HOHE LUFT
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Zum Tode Frank Schirrmachers

Wir müssen brennen

Wenn der Tod eines Menschen überhaupt etwas lehrt, dann das eine, dass wir das Leben ernst nehmen müssen.  Wir haben die Verantwortung, aus unserem Leben etwas zu machen.  Und wir dürfen unsere Zeit nicht verschwenden, weil das Leben jederzeit vorbei sein kann. Das sind die Gedanken, die mir zum Tod Frank Schirrmachers durch den Kopf gehen.

Der Tod eines Menschen nimmt ihm Chancen, er betrügt ihn um all die Möglichkeiten, die er noch hätte, wenn er weiterleben würde. Schirrmacher hätte noch viele Artikel  und Bücher schreiben und wichtige Debatten anstoßen können. Das Furchtbare seines Todes ist, dass er das alles nicht mehr tun kann; der Tod hat ihn darum betrogen. Tröstlich ist nur, dass er viele Möglichkeiten seines Lebens bereits verwirklicht hat. Dass er viele Menschen mit seinen Gedanken beeinflusst hat, dass er eine Familie und Freunde hatte.

Frank Schirrmacher hat für das gelebt, was er für wichtig (und richtig) hielt; er hat dafür gebrannt, mit seiner ganzen Seele. Wir dürfen annehmen, dass er ein gelungenes Leben gehabt hat, auch wenn er viel zu früh gestorben ist. Von seinem Tod können wir nur das eine lernen: Wir müssen die Chancen unseres Lebens nutzen – und für die Dinge brennen, die uns wichtig sind. Bis zum Ende, wann immer es kommt. Ein ungenütztes Leben ist schlimmer als der Tod.

– Thomas Vašek

3 Kommentare

  1. Etwas an Ihrem Appell angesichts des toten Schirrmacher kommt mir falsch und soldatisch vor. Der Tod eines wichtigen Menschen, speziell durch den hinterhältigen Herztod, ist grausam, schwer zu fassen, ungerecht. Ich habe das in der Familie selbst durchgemacht. Aber die Idee „weniger Tod durch mehr Leben“ ist ein Trugschluss. Es gäbe andere Varianten, z.B. „weniger Tod durch mehr Schlafen“ oder „mehr Leben durch mehr Träumen“ – das sind weniger soldatische, kämpferische, mannhafte Lebensübungen, sicher. Am Ende scheint der Tod der große Sieger zu sein, das ist bitter, aber meine Erfahrung sagt mir: Irgendwann ist die Bitternis fort, und der Tote lebt frei von der Todes-Schmach im Gedächtnis weiter. Das passiert von alleine. Soldatische Fanfaren sind nicht nötig, das verbreitet nur Angst, unter Schafen wie unter Tigern.

  2. M.neumann sagt

    Hallo,

    ein plötzlicher Tot ist schmerzlich, ohne Frage, er schockt uns, lehrt und erinnert uns wieder an unsere eigene Sterblichkeit. Auch überdenken wir wieder Sachen, die man gerne verdrängt oder vergisst. Aber der Tot betrügt uns nicht, auch nimmt er uns keine Chancen. Der Tot ist eine Geschehen was zum Leben gehört. Nicht mal ein Ende ist er, denn es geht immer weiter! Und wenn wir zu „Lebzeiten“ unseren Tag nutzen und unser Wissen sinnvoll einsetzen, verschenken wir nichts. Der Tot ist kein Gegenstand oder gar eine Gestalt auf die wir zeigen können und ihr die Schuld geben können, nein.. Das kann gut, aber auch schlecht sein. Nur wir selber entscheiden was „gut“ und „schlecht“, dem Leben ist das gleich..
    Das Leben ist nicht „so oder so“, sondern „so und so“.
    Wir entscheiden über unseren Moment. Also Leben, hier und jetzt!
    Hochachtungsvoll in Gedenken an Herr Schirrmacher

  3. Y. Kaptan sagt

    Ich vertrete in der Hinsicht einen antiquierten Standpunkt: Sterben ist natürlich und das Natürliche ist gut. Punkt-Aus-Tod. Wie man bewertet, ob ein Leben „genutzt“ wurde oder nicht, ist mir jetzt auch nicht klar. Zwar gibt es dazu schon unendlich viele philosophische Meinungen, aber gegen einen entsprechenden Artikel in der Hohen Luft würde ich mich nicht verwehren. 😉

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