HOHE LUFT
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Die Wirklichkeit und ihre Spiegelung – Philosophisches Rätsel

Zwei Philosophen sitzen an einem stillen Bergsee, in dem sich die umliegenden Gipfel spiegeln. Der See ist völlig glatt – ein perfekter Spiegel. Der eine Philosoph sinniert: »Wie soll man noch unterscheiden zwischen der wirklichen Welt und ihrer Spiegelung, wenn das Abbild bis ins Letzte genauso aussieht wie das Abgebildete?«
Der andere sagt: »Auch wenn das Abbild perfekt ist, es gibt immer einen bestimmten Unterschied zwischen Bild und Abbild.«

Welchen Unterschied suchen wir?

12 Kommentare

  1. Andreas Drexhage sagt

    Ganz einfach: das Bild ist zuerst da. Und: wenn ich das Abbild ändere, ändert sich das Bild nicht. Andersherum verändert sich das Abbild mit, wenn ich das Bild ändere.

  2. Greta Lührs sagt

    Vielen Dank für’s Mitmachen!

    Der gesuchte Unterschied liegt in der Perspektive. Weil der Beobachter immer über dem Wasserspiegel ist, erscheint ihm das Spiegelbild aus einem steileren Winkel als die gespiegelte Landschaft.

  3. Megalo Spiti sagt

    Die Spiegelung ist Bestandteil der Welt und Wirklichkeit. Aber sie ist keinesfalls gleichzusetzen oder gar mit der Wirklichkeit oder Welt zu verwechseln. Man werfe nur einen kleinen Stein in den See. Schon hat man anhand der kleinen Wellen den Unterschied – mal abgesehen davon, dass im See ja alles spiegelverkehrt ist.

  4. Die zwei Philosophen sitzen also gemütlich am Bergsee, da darf ich annehmen, dass es halbwegs trocken ist. Würden die beiden sich nun trennten und losmarschierten, der eine in eine Welt hinein und der andere in die andere, dann wüßte der mit den nassen Klamotten recht bald, dass er auf das Abbild hereingefallen ist, meine ich. Das ist ein klarer Unterschied.

  5. Stefan sagt

    »Welchen Unterschied meinst du?«, fragt der erste Philosoph. Der zweite Philosoph nimmt einen Stein in die Hand und wirft ihn dem ersten Philosophen an den Kopf. »Jetzt spürst du ihn«, sagt er. Der erste Philosoph stösst einen lauten Schrei aus. »Jetzt hörst du ihn«, sagt der zweite Philosoph. Dann nimmt er einen zweiten Stein und wirft ihn auf das Spiegelbild des ersten Philosophen. »Und jetzt siehst du ihn.«

  6. Wolfgang sagt

    Knick im Kopp? – oder auch: – zwei Probleme/Wunder!

    1. Woher weiß der eine denn, dass der andere es genauso sieht? 2. Mal angenommen, es sei nur einer, dann könnte er zum Aufgenommenen immer noch nicht Wahrgenommenes sagen (sonst würde es auch Falschnehmung geben). Bleibt man aber begrifflich sauber – und spricht vom Aufgenommenen (in dem Fall via Augen) – und das DA draußen, sei wirklich das DA draußen, dann kann der klitzekleine Unterschied nur in der Verarbeitung des Aufgenommenen liegen – ergo in dem, was man landläufig Wahrnehmung nennt. Doch dies bildet sich erst nach der Verarbeitung im Kopp. Sprich, die persönliche Verwurstung ändert die Qualität des Ganzen (daher ja auch der Begriff Qualia).

  7. Waldemar Undig sagt

    Es sind zwei Abbilder, die mittels ihrer Augen in die Bewusstseine unserer werten Philosophen kommen. Der Unterschied ist nur, dass zum einen das Licht der Berglandschaft direkt ins Auge fällt (Abbild 1) und zum anderen zusätzlich an einem ruhigen Bergsee gespielgelt wird (Abbild 2). Der dadurch sich ergebende unterschied in der Perspektive ist nicht wesentlich. Würde man zwei Fotos machen, auf denen jeweils nur ein Abbild zu sehen ist, wären sie gleichwertig. Es gäbe keinen wesenrlichen Unterschied, wenn wir die Welt nur noch durch einen Spiegel betrachetn würden.

  8. Teleshopper sagt

    Die einfachste Antwort wäre wohl gewesen (unter dem Parameter selber nicht einzugreifen[keien Änderung] und auch über die eigene Position (Perspektive) nichts zu wissen):

    Der Lauf der Sonne im Abbild 😉

    PS: wer jetzt sagt „und was wenn man die Sonne nicht sieht?“:

    Der Lauf der Schatten

  9. James William sagt

    Es geht wohl – falls man so sagen kann – eher um eine Differenz als um einen Unterschied, nämlich um die zwischen dem vom einen Philosophen Gefragten und dem vom anderen Philosophen Gesagten. Die beiden reden schlichtweg aneinander vorbei; der eine fragt nach dem Unterschied zwischen einem Abbild und dem Abgebildeten (Repräsentationsproblem), der andere redet (dementsprechend ungefragt) vom Unterschied zwischen einem Bild und einem Abbild (eine Frage der Sprachspiele bzw. der Ästhetik). Anders gesagt: Zwischen den beiden Äußerungen besteht keine Kongruenz, und dementsprechend auch keine zwischen dem Rätsel und den bisherigen Lösungsbeiträgen.

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