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Warum Hans Magnus Enzensberger der nächste Bundespräsident werden sollte

Noch heißt unser Bundespräsident Christian Wulff. Aber die Situation ist so, dass man sich schon mal Gedanken machen darf, wer auf Wulff folgen könnte. Die Politiker der Regierungskoalition tun es bestimmt auch schon, auch wenn sie es leugnen, sie müssen es tun, und sie müssen es leugnen. Ein besserer Präsident, darüber dürfte weithin Einigkeit bestehen. Das ist ein bescheidenes Ziel. Ein richig guter Präsident. Schon schwieriger.

Wir haben einen Vorschlag: Hans Magnus Enzensberger, Schriftsteller, wohnhaft in München. Dort bewohnt Enzensberger kein biederes Klinkerhaus, sondern eine höchstwahrscheinlich einwandfrei finanzierte Altbauwohnung. Er ist frei von der Hybris der Macht, von der Berufspolitiker wie Wulff vom Seitenscheitel bis zur Sohle durchtränkt sind.

Der Unterschied zwischen Enzensberger und Wulff zeigt sich deutlich in ihrem Umgang mit ihren eigenen Fehlern. Wulff windet sich kläglich um sie herum. Das konnte man in dem Fernsehinterview beobachten, mit dem er sich letzte Woche gegen die Vorwürfe der Bild-Zeitung wehren wollte: Ja, ich habe Fehler gemacht, dafür entschuldige ich mich, ich bin zerknirscht, aber jetzt sehen Sie mal, diese Fehler sind doch überhaupt nicht schlimm gewesen, das hätten Sie auch so gemacht.

Dagegen steht Enzensberger zu seinen Fehlern. Er hat sogar ein Buch über sie geschrieben. »Meine Lieblings-Flops« heißt es, und es hat etwas, das Wulff fehlt, nämlich Witz. Ein witziger Bundespräsident – eine erfrischende Perspektive.

Das Grundgesetz gibt dem Bundespräsidenten kaum funktionelle Macht. Er wirkt vor allem durch seine Worte. Enzensberger ist ein Meister des Worts, davon lebt er. Er benutzt es, um zu klären, nicht um zu verschleiern.

Enzensberger interessiert sich für Philosophie, Wissenschaft, Fußball und Politik, und die Positionen, die er bezieht, passen den Mächtigen nicht immer. Zum Beispiel seine Europa-kritische Haltung. Es ist eine wohlwollende, konstruktive Kritik, die sich gegen die Institutionen der EU richtet, nicht gegen die europäische Idee. Egal, sie schmälert seine Chancen aufs Amt. Nicht aber seine Befähigung.

Enzensberger ist Jahrgang 1929, also 30 Jahre älter als Wulff. Aber er selbst hat gerade dafür plädiert, die gesetzliche Altersgrenze für den Renteneintritt abzuschaffen. Wenn das kein Omen ist. Enzensberger for president!

2 Kommentare

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  2. Mööönsch, klasse,
    jemand, der selbstkritisch ist, intelligenter als alle zusammen, ein Dutzend Sprachen spricht – und erwiesenermaßen zur aussterbenden Gattung der Selbstdenker gehört – das Volk soll entscheiden. Also bitte gefälligst: Volksabstimmung: HME for president!
    VvE

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