. Roland Kiefer sagt

    Die heilige philosophische Inquisition des Thomas Vasek

    Dass Heideggers Werk braune Flecken aufweist ist wohl unstrittig, keineswegs aber eine nationalsozialistische „Kontamination“ seines gesamten Denkens. Thomas Vasek erlaubt sich zu Unrecht den reißerischen Schlachtruf „Schluss mit Heidegger“. Der Gedankengang seines Artikels liefert dabei eher selbst das Gift, das Heideggers Denken unterstellt wird. Man kann ihn auch als inquisitorischen Hinrichtungsversuch lesen, der nach folgendem Muster verläuft:
    1. Unterstellung einer Einheit von Heideggers Werk durch eine geschickte Paraphrasierung angeblich zentraler Gedanken. Diese Einheit ist nicht gegeben, Heideggers Werk ist ein Protokoll fließenden Denkens, das in unterschiedliche Richtungen divergiert. Sein epochales Hauptwerk Sein und Zeit wird – da für das inquisitorische Vorgehen unproduktiv, ja gefährlich- weitgehend ignoriert zugunsten seines späteren Denkens. In diesem „Seinsdenken“ findet man dann was man sucht.
    2. Unterstellung eines braunen Gravitationszentrums und eines entsprechenden „systematischen Zusammenhangs“ im Heideggerschen Denken. Dies ist das eigentliche „Kerngeschäft“ der Inquisition in Vaseks Artikel: der Prozess der „Entlarvung“ der Heideggerschen Philosophie. Dabei werden die zunächst mühsam aus dem Gesamtwerk herausgeklaubten Zitate verallgemeinert.– in den „schwarzen Heften“ gelten 3 Seiten von über 1200 als antisemitisch / nationalsozialistisch engefärbt – So einfach ist das – die Vergiftung des Ganzen scheint geglückt. Jetzt noch der Hinweis auf die fehlende Ethik / Moralphilosophie und fertig ist die Dämonisierung. ( Wo die Ethiker und Moralphilosophen bis auf wenige Ausnahmen beim großen Menschenschlachten der beiden Weltkriege standen, dürfte hinlänglich bekannt sein )
    3. Das Verschweigen entlastender Faktoren: Heidegger hatte innige Beziehungen zu Jüdinnen und Juden, sowohl auf menschlicher und philosophischer Ebene, das prominenteste Beispiel ist Hannah Arendt
    4. Die mit Empörungspathos vorgetragene Ausscheidung des als „böse“ entlarvten Ketzers aus dem Kreise der „guten“ Philosophen, die –.politisch immer schön korrekt die liberal-demokratisch-humanistisch-rationale Fahne – hochhalten.

    Ich schlage deshalb vor, die Hetzkampagne gegen Heidegger zu widerrufen. Er lebte – wohl wie wir alle – in einer gebrochenen Existenz: zwischen Größe und Elend, allerdings ausgestattet mit einer seltenen anarchischen Denkkraft, die nach wie vor unseren philosophischen Horizont erweitert.

    Roland Kiefer

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