Ein Tango mit Aristoteles

Die härtesten Türsteher findet man in der Philosophie. Nur wer die methodischen Standards ehrt, wird Teil dieses exklusiven Clubs: Formale Logik, deutliche Sätze und klare Thesen bitte – „sonst kommst du hier net rein!“ Poetische Geister können ja gerne im Feuilleton herumdaddeln. Echte Philosophen hingegen argumentieren knallhart und straightforward.

Stimmt nicht, sagen die performativen Philosophen – und suchen sich ihren eigenen Weg. Weltweit erforschen ihre Anhänger die Berührungspunkte von Philosophie, Tanz und Theater. Dazu bedienen sie sich nicht nur gewohnter Medien wie Vorträgen oder theoretischen Abhandlungen, sondern auch performativer Elemente wie Tanz und Film. Ein Tango mit Aristoteles: Ist das noch Philosophie?

Die performative Philosophie ist nicht der erste Herausforderer der konservativen Auslegung. Besonders im Grenzbereich zu anderen Disziplinen existieren bereits einige innovative philosophische Sparten, von der interkulturellen Philosophie bis hin zur eher literarischen à la Jacques Derrida. Nahe an der ästhetischen Praxis sucht nun die performative Philosophie nach neuen Ausdrucksformen philosophischer Gehalte.

Was Tanz mit Philosophie zu tun hat, ist eine berechtigte Frage. Eine ganze Menge, ist eine gerechtfertigte Antwort. Denn die performative Philosophie erschöpft sich nicht im Nachdenken über das Performative. Sie sucht nach neuen Wegen abseits von Wort und Schrift, Dinge philosophisch auszudrücken. In dieser Hinsicht zumindest gründet die performative Philosophie in einer ur-philosophischen Motivation – dem Hinterfragen von Selbstverständlichkeiten. In sprachlich-logischen Aussagen zu philosophieren ist eine solche Selbstverständlichkeit, dass sie von der Philosophie bisher kaum angetastet wurde. Die Pioniere der performativen Philosophie tun jetzt genau das, indem sie andere Weisen des Philosophierens ausprobieren. Dabei sind sie selbst auch wiederum Teil eines Hinterfragungsprozesses: Was performative Philosophie genau ist, steht nicht fest und muss sich in ihrem Vollzug immer erst neu erfinden. Auch wenn hier also weniger sprachlich argumentiert wird als gewohnt, ist die Bezeichnung Philosophie aufgrund ihrer Motivation durchaus gerechtfertigt.

– Robin Droemer

Allen, die tiefer in die performative Philosophie dringen wollen, sei das Philosophie-Festival
[soundcheck philosophie] ans Herz gelegt. Dort wird elementaren Fragen der performativen Philosophie nachgefühlt:

Wie viele und welche Bewegungen braucht es, um sich im Denken zu orientieren? Wie bewegen wir uns im Denken? Was bewegt uns beim Denken? Welche Körperbewegungen brauchen wir zum Denken? Was hat ein Gedankengang mit Geh-Bewegungen zu tun? Und wie sind wir bewegt, wenn uns das Denken eines Anderen bewegt?

Veranstaltungshinweis:

[soundcheck philosophie] – Denkbewegungen (24.-27.10.2013) in Halle